Genau zum Schluss des aktuellen Schuljahres reicht Luc Kauf, Wiler Parlamentsmitglied, am Donnerstagabend eine Interpellation ein. Kernthema der dringlichen Interpellation, welche das Stadtparlament in ihrer letzten Sitzung erhält, ist die Schliessung des Kindergartens Neugruben. «Die Ironie hinter diesem Entscheid ist, dass auf der einen Seite wegen der steigenden Schülerzahlen Schulraum geschaffen werden muss, auf der anderen Seite nun ein Kindergarten geschlossen wird», so das Parteimitglied von Grüne Prowil auf Anfrage von «hallowil.ch». Gerade weil man bei einer ersten provisorischen Kindergarteneinteilung eine Schliessung des Kindergartens Neualtwil geplant war, weil in dessen Einzugsgebiet wenig Kinder ins das erste Kindergartenjahr eintreten. 

Um die Situation zu erklären, zitiert Luc Kauf in seiner dringlichen Interpellation Schulpräsidentin Jutta Röösli aus einem Zeitungsinterview vom Frühjahr – als bekannt wurde, dass der Kindergarten Neugruben für das Schuljahr 2019/2020 geschlossen wird. Röösli begründete damals den Entscheid mit unterdotierten Klassen. «Im Durchschnitt rechnen wir mit Klassengrössen im Kindergarten von 18 bis 19 Kindern; dabei orientieren wir uns an den durchschnittlichen Schülerzahlen im Kanton St. Gallen», nennt Kauf ein konkretes Zitat des Interviews. Im Volksschulgesetz werde gar von Klassengrössen im Kindergarten von 16 bis 24 Kindern gesprochen. Der Kindergarten sei ausserdem in einer Wohnung untergebracht . Die damit verbundenen limitierten Platzverhältnisse würden hier nur eine Klassengrösse von zirka 15 Kindern zulassen.

Dass das Bildungsdepartement seine Meinung schnell revidierte und statt der Kindergarten Neualtwil nun der Kindergarten Neugruben geschlossen wird, begründete Schulpräsidentin Röösli im Zeitungsinterview folgendermassen: «Neualtwil ist grosszügiger ausgestattet und kann dementsprechend mehr Kinder aufnehmen. In der Überprüfung der provisorischen Kindergarteneinteilung fiel folglich der definitive Entscheid auf Neugruben, auch mit Einbezug der Anregungen der Kindergartenlehrpersonen». 

Man hätte alle drei Kindergärten weiterführen können

«Das alles wirkt befremdend auf mich», sagt Kauf gegenüber «hallowil.ch». Fakt ist, dass auf den aktuell verfügbaren Klassenlisten für das kommende Schuljahr im Kindergarten Städeli und im Kindergarten Neualtwil zusammen 44 Kinder (23 plus 21 Kinder) aufgelistet sind. «Das ist weit über den angestrebten Durchschnittszahlen», ist Kauf überzeugt. Und weiter: «Mit den acht Kindern, die den Kindergärten Zelghalde und Paradiesli zugeteilt worden sind, hätten also alle drei Kindergärten sehr gut gefüllt werden können».

Laut Kaufs Interpellation wird in den Aussagen von Röösli suggeriert, dass sämtliche Kinder im Einzugsgebiet der Kindergärten Städeli, Neugruben und Neualtwil in den beiden verbleibenden Kindergärten Städeli und Neualtwil platziert werden können. «Das ist aber nicht so», weiss Kauf. Tatsache sei, dass dies für mindestens acht Kinder, welche im Einzugsgebiet dieser Kindergärten wohnen, nicht zutreffe. Diese seien nämlich für das Schuljahr 2019/ 2020 dem Kindergarten Zelghalde (sechs Kinder) und dem Kindergarten Paradiesli (zwei Kinder) zugeteilt worden. In seiner Interpellation zeigt Kauf konkrete Beispiele auf: «Mit dieser Zuteilung mutet man am Beispiel Kindergarten Zelghalde einem knapp vierjährigen Kind Folgendes zu: einen Schulweg von zirka 1,3 Kilometern, eine Höhendifferenz von etwa 40 Metern und 200 Meter auf der dicht und auch von Lastwagen befahrenen Konstanzerstrasse – mit der Überquerung der Hauptstrasse beim Motorradgeschäft Daneffel.» Und das sei aus der Sicht der Schulwegsicherheit sehr bedenklich. «Betroffene Kinder müssten diesen Kindergartenweg im ersten Jahr zwei Mal und im zweiten Jahr sogar vier Mal am Tag gehen. Mit dem Tempo eines Kindergartenkindes gerechnet, dauert ein Weg mindestens 25 Minuten», erklärt Kauf in seiner Interpellation. Und gegenüber «hallowil.ch» geht er sogar noch weiter: «Das ist doch kein Schulweg-Vergnügen mehr». Dabei sei der Weg in den Kindergarten oder in die Schule doch pädagogisch sehr wichtig. 

«Eltern müssen ihre Kinder begleiten»

Laut Kauf könne man über die Länge des Kindergartenwegs diskutieren. Aber dass Kindergartenkinder «eine stark befahrene Hauptstrasse mit einem schmalen Trottoir überqueren müssen» bereitet dem Stadtparlamentarier grosse Sorgen. Und deshalb stellt er in seiner Interpellation konkrete Fragen unter anderem in Bezug auf die Schulwegsicherheit, die es nun zu beantworten gilt: «Ist die Schulwegsicherheit geprüft worden? Wenn Ja, wie? Ist die Kantonspolizei zur Überprüfung eingeladen worden? Wenn nein, wieso ist sie nicht eingeladen worden?» Ausserdem möchte Kauf wissen, wie die Schulwegsicherheit – insbesondere beim Abschnitt der Hauptstrasse im Bereich Via-Tankstelle, Konstanzerstrasse mit Überquerung Daneffel – sichergestellt wird. 

«Solange die Kinder den Weg zum Kindergarten nicht allein sicher bewältigen können, liegt es in der Verantwortung der Eltern, das Kind zu bringen» so Kauf. Und: «Dieser Entscheid den Kindergarten Neugruben zu schliessen, zwingt die Eltern, ihren Nachwuchs zwei Jahre lang in den Kindergarten zu begleiten.»