Am Sonntag wurde in Wil die neue Konzertsaison der Baronenhauskonzertreihe eröffnet. Auf dem Programm der beiden Musikerinnen, Elenora Em am Flügel und Oboistin Marietta Bosshert, standen Werke romantischer Komponisten.Andrea und Roland Bosshart-Schaffhauser hatten anfangs Jahr die Organisation der Wiler Baronenhauskonzerte übernommen. Im Januar dieses Jahres hatte nach einer rund einjährigen Pause bereits ein Konzert stattgefunden. Nun wurde am Sonntag das neue Jahresprogramm 2017 / 2018 mit insgesamt vier Konzerten eröffnet.

Aufspiel zweier Musikfreundinnen
Mit Marietta Bosshart Oboe und Eleonora Em, Klavier konnten zwei junge Musikerinnen gewonnen werden, die bestens ausgebildet seien, wie Roland Bosshart in seiner Begrüssung erwähnte. Die koreastämmige und in Russland aufgewachsene Pianistin habe in Marietta Bosshart eine musikalische Freundin gefunden.

Die Oboistin Marietta Bosshart selbst stammt aus Wil und hat im Jahr 2014 den Kulturförderungspreis der Stadt Wil erhalten. „Für uns ist es eine besondere Freude, unsere Tochter quasi in einem Heimspiel zu erleben“, so Bosshart weiter.

Freie Form
Auf dem Programm des Duos standen Werke romantischer Komponisten, so am Beginn eine Sonate des französischen Impressionisten Camille Saint-Saëns. Diese Sonate war im Todesjahr des Komponisten 1921 entstanden. Saint-Saëns hatte grossen Gefallen am Klang der Holzbläser gefunden und in Folge zwei weitere Werke für Fagott und Klarinette geschrieben, wie Marietta Bosshart in ihrer Einführung erwähnte.

Die in freier Form komponierte Sonate strahlte durch das Spiel von Marietta Bosshart grosse innere Ruhe aus: Sie schaute den verklingenden Tönen nach, wie sie an die Zimmerdecke schwebten und liess sie dort verhallen, bevor sie den nächsten Klang gestaltete.

Herzlicher Applaus
Genau hundert Jahre vor der Geburt Bossharts hatte der Däne Carl Nielsen zwei Fantasiestücke für Oboe und Klavier komponiert. Als grosser Kenner der Oboe gelang es dem Komponisten, dem Instrument Melodien zu schreiben, mit denen es zu singen vermochte, mal romantisch-sinnierend, mal neckisch-kokettierend.

Bevor in der f-Moll-Sonate des Italieners Carlo Yvon von beiden Instrumenten ein gleichwertiger Part zu hören war - auch der Oboe waren Begleitfunktionen zugeteilt worden - trat die Pianistin Eleonora Em in einem Solostück aus dem Schatten des Begleitinstrumentes heraus. In Franz Liszts Bearbeitung zweiter Melodien aus Charles Gounods Oper „Faust“ kostete Elenora Em die Klangfülle des Bechsteinflügels genussvoll aus. Vor allem im letzten Werk brillierten die beiden Musikerinnen mit aussergewöhnlicher Virtuosität und erhielten am Ende einen mehr als herzlichen Applaus.

Am Sonntag, 12. November 2017 findet das nächste Konzert mit Benjamin Berweger Tenor und Sebastián Tortosa Klavier statt.