Flawil «mausert» sich vom Dorf zur Stadt. Einwohnermässig ist die Zehntausendergrenze überschritten und damit die Stadtgrösse erreicht. Aber die Einwohnerzahl allein macht noch keinen Stadtcharakter aus. Flawil erlebe gegenwärtig eine Entwicklung, deren Chancen und Herausforderungen erst in Umrissen erkennbar seien, heisst es in einer Standortbestimmung. Wohl wachse die Bevölkerung, die ökonomische und kulturelle Anziehungskraft der Gemeinde aber stagniere. Kulturell habe das rege Vereinsleben für das Dorf ausgereicht. Der allmähliche Wandel zur Stadt aber habe neue Bedürfnisse nach gesellschaftlicher und kultureller Verwirklichung hervorgebracht.

Für diese Bedürfnisse habe sich in Flawil kein Ort dauerhaft etabliert, weshalb sie andernorts ausgelebt würden. Nach Ansicht der Gemeindebehörde und von vielen Einwohnern, welche die Planung interessiert begleitet haben, lässt sich jetzt ein Meilenstein setzen: «Die Neugestaltung des Marktplatzes hat das Potential, den verschiedenartigen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen, und zwar an einer besonders wirksamen Stelle im Stadtbild.»

Jahrzehntelange Vorgeschichte

Der Platz im Zentrum von Flawil werde heute seinem Namen nicht gerecht, hält der Gemeinderat fest. Seit vielen Jahrzehnten wolle die Behörde den charakterlosen Parkplatz neu gestalten. Das nun vorliegende Generationenprojekt solle das Dorfbild erfolgreich verändern. Der Gemeinderat beantragt der Bürgerschaft für die Neugestaltung des Marktplatzes einen Bruttokredit von 8,275 Millionen Franken. Das Bauprojekt ist aus einem Studienauftrag hervorgegangen, welchen der Gemeinderat im Jahr 2017 durchführte. Danach ist das Vorprojekt durch ein Architektenteam aus Zürich überarbeitet und weiterentwickelt worden.


Gemeinschaft und Integration

Die Neugestaltung des Marktplatzes beinhaltet den Bau eines Kulturhauses mit offener Markthalle und einer Tiefgarage mit 60 Plätzen. Das Kulturhaus bietet  Platz für 100 bis 150 Personen. Eine Spitzahornreihe führt direkt vom Bahnhof zum Marktplatz und verbindet die beiden Schwerpunkte von Flawil. Das städtische Flair der Bahnhofstrasse findet am Marktplatz seinen dörflichen Gegenpart. Der Baumhain bezeichnet den Ort der Gemeinschaft und Integration. Unter seinem Blätterdach sollen im Tages- und Jahresverlauf unterschiedliche Aktivitäten möglich sein. Das Kulturhaus zentriert als Anziehungspunkt den Platz. Gleichzeitig schafft es zwei über das grosse Dach verbundene Räume.

Kantonsbeteiligung noch offen

Die jährlichen Betriebskosten für das Kulturhaus dürften sich auf rund 40'000 bis 60'000 Franken belaufen. Auf der Ertragsseite wird mit jährlichen Mieterträgen von 5000 bis 10'000 Franken gerechnet. Noch offen ist, mit welchem Betrag sich der Kanton St. Gallen beteiligt. Eine Ablehnung des Projekts würde eine umfassende Standortbestimmung nötig machen. Zudem würde die Vorfinanzierung von 3,5 Millionen Franken aufgelöst und in die Erfolgsrechnung 2021 fliessen.