«’sgit schöni Länder, grossi Städt und Dörfer chli gär vil…», singt er. Seine Stimme ist kräftig, hemmungslos, entschlossen und mit viel Emotionen geladen. «… doch ‘sliebsti Städtli uf de Welt,…» Seine Stimme hat diesen Wiedererkennungswert, weil man sie nicht einfach so vergisst. «…das isch mis Städtli Wil». Mittlerweile hat er mehrere Dutzend Menschen, die an diesem Abend den Weg ins katholische Pfarreizentrum gefunden haben, mit seiner Singfreude angesteckt.

An seiner Parlamentsfeier hat Roland Bosshart, der am Donnerstagabend vom Wiler Stadtparlament zum neuen Parlamentspräsidenten und damit zum Höchsten Wiler gewählt wurde, gezeigt, dass er sehr wohl spontan, für jeden Spass zu haben und lebensfreudig ist. Immerhin haben ihn die beiden SVP-Parlamentarier Pascal Stieger und Benjamin Büsser, die als Schmuzli und Samichlaus verkleidet waren, – quasi als Symbol für die drei Weihnachtslieder, welche am Mattschulhaus in der letzten Adventszeit nicht gesungen worden waren – aufgefordert das Wiler Lied «Mis Städli» vorzusingen. Und das vor geladenen Gästen. Kein Problem für Bosshart, der damit mit voller Elan in sein Amtsjahr eingestiegen ist. «Ich freue mich einfach auf ein spannendes und herausforderndes Jahr», sagte er am gleichen Abend. 

Der tanzende Parlamentspräsident

Im Hintergrund spielt eine Band, welche die Parlamentsfeier musikalisch begleitet, das Lied «Que Sera Sera». Bosshart streckt seiner Frau die Hand entgegen und bittet sie um einen Tanz. Als die beiden die ersten Tanzschritte wagen, sind alle Augen auf sie gerichtet. Das Ehepaar wirbelt von links, nach recht. Dann drehen sie sich um ihre eigene Achse. Ihre Haltung ist gerade und professionell.

Bosshart ist also auch ein leidenschaftlicher Tänzer. Auf die Frage, wo er denn tanzen gelernt hat, winkte Bosshart lachend ab. «Eigentlich nirgends», sagte er prompt, «ich tanze einfach so aus dem Bauch heraus, weil es mir Spass macht.» Er folge nur dem Rhythmus der Musik. 


Erste knifflige Aufgaben

«S'Thema sich ä Interpellation wert – dä Stadtrat cha sini Antwortä copy pestä.» Bosshart schaut das Zitat, dass ihm Christof Kälin, amtierender Vizepräsident des Wiler Parlaments, entgegenstreckt, noch einmal genauer an. Er liest es halblaut für sich vor. Es ist ein Zitat, das während einer Parlamentssitzung im vergangenen Jahr gefallen ist. Bosshart muss nun erraten, welcher Parlamentarier es gesagt hat, um welches Geschäft es dabei handelt und an welchem Datum der Satz ausgesprochen wurde. Für das Erraten der richtigen Person bekommt Bosshart zehn Punkte, für das betroffene Geschäft gibt es fünf Punkte und für das korrekte Datum weitere zehn Punkte. Bosshart überlegt mehrere Minuten.

Bosshart musste sich bereits an der Feier als Höchster Wiler beweisen und die ersten kniffligen Aufgaben als Parlamentspräsident lösen. Die SP-Fraktion wollte damit sein Wissen als ehemaliger Vizepräsident des Parlaments testen. Souverän. Bedacht. Ruhig. So löste er die Aufgaben und holte sich beim von der SP organisierten Spiel 200 Punkte. Zur Belohnung schenkte ihm die Fraktion für eine kleine Auszeit in Form eines Gutscheins. So kann er während seines Amtsjahres auf Kosten der SP-Fraktion einen Tagesausflug nach Luzern, wo eine seiner Töchter lebt, machen. Zum Ausflug gehört auch ein Konzert nach Wahl im bekannten Kultur- und Kongresszentrum Luzern.

Bosshart ist ein Familienmensch. Mit seiner Ehefrau Andrea Bosshart, die in Wil als Ortsbürgerrätin und Seelsorgerin der katholischen Pfarrei ist, ist er seit über 35 Jahren verheiratet. Gemeinsam haben sie erwachsene drei Töchter und einen Sohn. «Mein jüngstes Enkelkind ist drei Monate alt und feiert heute mit uns», erzählte Bosshart während seiner Begrüssungsrede.