Man kann fast schon drauf gehen, dass am Wochenende des Wiler Mittelalter-Hofspektakel das Wetter nicht hochdruckbestimmt ist. Wiederholt dominierte bei diesen Veranstaltungen in den vergangenen Jahren Regenwolken. So auch am vergangenen Wochenende. «Am Samstag wurde es zu spät schön und über den Sonntag müssen wir gar nicht erst reden, sagt OK-Präsident Philippe Weder gegenüber hallowil.ch. Was er damit andeutet: Am Sonntag regnete es nur einmal, dafür durchgehend. Zwar hatte es am Samstag ansehnlich Volk. Der Publikums-Aufmarsch genügte aber bei weitem nicht, um den erstmals durchgeführten Freitag und den Regen-Sonntag zu kompensieren.

«Es war eine Katastrophe», sagt Weder unmissverständlich. Damit meint er selbstredend nicht den Anlass selber, sondern die Besucherzahl. Die genaue Auswertung liegt zwar noch nicht vor. Klar ist aber bereits, dass die angestrebte Summe von 10'000 Gästen deutlich verfehlt wurde. Womöglich dürften es rund halb so viele gewesen sein. «Schade, denn der Anlass geniesst einen guten Ruf und die Organisation hat bestens geklappt. Jene Leute, die gekommen sind, liessen sich nichts anmerken», sagt Weder. Auch die am Sonntag immer schlammiger werdende Wiese habe dem Spektakel keinen Abbruch getan.

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Ihm ist das Lächeln noch nicht vergangenen: Doch Philippe Weder und die Wiler Ritter brauchen drigend Geld, um überleben zu können.


Es braucht zwei neue Hauptsponsoren

So steht bereits fest, dass die Ausgaben des Anlasses durch die Einnahmen bereits zum dritten Mal hintereinander nicht gedeckt werden können. Genaue Zahlen nennt Weder nicht. Somit ist auch unklar, ob die Situation existenzbedrohend ist. Der OK-Präsident sagt aber: «Das reisst uns ein massives Loch in die Vereinskasse. Wir müssen prüfen, wie es weiter geht.»

Erschwerend kommt dazu, dass die Raiffeisenbank wegen einer Strategieänderung im Sponsoring-Bereich zum letzten Mal als Hauptsponsor dabei war. Da der Verein ohnehin auf der Suche nach einem weiteren Hauptsponsor war, braucht es nun wohl deren zwei, um das Hofspektakel auf eine gesunde, finanzielle Basis stellen zu können.

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So berichtete hallowil.ch während des Hof-Spektakels (6.8.):

Seit 13 Jahren wird in der Stadt Wil das mittelalterliche Hof-Spektakel organisiert. Im Jahr 2006 wurde ein Verein für das mittelalterliche Hof-Spektakel gegründet. «Damals haben wir den Grundstein für das erste Spektakel im Jahr 2008 gelegt», sagt Philippe Weder, OK-Präsident des Hof-Spektakels, der seit der ersten Stunde dabei ist. Der diesjährige Event, der drei Tage dauerte, ist bereits das siebte Hof-Spektakel und wird wie gewohnt am Weier und auf der Reitwiese ausgetragen. Doch warum wird nicht jedes Jahr ein mittelalterlicher Event in Wil auf die Beine gestellt? «Irgendwann wäre es den Besuchern zu langweilig, wenn es jährlich über die Bühne gehen würde», erklärt Weder, «so vermissen sie uns nach zwei Jahren».

Eröffnet an drei Tagen

«Ein Highlight ist dieses Jahr, dass das Hof-Spektakel neu an drei Tagen stattfindet», so OK-Präsident Weder. Die Organisation und der Aufbau seien so aufwendig, dass es Sinn macht, den mittelalterlichen Event an drei Tagen zu veranstalten. «Finanziell gesehen, müssen wir für diesen einen Tag noch einmal tiefer in die Taschen greifen», erzählt Weder. Neben dem Wetter sei das Sponsoring immer wieder ein Thema im Organisationskomitee. Die Veranstaltung sei nun einmal vom Wetter abhängig. «Sobald es regnet, kommen bedeutend weniger Besucher», erzählt Weder. Deshalb habe das Hof-Spektakel an den beiden letzten Events rote Zahlen geschrieben. Ein Grund, warum die Veranstaltung und das Organisationskomitee auf mindestens einen weiteren grossen Sponsor angewiesen sei. «Als grosser Sponsor gilt man bei uns, wenn man mindestens 6000 Franken investiert», sagt Weder.

 
Impressionen vom diesjährigen Hof-Spektakel. (Video Magdalena Ceak)

Die Künstler, Handwerker und Marktfahrer, die am Hof-Spektakel teilnahmen, haben teilweise ihr Hobby zum Beruf gemacht. «Sie sind also auf eine Gage angewiesen», so der OK-Präsident, «zusätzlich verschlingt die ganze Infrastruktur eine beachtliche Summe». Deshalb müsse das Organisationskomitee einen Eintrittspreis verlangen. «Wir nennen es Wegzoll.» Laut Weder sei das aber nicht viel. Erwachsene bezahlen 20 Taler, sprich 20 Franken. Eine mehrköpfige Familie bezahlt 45 Franken. «Dieser Wegzoll ist aber für das ganze Wochenende gültig.» Trotzdem gebe es immer wieder Besucher, die sich über die hohen Preise beklagen. 

Vielfältiges Programm

Besonders stolz ist OK-Präsident Weder auf das Programm und die vielfältigen Teilnehmer, die sich heuer für das Hof-Spektakel angemeldet hatten. So zeigten beispielsweise die Ritter der schwarzen Lanze die Kunst des mittelalterlichen Lanzenstechens. Oder Fictum aus Tschechien zeigten als professionelle Fechtkämpfer und Stuntman verschiedene Showeinlagen. Das Herzstück des Hof-Spektakels bildete das Heerlager mit über 200 Lagerleuten, die das Alltagsleben im Mittelalter demonstrieren. Dabei gewährten sie interessante Einblicke in die damalige Kochkunst, das Handwerk und das Kämpfen mit Waffen. Ein weiterer Höhepunkt war der historische Markt mit mehr als 50 Handwerkern und Marktfahrern. «Wer uns einmal besucht, wird bestimmt vom mittelalterlichen Virus angesteckt», ist Weder überzeugt, «auch Skeptiker». 

Mehr Informationen zum Hof-Spektakel unter: www.hof-spektakel-wil.ch