Vor einem Jahr ist Lorli Schwendener im Alter von 91 Jahren gestorben. Während fünf Jahrzehnten hat sie nicht bloss selber gemalt, sondern das regionale Kunstschaffen mitgeprägt. Ihr Wirken war von einem steten Wandel gekennzeichnet und reichte von der Bauernmalerei bis zu abstrakten Acrylbildern. Die Galerie zur alten Bank in Niederuzwil zeigt einen repräsentativen Querschnitt durch ihr Werk.«Was wird wohl mit meinen Werken geschehen, wenn ich sterbe?», habe Lorli Schwendner sorgenvoll ihre Tochter gefragt. Die Tochter hat sie beruhigt: «Wir werden uns schon etwas einfallen lassen und eine Ausstellung machen.» Dieser Plan habe sich jetzt früher als geplant in der Galerie zur alten Bank in die Tat umsetzen lassen.

Kreativität als Markenzeichen
Die Suche nach Neuem und Kreativität hätten ihre Mutter geprägt, stellte die Tochter der Malerin fest. Schon in der Schule sei ihr Zeichen- und Maltalent aufgefallen. Sie habe dann den Beruf einer Damenschneiderin gelernt und gehofft, nachher Modezeichnerin werden zu können. Dieser Plan habe sich aber nicht verwirklichen lassen.

Bauernmalerei als Ausgangspunkt
Ende der sechziger Jahre habe es dann doch so richtig mit der Malerei begonnen, blickte die Tochter zurück. In einem Bündner Ferienhaus habe es restaurationsbedürfte Gegenstände gegeben. Um selber Hand anlegen zu können, habe Lorli Bauernmalereikurse besucht und solche auch selber organisiert. Bald seien weitere Kurse, beispielsweise Aquarellkurse, dazugekommen. Schliesslich habe sie auch zu den Gründungsmitgliedern des Kunstkreises Wil gehört.

Neue Techniken gelernt
Im Kunstkreis habe sie die Möglichkeit gehabt, sich laufend weiterzubilden und neue Techniken zu erlernen. Töpferei (Schmuck) sei dazugekommen. Malwochen zusammen mit Gleichgesinnten seien für sie zu guten kreativen Zeiten geworden. Die Freunde im Kunstkreis hätten ihr auch über den Tod ihres Mannes hinweggeholfen.

Für die Familie lebe Lorli in ihren Bildern weiter, welche ihre Frohnatur ausstrahlten. Sie sei aber offen für alles gewesen und habe sich auch mit schwierigen Situationen auseinandergesetzt, beispielsweise Flüchtlingsbilder gemalt. Ihr Lieblingsthema aber sei die Natur im eigenen Garten gewesen.

Die Bilder der Grossmutter hätten sie schon von Klein auf begleitet, erzählte abschliessend Lorlis Enkelin, Martina Schwendener. Das habe sie als Privileg empfunden. Sie habe viel lernen können und den Zugang zur Malerei gefunden.

Öffnungszeiten
Die Ausstellung ist bis zum 27. Mai jeweils am Donnerstag von 18 bis 20 Uhr, am Samstag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17.00 Uhr sowie am Sonntag von 14 bis 17 Uhr offen. Mitglieder der Familie Schwendener sind jeweils am Samstag- und Sonntagnachmittag sowie am Donnerstag, 10. Mai anwesend.