Obwohl sich die Parlamentarier zuvor in der Kathi-Frage einen teilweise emotional geführten Schlagabtausch geliefert hatten, gab es zum Schluss der Sitzung einen lang anhaltenden, warmen Applaus. Dieser galt einzig und allein Ruedi Schär (CVP), der an diesem Abend seinen Rücktritt aus dem Stadtparlament gab. Seit dem 1. Januar 2005 hatte er diesem Gremium angehört, womit er zu den dienstältesten der 40 Mitglieder zählte. Als Grund für den Rücktritt während der Legislatur gab er die hohe zeitliche Belastung bei seinen schier unzähligen Tätigkeiten an. Der Zeitpunkt des Rücktritts ist nicht zufällig gewählt. Hätte der im Jahr 1952 geborene Schär die Legislatur noch fertig gemacht und sich dann nicht mehr zur Wahl gestellt, so wäre die CVP womöglich Gefahr gelaufen, Schärs Sitz an eine andere Partei zu verlieren. Nun aber rückt mit Bestimmtheit ein Vertreter der Christlichen Volkspartei nach. Wer es sein wird, stand am Donnerstagabend noch nicht fest.

„Ton ist aggressiver geworden“
Mit Schär tritt nicht nur ein Wiler Urgestein ab, sondern auch eine Persönlichkeit, die verbindend wirkt. „Ich hatte Akzeptanz bei allen Stadtparlamentarieren und konnte auch mit Vertretern der SP oder der SVP in den Ausgang“, sagt Schär. Bereits jetzt darf er als ein Stück Wiler Kulturgut bezeichnet werden. Es gibt wohl kaum eine Frage über die Äbtestadt und ihre Geschichte, die Schär nicht beantworten könnte. Er wuchs im Hof zu Wil auf, ist heute beruflich im Info-Center der Altstadt tätig und führt in seiner Freizeit regelmässig Gruppen durch das geschichtsträchtige Wil. Auch im Ortsbürgerrat ist der CVP-Politiker aktiv. Es verwundert nicht, dass Schär die Pflästerung des Wiler Hofplatzes als ein Höhepunkt seiner Polit-Karriere nennt.

Blickt Schär auf diese lange Zeit im Stadtparlament zurück, so stellt er fest, dass sich einiges geändert hat. „Die Gesprächskultur ist eine andere als früher und der Ton aggressiver geworden“, sagt Schär.