Der Entscheid des Bundesrates vom vergangenen Freitag, alle Schweizer Schulen auf allen Stufen bis zum 4. April zu schliessen, hat sämtliche Bildungsinstitute mit voller Wucht getroffen. Die Präventionsmassnahme und das Ziel sind klar kommuniziert: die Verbreitung des Coronavirus verlangsamen und eindämmen. Doch das ist schwierig umzusetzen, weil es in den unteren Schulstufen unmöglich ist, die geforderte Distanz von mindestens zwei Metern einzuhalten.

So verständlich und nötig die verschärften Massnahmen auch sind, stellen sie aber auch ein Dilemma dar: Seit Jahren arbeitet man daran, die Ganztagsbetreuung von Kindergartenkindern und Schülern zu ermöglichen sowie zu organisieren. Viele berufstätige Eltern haben sich ein verlässliches Betreuungsumfeld aufgebaut. Und dann stampft das Coronavirus alles nieder. Denn die Schulschliessungen sind nicht nur für die Schulbehörden und Lehrpersonen, die jetzt alles umstrukturieren müssen, eine Herausforderung, sondern auch für die Schüler und ihre Eltern: Sie müssen jetzt Eigenverantwortung übernehmen und sich ohne Schulunterricht an den Lehrplan halten.

2500 Briefe verschickt

In Wil ist man sich sicher, dass man nach dem Entscheid des Bundesrates schnell und richtig reagiert hat. Noch am Freitagabend wurden 2500 Briefe mit Informationen an die Elter der Schulkinder verschickt. Im Video-Interview mit hallowil.ch erzählt die Wiler Schulratspräsidentin Jutta Röösli, dass alle Kinder in Wil versorgt sind. «Auch die Kinder, die eine Betreuung brauchen, da sich deren Eltern nicht anders organisieren können.» 30 bis 40 Kinder kommen darum momentan trotzdem zur Schule. Andere holen Material ab, um zu Hause lernen zu können.

 
Die Wiler Schulratspräsidentin Jutta Röösli über die aktuelle Lage der Schulen in der Äbtestadt. (Video Mykhailo Zinchenko)

Schulschliessungen über längeren Zeitraum?

Nun wird bereits diskutiert, dass die Schulschliessungen wegen der Krise rund um das Coronavirus viel länger dauern könnte –  womöglich bis zu den Sommerferien. Silvia Steiner, Zürcher Bildungsdirektorin und Präsidentin der Erziehungsdirektionskonferenz, sagte gegenüber der «NZZ am Sonntag»: «Da die Wissenschaft damit rechnet, dass es drei bis vier Monate dauert, bis die Epidemie abflacht, müssen wir auch mit Schulschliessungen für diesen Zeitraum rechnen.»

Viele Verantwortliche im Bildungsbereich stellen sich darauf ein, dass die Schulen noch länger dicht bleiben könnten. Diese Vermutungen sind der Grund, warum Schulen jetzt schon mit Hochdruck daran arbeiten, Systeme einzuführen, damit alle Schüler von zu Hause unterrichtet werden können. Auch in Wil denkt man über dieses mögliche Szenario nach. «In einem solchen Fall müsste man das Lernen neugestalten und hierfür machen wir uns jetzt schon die ersten Überlegungen», so Schulratspräsidentin Röösli. Die Frage steht im Raum: Wird es dann zu Bildungslücken der Schüler kommen?