Die beiden Reiseleiter Roman Giger und Hans Gradl konnten auch hier dank ihrem breiten Wissen immer aus dem Vollen schöpfen. Auch am fünften Rundgangtag in Rom, hatten sie immer volle Aufmerksamkeit seitens der Wilerinnen und Wiler. Hans Gradl zitierte einen Romforscher: «Einmal in Rom – Jahrhunderte erlebt.

Die Engelsburg mit Engelsbrücke
Die Engelsburg in direkter Nähe beim Tiber hiess zu Beginn des 2. Jahrhunderts Adrian-Mausoleum, genannt nach dem Kaiser Adrian. Er liess es für seine Grabstätte erbauen. Später, nach der Pestüberwindung hiess es dann Castello Angelo. Von diesem Bauwerk gab es Tunnels zum nahen Vatikan, heute kaum mehr zugänglich. Die Engelsbrücke über den Tiber erhielt diesen Namen, weil sie direkt zur Engelsburg führt. Die Engelsstatuen sind nur die Folge der Benennung der Brücke. Sie alle tragen Symbole der Passionsgeschichte z.B. Dornenkrone oder Kreuz.

Piazza Agona, schönster Ort
Auf dem Piazza Agona zeigt sich antike Stadion von Kaiser Julius Cäsar 46 vor Christus erbaut. Es galt als eher provisorisches Stadion für Spiele griechischen Typs, sogenannte athletische Wettkämpfe. Der Ausbau erfolgte unter Kaiser Domitian jedoch erst 85 nach Christus, unterdessen 275x106 Meter, Platz für 30'000 Zuschauer.

Die nahe Kirche ist der Hl. Agnes geweiht, welche das Martyrium der Verbrennung erleiden musste. Nach Hans Gradl findet hier auch ein Weihnachtsmarkt statt, allerdings kitschiger Natur. Von Bedeutung nannte Gradl den «4-Ströme-Brunnen», vom Architekten Bernini um 1648 bis 1651 erbaut. Die vier Ströme benennen die vier damals auf bekannten Kontinente stehenden Flüsse Donau, Ganges, Nil und Río de la Plata.

Der damalige Kaiser wollte zu dieser Zeit als «Kaiser unser Herr und Gott» angesprochen werden. Dies war den damaligen Christen unangenehm, da sie Jesus als Herr und Gott anerkannten. So galten sie als Aussenseiter bis in die 90er Jahre und fanden sich gesellschaftlich im Abseits. Die eigentliche Christenverfolgung erfolgte erst später.

Pantheon, dank christlicher Umwandlung erhalten
Der Pantheon-Tempel zeigt gewaltige Ausmasse mit seiner Höhe von 42,6 Meter. Das Gebäude hat keine Fenster, sondern nur eine Dachöffnung mit einem Durchmesser von 9 Meter, ohne Abdeckung. Wenn es regnet, wird es innen nass. Der Pantheon ist wie Gradl informierte sieben Astralogo-Gottheiten geweiht. Die Zahl Sieben gelte als Repräsentat und Vollendung. Der Pantheon sei nur dank Umwandlung in eine christliche Kirche erhalten geblieben. Interessanterweise habe die Christenverfolgung letztlich zur Stärkung der Christen geführt.

Die Kirche ist sozusagen «Allen Heiligen» geweiht. Der 1. November zu Allerheiligen werde immer mit einem Rosenwirbel gefeiert. Erwähnenswert ist, dass hier der Künstler Raphael begraben ist, dessen Büste im Innern zu finden ist.

Piazza della Minerva, Basilica St. Maria
Der genaue Bezeichnung heisst «Basilica di Santa Maria sopra Minerva». Sie ist der einzig bedeutende Kirchenbau Roms aus der Zeit der Gotik und eine der Hauptkirchen des Dominikanerordens in Rom. Seit 1566 ist die Basilica minor eine Titelkirche der römisch-katholischen Kirche. Sie befindet sich an der Piazza della Minerva im Rione Pigna im historischen Zentrum Roms.

