Irgendwann beschäftigt alle Menschen das Thema «Ich werde älter». Es betrifft Berufswelt, Privatleben, Alltag. Für Menschen, die über Jahre hinweg oder immer wieder an einer psychischen Erkrankung leiden, hat das Älterwerden noch andere Dimensionen. Auf viele Fragen, Ängste, Unsicherheiten und Fakten gingen die Referenten ein – und nahmen die Anwesenden mit auf ungewöhnliche und sehr schwierige Lebenswege.

Aus dem Blickwinkel von Betroffenen und Angehörigen

Betroffene erzählten aus ihrem anspruchsvollen Alltag, der sie fordert, oft überfordert. Trotz dem schweren Rucksack nehmen sie an, was auf sie zu kommt, wissen, dass sie Fehler machen dürfen, erklimmen den Berg und freuen sich auf den Weitblick. Die Auf und Abs in einer solchen Beziehung mit Psychose, Drogen, Alkohol, Polizei, Klinik usw. liessen das Gewicht des Steins auf ihrer Seele erahnen. Die Suche nach dem Zusammensein, der Verlust der Beziehung und das Wiederfinden zeigten einen harten und schmerzlichen Weg. «Ich bin dankbar für die zweite Chance, die sich jetzt bietet» betonte sie und hofft, mit der ganzen Familie noch eine gemeinsame Zeit zu erleben.

Psychisch Erkrankungen oftmals schon als Kind

Wulf Rössler ist langjähriger Klinikdirektor und Vorsteher des Medizinischen Direktoriums der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich sowie Senior Professor an der Charité, Universitätsmedizin Berlin, an der Leuphana Universität Lüneburg sowie an der an der Universität von Sao Paulo. Sein Referat liess viele Zusammenhänge erkennen, aber auch die vielschichtigen Ursachen von psychischen Erkrankungen und die damit verbundenen Probleme erahnen. Zwei Drittel aller psychischen Erkrankungen beginnen vor dem 25. Altersjahr, 20 Prozent der Zwangserkrankungen vor dem zehnten Lebensjahr. Etwa ein Viertel der über 70-jährigen leiden unter Depression, Angst-, Schlafstörungen, Alkohol und dergleichen. Postnatale Einflüsse, Probleme und/oder traumatische Erlebnisse in Kindheit, Jugend und Gesellschaft oder früher Drogengebrauch tragen dazu bei.

Diabetiker mit erhöhtem Depressions-Risiko

Typische Alterserkrankungen sind Altersdepressionen, Altersparanoidität, Abhängigkeit, Demenz und anderes. Auch schlechts Hören oder Sehen sind Nährböden für Altersdepressionen. Professor Rössler erklärte zudem Zusammenhänge zwischen Depression und Diabetes. Rund ein Drittel der Diabetiker zeigen klinisch relevante depressive Symptome, jeder Zehnte schwere depressive Episoden. Diabetiker haben ein um 65 Prozent höheres Risiko für Depressionen, die oft weitere Komplikationen hervorrufen. Patienten mit schwerer depressiver Episode haben fünf Mal grössere Wahrscheinlichkeit an Folgen eine Herzerkrankung innerhalb von sechs Monaten zu sterben als nicht depressive Patienten. Der Tod kommt vorzugsweise am Geburtstag, weil man diesen noch erleben will.

Den Frauen hilft das Beziehungsnetz

Suizid ist keine Erkrankung, sondern ein Verhalten. Männer zeigen eine wesentlich höhere Rate, resignieren oft nach dem Tod der Partnerin. Allerdings bedauern 98 Prozent aller Geretteten das Weiterleben nicht, sie wollten eigentlich nicht sterben aber auch nicht so weiterleben. Ein deutlicher Rückgang von 30 Prozent zeigt sich während der Adventszeit. Es ist die Zeit der Hoffnung, der Einladungen, der Gespräche, eine Null gibt es 24. Dezember. Bei Männern nimmt die Rate dann wieder zu, bei Frauen nicht. Sie haben oft ein grösseres Beziehungsnetz. Das verdeutlicht, dass gegenseitiges Verständnis, Pflege der Gemeinschaft und Kommunikation sowie das Annehmen der Krankheit eigentliche Vorbeugung sein kann.

Eigenwillige Darbietungen

Einen besonderen Akzent setzten die «Zugvögel», eine schweizerische Improvisationstheatergruppe. Sie nahmen Themen auf, spielten vergnügte und spassige Situationen, gingen auf Anregungen der Gäste ein und faszinierten mit ihrem eigenwilligen und prägnanten Darbietungen, untermalt und verstärkt von Christian Rieser am Keyboard.