Die verordneten Schutzmassnahmen des Kantons St. Gallen, die vergangene Woche ausgesprochen wurden, haben das «Gare de Lion» in Wil nach dem schweizweiten Lockdown im Frühling ein zweites Mal in die Knie gezwungen. So wurden die Verantwortlichen des Kulturlokals vom Tanzverbot überrascht – aber auch von der ausschliesslich sitzend zu erfolgende Konsumation (siehe Artikel unten). Und deshalb hat das «Gare de Lion» bereits vor sieben Tagen beschlossen, bis Jahresende seinen Betrieb komplett einzustellen. «An einen ausgelassenen Party-, Tanz- oder Konzertabend ist derzeit nicht zu denken», sagte Michael Sarbach, Programmleiter des Lokals, vor einer Woche. 

Nun hat der Bundesrat am späten Mittwochnachmittag beschlossen, dass alle Discos und Tanzlokale in der Schweiz geschlossen werden. Doch was sagen die Verantwortlichen des «Gare de Lion» zu dieser einschneidenden Entscheidung? «Die Einschränkungen des Bundes haben uns bereits letzte Woche gezwungen, unseren Betrieb bis Ende des Jahres zu schliessen», sagt Sarbach auf Anfrage von hallowil.ch, «Die neuen Massnahmen des Bundesrates treffen uns zumindest kurzfristig nicht.» Beunruhigend sei für das «Gare de Lion» jedoch, dass die verordnete Regelung eine unbefristete Gültigkeit habe. Zum aktuellen Zeitpunkt wisse niemand, wann der Normalbetrieb wieder hochgefahren werden könne. Doch was bedeutet die aktuelle Lage für das Wiler Kulturlokal finanziell? «Aktuell beschäftigt uns erst einmal die Situation bis Ende dieses Jahres», betont Sarbach. Man sei aber in Kontakt mit der Stadt Wil und suche gemeinsam nach Lösungen. 

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Corona schlägt wieder zu: «Gare de Lion» sagt alle Veranstaltungen ab (21.10.20):

Bereits die erste Corona-Welle und die damit verbundene Krise hat den Kulturbahnhof «Gare de Lion» hart getroffen. Bereits während des Lockdowns im Frühling erlebte das Wiler Kulturzentrum einen Totalausfall – und das nicht nur in der Veranstaltungsagenda, sondern auch in den Finanzen. Denn da wurden ganze Events storniert, Tickets zurückerstattet und betriebsrelevante Aktivitäten eingestellt (siehe Artikel unten). Trotzdem waren die Verantwortlichen des Kulturlokals erleichtert und glücklich, als sie ihre Türen wieder öffnen durften – auch wenn mit strengen Corona-Schutzmassnahmen. Das Team rund um Programmleiter Michael Sarbach war damals motiviert und erstellte für die Sommerzeit sogar ein neues Konzept, um sich eben an alle verordneten Schutzmassnahmen halten zu können. 

Und jetzt schlägt das Coronavirus ein zweites Mal zu. Nachdem der Kanton St. Gallen letzten Freitag ein Tanzverbot ausgesprochen und die Konsumation nur noch im Sitzen erlaubt hat, war das Wiler Kulturlokal gezwungen eine schwere Entscheidung zu treffen. «Angesichts der aktuellen Situation, ist es absolut nachvollziehbar, dass neue Massnahmen getroffen wurden», sagt Programmleiter Sarbach gegenüber hallowil.ch. Auf die Maskenpflicht sei das «Gare de Lion» vorbereitet gewesen. «Das Tanzverbot hat uns überrascht», erzählt Sarbach weiter. Und deshalb sagt das Kulturlokal alle Veranstaltungen mit Jahresende ab. Dies teilen die Verantwortlichen auch am Mittwoch ihren Social-Media-Freunden und -Fans auf Facebook mit. «Insbesondere das Tanzverbot und die ausschliesslich sitzend zu erfolgende Konsumation machen uns einen gewaltigen Strich durch die Rechnung», wird in dem Post erklärt. «An einen ausgelassenen Party-, Tanz- oder Konzertabend ist derzeit nicht zu denken», schreiben die Verantwortlichen weiter. Man habe Verständnis für die getroffenen Massnahmen, die dem Schutz aller dienen. Aber der Betrieb liesse sich so nicht aufrecht erhalten. «Ein grosser Teil der laufenden Betriebskosten und auch das gesamte Kulturprogramm werden über gewinnbringende Partys – sprich Tanzveranstaltungen –finanziert», erklärt Sarbach gegenüber hallowil.ch.