St. Ignazio, eine Jesuitenkirche
Die Kirche «Sant’Ignazio di Loyola in Campo Marzio» ist dem heiligen Ignatius von Loyola geweiht. Die Ignazius-Kirche ist neben Il Gesù die zweite große Jesuitenkirche in Rom und Grablege dreier Heiliger sowie eines Papstes. Bekanntlich ist der Papst auch ein Jesuit. Die Kirche ist für ihre herausragenden perspektivischen Fresken bekannt.

Der Trevi-Brunnen, ein monumentales Werk
Er gilt als einer der grössten und populärsten Brunnen Roms mit seinen 26 Meter Höhe und rund 50 Meter Breite. Gradl wies zu dessen Entstehung darauf hin, dass nach dem Abreissen des ersten Brunnens ein Plan für den neuen Brunnen entstanden sei. Allerdings habe es die Zeit von 10 Päpsten gebraucht bis mit dem Bau begonnen wurde.

Der Trevi-Brunnen ist bekannt für Münzeneinwurf. Wenn man die Münze rücklings in den Brunnen werfe, könne ein Wunsch in Erfüllung gehen. Auch beim Besuch stand das Publikum in Reihe bereit für einen Münzeneinwurf. Für die Stadt schaue mit dem laufenden Einsammeln der Münzen ein Jahresertrag über eine Mio.

Spanische Treppe, von einem Franzosen geplant
Die Spanische Treppe, italienisch Scalinata di Trinità dei Monti genannt, hat ihren Namen von der unterhalb gelegenen Piazza di Spagna erhalten. Sie gehört nach Reiseleiter Hans Gradl zu den bekanntesten Freitreppen der Welt überhaupt.

Die Kirche wie die Treppe wurden von einem französischen Architekten erbaut. Nach dem Kirchenbau sei das Geld ausgegangen. Ein spanischer Bauherr habe dann den Bau der Treppe übernommen, deshalb der Name «Spanische Treppe». Vinzenzo Clemens habe das Bauwerk der Treppe mit 138 Stufen um 1723 erbaut, finanziert über eine Weinsteuer.

Vorletzter Besuchsort war das sogenannte Monsterhaus, eine Bibliothek. Monsterhaus deshalb, weil die Bücher darin den Leser buchstäblich auffressen.
Noch krimineller wurde es kurz vor dem Einstieg in den Bus im Vorbeigehen bei der Cappucini Gruft. Die Kapuziner hätten den Tod verherrlicht. Angeblich seien die Toten von ihren Gebeinen geschält worden und man habe aus deren Knochen nützliche Dinge gebaut.
Deren Leitspruch: «Was Du bist, waren wir, was wir sind, wirst Du werden».

Abschied von Rom
Am Samstag hiess es von der «Heiligen Stadt Abschied zu nehmen. Bereits um 6.15 hiess es Frühstück einnehmen um eine Stunde später losfahren zu können. Glücklicherweise blieb die Reisegesellschaft von langen Staus verschont, sodass die Ankunft in Wil mit 22,30 Uhr eher früher als geplant möglich wurde. Wie schon bei der Fahrt nach Rom führte der Weg über den San Bernadino.

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Zwei wissenstarke Reiseleiter
Die beiden Reiseleiter Stadtpfarrer Roman Giger und Professor Dr. Hans-Georg Gradl waren über mehrere Jahre Studienkollegen in Rom. In dieser Zeit hätten sie sich viel Wissenswertes über die «Heilige Stadt» angeeignet und auch dokumentiert. Für die Wiler Pfarreigruppe war es ein Glücksfall, soviel Hintergründiges aus dem antiken Rom zu erfahren.

Für die Rompilger aus Wil dürften die Romerfahrungen ein neues Bild über die Heilige Stadt und den Vatikan ergeben. Die Antike hat zwar viel Widerwärtiges gezeigt mit schweren menschlichen Verbrechen. Dennoch hat sich das Christentum trotz langen Verfolgungszeiten durchsetzen können. Wie im Leben öfters, sorgen Schicksale letztlich für eine Stärkung. (nj)

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