Anfangs Januar 2018 wurde das Restaurant Rose an die Grundeigentümer Ramon Inauen, Eggersriet und Patric Wyss, Teufen veräussert. Bereits im Oktober 2017 ist bei der Baubehörde Kirchberg ein Baugesuch für den Einbau von raumhohen Fenstern im Erdgeschoss auf der Nordseite des Restaurants eingegangen. Es gab keine Einsprachen. Vor Jahresfrist erteilte die Baubehörde die Baubewilligung für den Einbau der Fenster ohne Sprossierung. Und zwar mit der Auflage, dass das Restaurant weiterbetrieben wird. Weiter wurde verfügt, dass der ursprüngliche Zustand vor dem Einbau der raumhohen Fenster wieder herzustellen ist, wenn der Gastronomiebetrieb eingestellt wird. Im Baugesuch wurde ansonsten im Innern des Restaurants keine Veränderung aufgeführt, schreibt die Gemeinde Kirchberg im aktuellen Mitteilungsblatt.

Eigentümer erheben Rekurs

Gegen diesen Entscheid der Baubehörde erhoben die Grundeigentümer Rekurs. Dieser wurde mit dem unternehmerischen Risiko einer Aufrechterhaltung des Gastronomiebetriebes begründet. Mit der Auflage der Wiederherstellung würde dieses Risiko nicht mehr tragfähig, womit sich auch das gesamte Konzept in Frage stelle. Ein auferlegter Rückbau würde im Falle eines Scheiterns des Gastronomiebetriebes bedeuten, zusätzlich Mehrkosten von 50'000 Franken tragen zu müssen. Dies stehe im krassen Widerspruch zum unternehmerischen Risiko. Mit der Auflage werde das Objekt quasi auf eine gewerbliche Nutzung reduziert. Dies würde eine drastische Wertreduktion des Objektes bedeuten.

Denkmalpflege empfahl Ablehnung

Infolge des Rekurses hat eine Vertretung der Baubehörde mit den Grundeigentümern vor Weihnachten 2017 ein Gespräch geführt. Dabei wurde auf Wunsch der neuen Eigentümer vereinbart, dass das «Sääli» gegen Norden (Sitzplatz) mit einer möglichst grossen Fensterfront ausgestattet werden soll, um den Raum ideal belichten zu können. Im Bereich der Küche sollte eine leichte Erhöhung der Fenster für eine ideale Belichtung und optimale Möbilierung ausreichen. Damals bestand nach Angaben des Vertreters der Eigentümer nach wie vor die Absicht, das Restaurant beizubehalten und eine «Schauküche» zu installieren. Es erfolgte anschliessend eine revidierte Planeingabe. Die Baubehörde bewilligte die korrigierte Fassadengestaltung ohne weitere Auflagen.

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So sah die "Rose" Müselbach vor dem Umbau aus. (Bild: pd)

Das Gebäude «Restaurant Rose» Müselbach ist gemäss rechtskräftigem Ortsbildinventar als erhaltenswertes Gebäude der Kategorie 2 aufgeführt. Diese Kategorie entfaltet keinerlei Rechtswirkung. In der Stellungnahme vom Oktober 2017 hat die Kantonale Denkmalpflege der Baubehörde empfohlen, das Baugesuch aus denkmalpflegerischer Sicht abzulehnen. Da es sich jedoch um ein Gebäude der Kategorie 2 handle, sei die Gemeinde für die Beurteilung zuständig. Fenstergrössen dieser Art seien nicht typisch für ein solches Objekt und zerstörten dessen Gesamteindruck.

Beurteilung durch die Baubehörde

Grundeigentümern können in einer Baubewilligung nur Auflagen und Bedingungen verfügt werden, wofür eine ausreichende gesetzliche Grundlage besteht. Die Baubehörde hat mangels gesetzlicher Grundlage im Ortsbildinventar – das Restaurant Rose wurde nicht als schützenswertes Gebäude eingestuft – entschieden, die Bedingungen der Baubewilligung vom Oktober 2017 zu widerrufen und durch die Bewilligung vom Januar 2018 zu ersetzen. Darin wurde auf die Bedingung zu einem allfälligen Rückbau verzichtet. Dies, um die beabsichtigte weitere Nutzung des Gebäudes als Restaurant beizubehalten.

Änderungen durften vorgenommen werden

Im Mai 2018 wurde die Bauverwaltung aus der Einwohnerschaft von Müselbach darauf hingewiesen, dass der Restaurantbetrieb nicht mehr weitergeführt werden solle. Die Grundeigentümer wurden deshalb ersucht, unverzüglich über die künftige Nutzung und baulichen Änderungen zu informieren. Ende Mai teilte ein inzwischen von den Eigentümern eingesetzter Rechtsanwalt mit, dass es zutreffend sei, dass im Gebäude doch kein Restaurant realisiert werden soll, weil kein Pächter gefunden werden konnte. Es musste deshalb eine alternative Nutzungsmöglichkeit gesucht werden. Im Übrigen handle es sich beim Bauvorhaben um geringfügige Änderungen gegenüber der behördlichen Bewilligung, welche gestützt auf die Bestimmungen des neuen Planungs- und Baugesetzes (PBG) bewilligungsfrei vorgenommen werden dürften.

Nach PBG bedürfen geringfügige Änderungen im Innern von bestehenden Gebäuden keiner Bewilligung mehr. Eine Änderung ist insbesondere dann geringfügig, wenn durch sie keine Änderungen an statischen und/oder brandschutztechnisch relevanten Elementen vorgenommen werden und auch keine energetischen Bauteile betroffen sind. Die vorliegend geplanten Änderungen durften deshalb bewilligungsfrei vorgenommen werden. Mit dem neuen PBG hat der Gesetzgeber den Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern bewusst mehr bauliche Freiheit gewährt. Diese Baufreiheit wird in den nächsten Jahren, nach Revision von Richt- und Zonenplanung, welche alle St. Gallischen Gemeinden in den nächsten neun Jahren umzusetzen haben, die Bewilligungspflicht von baulichen Änderungen an bestehenden Bauten und Anlagen deutlich reduzieren. Daran werden sich alle Beteiligten gewöhnen müssen, schreibt die Gemeinde Kirchberg.

Villa noch nicht verkauft

In der Zwischenzeit steht die Rose bereits wieder zum Verkauf. Das «Toggenburger Tagblatt» hatte im September berichtet, dass der Kaufpreis für die 9-Zimmer-Villa bei 2,4 Millionen Franken liege. Laut Kirchbergs Gemeindepräsident Roman Habrik ist der Verkauf noch nicht erfolgt. (gk/sdu)