So gut wie in dieser Saison ist der FC Wil noch nie in eine Challenge-League-Saison gestartet. Dreizehn Punkte wurden in den ersten sechs Spielen gesammelt. Das ergibt einen starken Punkteschnitt von mehr als zwei. Bereits jetzt haben die Wiler mehr Zähler auf dem Konto als in der vergangenen Saison zur Winterpause.

Sandro Lombardi, ist es Zufall, dass der FC Wil nach sechs Runden von Platz zwei der Tabelle grüsst?
Nein. Nur weil wir ein kleines Budget haben, heisst das noch nichts. Alle Mannschaften sind jeweils gut aufeinander eingestellt und es ist sehr eng in der Challenge League. Das heisst aber auch, dass man alle Mannschaften schlagen kann. Wir hatten schon in der Rückrunde einen guten Teamgeist. Nun ist er noch besser. Wenn man mal ein Spiel verliert, kann man sich gegenseitig in die Augen schauen und weitermachen. Wir unternehmen viel zusammen.

Während der Länderspiel- und Cuppause stand ein Teamausflug ohne Trainer nach Stuttgart auf dem Programm.
Abgesehen von den abwesenden Nationalspielern waren fast alle dabei. Es war ein cooler Anlass. Es ging dabei darum, den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft zu verbessern und die neuen Spieler besser kennenzulernen.

Was konkret ist der Hauptunterschied zur vergangenen Saison?
Wir sind nun auf allen Positionen doppelt besetzt. Und zwar nicht nur, um einfach doppelt besetzt zu sein. Auf jeder Position lauert jemand. Das hat uns in der vergangenen Saison in der Vorrunde gefehlt.

Was ist in dieser Saison möglich?
Es ist möglich, dass wir jedes Wochenende drei Punkte holen. Mit dieser Mannschaft müssen wir uns nicht verstecken. Wir müssen aber auch realistisch und am Boden bleiben. Anfangs Saison haben wir den Klassenerhalt als Ziel definiert. Diesbezüglich sind wir auf gutem Weg. Das Ziel muss nun sein, die grossen Teams zu ärgern und gegen die anderen die volle Punktzahl zu holen.

Ist FC Wil gegen FC Rapperswil-Jona ein Spitzenspiel?
Wenn man die Tabelle anschaut, dann ist es ein Spitzenspiel, ja. Wir werden alles daransetzen, um Rapperswil-Jona zu schlagen. Wir hoffen auf viele Zuschauer, die sehen, dass eine gute Wiler Truppe am Werk ist. Wir wollen möglichst lange oben bleiben.

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Sandro Lombardi will als Captain ein Vorbild für die jungen Spieler sein.

Bevor Sie den FC Wil Ende 2014 Richtung Lugano verlassen haben, waren Sie Captain. Nach der Rückkehr nicht mehr. Nun sind Sie es wieder. Wie sehen Sie Ihre Rolle?
In einer guten Mannschaft braucht es keinen Captain. Ich bin nie gerne Captain gewesen. Nick von Niederhäusern und Silvio sind ebenfalls eine Art Captains. Nur bin ich schon etwas länger hier. Ich will den Jungen helfen, für sie Bezugsperson und Vorbild sein. Im Prinzip braucht es mich aber nicht als Captain. Die Mannschaft kann das alleine.

In Ihrer Zeit beim FC Wil haben Sie geheiratet und sind vor einem halben Jahr Sohn eines Sohnes geworden. Welche Rolle spielt das in Ihrem Leben?
Das Kind ist ein grosser Motivationsschub für mich und ein unbeschreibliches Gefühl. Früher hatte ich mich nach einem schlechten Training manchmal zwei, drei Stunden geärgert. Nun komme ich nach Hause in eine ganz andere Welt. Es kommt dazu, dass man mit einem gewissen Alter etwas lockerer wird.

Apropos Alter: Sie sind nun 32-jährig und ihr Vertrag läuft noch bis im Sommer 2020. Was ist danach?
Soweit in die Zukunft denke ich noch nicht und ich geniesse die Zeit als Spieler. Ich bin derzeit dran, das Diplom C+ als Trainer zu machen. Zudem unterstütze ich seit kurzem jeweils am Donnerstagabend die FE12-Mannschaft des FC Wil.

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Zur Person: Seit 2011 beim FC Wil

Sandro Lombardi spielte in seiner Jugend im Nachwuchs der Grasshoppers, ehe er im Sommer 2004 beim FC Winterthur zu seinen ersten Einsätzen in der Challenge League kam. Fünf Jahre lang war der heute 32-Jährige auf der Schützenwiese aktiv, ehe ein zweijähriges Gastspiel in der italienischen Serie C folgte. Seit 2011 ist der 1,67 Meter grosse Mittelfeldspieler beim FC Wil – mit einem neunmonatigen Unterbruch im Jahr 2015 in Lugano, wo er in die Super League aufstieg und zu sechs Einsätzen in der höchsten Spielklasse kam. Wiederholt setzten Lombardi teilweise schwere Verletzungen mehrere Monate ausser Gefecht. In dieser Saison kam der verheiratete Mittelfeldspieler oftmals als hängende Spitze zum Einsatz. Auf einen Torerfolg in der Meisterschaft wartet er aber noch. Für den FC Wil ist Lombardi, der in Frauenfeld wohnt, bisher 137 Mal aufgelaufen. (sdu)