Die Heimstätten Wil haben im Oktober eine Absichtserklärung unterzeichnet, die Gärtnerei sowie den Laden zu übernehmen und in die eigene Arbeit zu integrieren. Obwohl die offizielle Übernahme erst per 1. Januar 2020 erfolgt, werden die beiden Läden schon ab dem 1. März 2019 zusammengelegt und die Gärtnerei in die Arbeit des «Grünen Bereich» der Heimstätten Wil aufgenommen. Der neue, gemeinsame Laden ist ab dem 1. März 2019 am jetzigen Standort des «Querbeet» geplant. Das «Präsent» der Heimstätten wird im Februar, nach dem Valentinstag, umziehen.

Doch warum gibt die Psychiatrie St. Gallen Nord die Gärtnerei ab? «Deren Bedeutung als Therapieangebot hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Die therapeutische Ausrichtung hat sich verschoben, von der klassischen Arbeitstherapie hin zu arbeitsagogischen Angeboten. Mit den Naturateliers und den Ateliers-Living Museum verfügt die Psychiatrie St.Gallen Nord heute über zwei sehr gute und wirksame arbeitsagogische Therapieangebote», sagt Klinik-Sprecher Norbert Löhrer. Und weiter: «Im Sinne einer Fokussierung auf das Kerngeschäft hat die Psychiatrie St.Gallen Nord deshalb entschieden, sich von der Gärtnerei zu trennen. Mit der Betriebsübergabe an die Heimstätten Wil konnte eine optimale Lösung für die Weiterführung der Gärtnerei gefunden werden. Die beiden Unternehmen sind partnerschaftlich miteinander verbunden und nutzen seit jeher entsprechende Synergien, zum Beispiel im Zusammenhang mit der gemeinsamen Nutzung des Areals in Wil.»

Floristikbetrieb wird eingestellt

Eine Zusammenarbeit zwischen den Heimstätten Wil und der Psychiatrie St.Gallen Nord ist nicht neu. So arbeiten bereits seit längerem Mitarbeitende der Heimstätten Wil mit einer IV-Rente in der Gärtnerei. Sie werden, da es sich um einen externen Einsatz handelt, durch ei-nen Job Coach der Heimstätten Wil begleitet.

Mit dem neuen Betriebskonzept sind auch einige Verbesserungen geplant. Zwar wird der Floristikbereich aufgrund mangelnder Nachfrage nicht mehr weitergeführt, dafür soll es andere Angebote geben, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Sonja von Weissenfluh, Gruppenleiterin Produktion/Verkauf «Präsent», sieht einen Mehrwert für beide Seiten: «Mit der Übernahme können wir vom «Präsent» ein breiteres, verbessertes Sortiment anbieten. Zudem wird das Sortiment des «Querbeet» durch unsere Produkte aufgestockt. Damit können die Gärtnerei und das «Querbeet» zukunftsorientiert weitergeführt werden.»

Aufgrund der neuen Angebotsausrichtung können nicht alle Mitarbeitenden der Gärtnerei durch die Heimstätten Wil übernommen werden. Urs Burgstaller, CEO ad interim der Psychiatrie St.Gallen Nord, bedauert ausserordentlich, dass für insgesamt vier Mitarbeitende keine interne Anschlusslösung gefunden werden konnte. Die Kündigungen erfolgen per 30. April dieses Jahres, da die beiden Läden «Querbeet» und «Präsent» im März zusammengeführt werden. Gemäss Burgstaller kommt bei allen vier Mitarbeitenden der kantonale Rahmenmassnahmenplan für betriebliche Umstrukturierungen zur Anwendung und die betroffenen Mitarbeitenden werden die bestmögliche Unterstützung erhalten.

Nutzung für arbeitsagogische Zwecke

Die Gärtnerei soll künftig für arbeitsagogische Zwecke genutzt werden: Ziel ist es, mit der Übernahme der Gärtnerei und des Ladens weitere Arbeitsplätze für Mitarbeitende mit IV-Rente anzubieten und das Angebot auszubauen. Die Mitarbeitenden werden weiter nach dem System des «Supported Employment», also mit der Unterstützung eines Job Coach, beglei-tet. Dadurch soll die Zukunft des «Grünen Bereich» der Heimstätten Wil gesichert sowie Weiterentwicklung und Wachstum ermöglicht werden.

Die Psychiatrie St.Gallen Nord und die Heimstätten Wil sind eng verbunden. Sie teilen sich das Gelände an der Zürcherstrasse 30 und auch der gemeinsame Adventsmarkt hat eine lange Tradition. «Die Schliessung von Gärtnerei und «Querbeet» ist somit abgewendet und der Betrieb bleibt sozusagen in der Familie», so Tobias Lindeke, Bereichsleiter Arbeit der Heimstätten Wil. (pd/red)