Zwei Veranstaltungen wird nun als Livestream unter www.garedelion.ch zu sehen geben: Es sind die Band Xost-Qualifikation am 24. Oktober und die OJK Jazz Jam Session am 30. Oktober.

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«Gare de Lion» stampf neues Konzept aus dem Boden (22.5.20):

Wie für alle anderen Gastronomiebetriebe und Veranstalter in der Region war der Corona-Lockdown für den Kulturbahnhof «Gare de Lion» keine einfache Zeit. Während Wochen erlebte das Wiler Kulturzentrum einen Totalausfall – sowohl in der Veranstaltungsagenda als auch in den Finanzen. Ganze Veranstaltungen mussten storniert, Tickets zurückerstattet und betriebsrelevante Aktivitäten eingestellt werden. «Umso glücklicher sind wir jetzt, dass wir – wenn auch mit strengen Auflagen und im nicht gewohnten Rahmen – wieder starten können», sagt Michael Sarbach, Programmleiter des «Gare de Lion» Um die vorgegebenen Schutzmassnahmen im Kampf gegen das Coronavirus einhalten zu können, mussten sich Sarbach und sein Team genau überlegen, was in ihrem Fall machbar ist. «So ist in den letzten Wochen die Idee zu einer Sommerbar entstanden», erzählt Sarbach. «Bar de Lion» findet ab heute jedes Wochenende von Donnerstag bis Samstag, jeweils von 17 bis 24 Uhr, statt. «Aber nur bei trockenem Wetter», betont Sarbach. Denn das «Gare de Lion» veranstaltet die Sommerbar nur unter freiem Himmel. «Für uns ist es schwierig die vorgegeben Schutzmassnahmen und -regeln drinnen komplett korrekt einzuhalten», erklärt Sarbach. Deshalb habe man sich für einen Barbetrieb draussen entschieden. 

 
(Video Magdalena Ceak)

Playlist statt Live-Auftritte

Für die Mitarbeiter des Wiler Kulturbahnhof wird es trotz Lockerungen und der Wiedereröffnung keine einfache Zeit. Da noch das Veranstaltungsverbot herrscht, dürfen weder DJ für die «Bar de Lion» auflegen, noch dürfen einzelne Sänger auf der Bühne auftreten. Nach Angaben von Programmleiter Sarbach wird eine Playlist abgespielt. Da werde eine etwas andere Atmosphäre herrschen. «Vielleicht sieht die Situation in ein paar Wochen anders aus und es kommt zu weiteren Lockerungen», hofft er. Einfach werde es für die Mitarbeiter und Kerativköpfe des «Gare de Lion» auch nicht, weil sie während des Barbetriebs auch die Einhaltung der Schutzmassnahmen kontrollieren müssten. «Es wird auch nicht immer lustig sein, die Gäste auf die Regeln aufmerksam zu machen», sagt Sarbach, «niemand will den Polizisten spielen.» Aber es sei wichtig, dass sich die Leute an die Mindestabstände von zwei Metern halten. Oder, dass an einer Sitzlounge höchstens vier Personen sitzen dürfen. «Wir müssen darauf achten, dass die Gäste nicht aufstehen und herumlaufen», erklärt er. Das werde eine Herausforderung. Um alle Schutzregeln einhalten zu können, dürfen sich höchstens 50 Personen auf einmal in der Bar aufhalten. Sollte das Interesse an der Outdoor-Bar besonders hoch sein, wurde bereits ein Tool für Reservierungen vorbereitet. «Dieses würde dann zum Einsatz kommen.»