Marleen ist Schlagersängerin und Profi-Groomerin, also Hundecoiffeuse. Seit neun Jahren schneidet und pflegt sie das Fell von Hunden und Katzen in ihrem eigenen Hundesalon «Pfotenoase» in Oberbüren. Dort hat sie auch ihr Tonstudio eingerichtet und produziert ihre eigenen Songs. Mit Schlagermusik hat sie vor 15 Jahren angefangen. An einem Talentfestival wurde die Frau mit blondem Kurzhaarschnitt entdeckt und arbeitet seitdem an ihrer Musikkarriere. Unlängst sang sie an der Schlagerparade der Gewerbeausstellung Wega in Weinfelden. Vor der Bühne hören ihr etwa 150 Zuschauer zu. Die kleinen Auftritte sind ihr genauso wichtig wie die grossen.

Lieber gesunden als mit Puppen gespielt

Unter den Zuschauern, auf dem Schoss einer langjährigen Freundin, sass ihr Hund Lumpi, ein hellbrauner Chihuahua. Ob im Hundesalon oder am Schlagerfestival: Lumpi ist immer dabei. Er trägt ein Halsband, auf dem in Glitzerbuchstaben sein Name steht. So wie der Hund, so auch das Frauchen: Glitzer-Stickerei auf einem knallroten Anzug, Glitzer-Schminke auf den Augenlidern, Glitzer-Schmuck am Hals. Marleen ist ein Schlagersternchen. Bis in die Fingerspitzen beherrscht sie die tänzerischen Bewegungen und animiert das Publikum mitzusingen. Ihr Dauerlachen kann als künstlich interpretiert werden. Doch Marleen hat, genauso wie ihre Texte, einfach eine positive und lustvolle Art.

Der Schlager begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Als Kind ging sie oft an Konzerte, da ihr Vater Fotograf war. So hat sie bereits als kleines Mädchen oft hinter die Kulissen gesehen. «Ich habe immer lieber gesungen, als mit Puppen gespielt», sagt sie. Bei ihrer Outfit-Wahl ist sie dann aber klassisch weiblich und anspruchsvoll. «Mir ist es wichtig, dass es Stil hat.» Dafür lässt sie sich massgeschneiderte Anzüge anfertigen und mit Pailletten aufmotzen. Schminken tut sie sich allerdings nur für die Bühne. «Ich werde zwar bald 40 Jahre alt, aber ich muss mich nicht retuschieren.»

Ein Herz für Tiere

In Marleens «Pfotenoase» ist die Atmosphäre herzlich und angenehm. Sie gibt jedem Hund genügend Zeit, damit sie sich gegenseitig kennenlernen können. Mit Verständnis, Vorsicht und Herz behandelt sie jeden Vierbeiner so, damit diesem der Besuch beim Coiffeur möglichst erträglich gemacht wird. Das ist gar nicht so einfach, wenn Lumpi ständig um ihre Füsse herumschwirrt. Im Hintergrund klingt aus dem Radio Schlagermusik. Diese scheint bei Marleen immer präsent zu sein. Ihr Hauptberuf sei aber Hundecoiffeuse. «Die Musik mache ich nebenberuflich. Doch wenn ich Auftritte habe, dann nehme ich mir auch Zeit, um diese professionell vorzubereiten.»

Keine Vorbilder

Im September des vergangenen Jahres hat sie ihr fünftes Album «Ich tu es» veröffentlicht. Marleen hat alles aus dem «eigenen Sack» bezahlt. Sie ist bei keiner Plattenfirma unter Vertrag. Mit ihrer Schlagermusik kann sie trotzdem einige Erfolge vorweisen: Drei Teilnahmen am Grand Prix der Volksmusik, Gast bei «Immer wieder sonntags», Hitparaden-Titel bei «Radio Melody» und Radiogast bei der Musikwelle von SRF. Auch mit Schlagergrössen wie Gunter Gabriel, Nik P. und den Paldauern stand sie schon gemeinsam auf der Bühne. Vorbilder hat sie keine. «Ich bin ich. Ich würde auch nie ein Lied von Helene Fischer singen. Da wird man nur ständig verglichen.»

Post inside
Marleen hatte sich für ihren Auftritt an der Wega in rot gehüllt. (Bild: Céline Hafner)

Für den ganz grossen musikalischen Durchbruch hat es bis jetzt nicht gereicht. Das liegt nicht an fehlendem Talent. Marleen kann fünf Instrumente spielen, schreibt ihre eigenen Texte und singt an all ihren Auftritten live. «Wenn man es auf dem ehrlichen Weg machen möchte, werden einem in der Schlagerbranche viele Steine in den Weg gelegt», sagt sie. Früher habe sie noch mehr Auftritte gehabt, aber es sei schwierig geworden. «Die Musikbranche ist knallhart und vor allem unfair.» Doch Marleen ist selbstbewusst und verliert ihre Freude an der Musik nicht. «Ich habe einfach Spass an der Musik und verliere die Hoffnung nicht, dass mein Karriereschub doch noch kommt.»

Die zweite Heimat

Neue Energie tankt Marleen mit ihrem Partner René im Südtirol. «Das ist meine zweite Heimat. Natur und Tiere geben mir Kraft.» Vor allem Tiere liegen ihr am Herzen. Als Botschafterin für den Tierli-Walter-Zoo in Gossau hat sie an ihren Auftritten bereits über 10'000 Franken Spenden gesammelt. Ein Kinderwunsch hat sie nicht. «René und ich können so sehr spontan sein. Das ist uns wichtig.» Seit 18 Jahren sind die beiden ein Paar. Er war also seit Karrierebeginn immer an ihrer Seite.

Weshalb singt Marleen, die mit richtigem Namen Marleen Kübler heisst, ausgerechnet Schlager? «Jeder kann die Texte verstehen und der Schlager verbindet fröhliche Menschen. Es ist auch eine Art Ablenkung vom Alltag und man kann einfach ein paar schöne Stunden miteinander verbringen», sagt sie mit glänzenden Augen.

By Céline Hafner