Das Schloss Sonnenberg erinnert an ein verwunschenes Märchenschloss, das von üppig wucherndem Buschwerk umrahmt wird. Ein Trupp von Gärtnern hätte in der Dornröschenanlage tagelang zu tun. 

Einiges passt nicht ins Bild vom Märchenschloss, etwa die gestapelten Container, die wohl als Baubaracken dienen sollen, der grosse Kran sowie das Baugerüst, das die Liegenschaft auf ganzer Höhe umschliesst.

Wiler Landsknechte

Das Schloss Sonneberg wurde 1242 erstmals urkundlich erwähnt. Danach wurde es für Jahrhunderte turbulent, die Ereignisse lassen sich mit den Stichworten mehrfache Besitzerwechsel, mehrfache Belagerungen, mehrere Brände zusammenfassen. 

Auch die sogenannten Wiler Böcke, eine wilde Horde von raubenden und brandschatzenden Landsknechten, belagerte den Adelssitz.

1678 kam er schliesslich in den Besitz des Klosters Einsiedeln, wo es für lange Zeit blieb. Es wurde zu einem beliebten Ausflugsziel mit Restaurant. Auch viele Paare gaben sich dort das Ja-Wort.

Post inside
Wiler Böcke belagerten einst das Schloss Sonnenberg. Der Künstler Werner Hilber hat dieser Horde von Räubern, Entführern und Brandschatzenden auf dem Lindenplatz ein Denkmal gesetzt. (Archivfoto: Adrian Zeller) 


Frühe Spuren

Seine erhöhte Lage gewährt einen imposanten Ausblick. An prachtvollen Tagen kann man in der Ferne die Berner Alpen erkennen.

Der Platz, an dem heute das Schloss steht, scheint schon früher ein beliebter Aufenthaltsort gewesen zu sein. Bei archäologischen Grabungen fanden Forscher Überreste von Siedlungen, die bis 4000 vor Christus zurückreichen.

Schwierige Käufersuche

Das Kloster Einsiedeln suchte 15 Jahre nach einem Käufer für die repräsentative Liegenschaft an exklusiver Lage. Es standen umfangreiche Investitionen in das baufällige Gemäuer an, dem Kloster fehlten die erforderlichen Mittel.

Dann tauchte der Wiener Christian Baha auf. Ohne lange Bedenkzeit erwarb er 2007 das Gebäude sowie einen angegliederter Gutsbetrieb mit 150 Hektaren Acker, Wiesen, Wald und Reben. Der Kaufpreis soll bei 7 Millionen Franken gelegen haben. Das Schloss sollte Wohnsitz seiner Familie werden.

Post inside
Jahrelang vermittelte die Baustelle des Schlosses Sonnenberg den Eindruck des Stillstandes. (Archivfoto: Adrian Zeller) 


Umfangreiches Angebot

Nach dem Erwerb des Komplexes machte Baha seine Pläne öffentlich: Eine Generalsanierung in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten werden der Öffentlichkeit Gastwirtschaftsräumlichkeiten zur Verfügung stehen. Geplant ist nebst einem gepflegten Restaurant, auch die Weiterführung des Gastwirtschaftsbetriebs für Ausflügler und Wanderer.

Die schlosseigene Kapelle sowie die Prunkräumlichkeiten werden in angepasster Form für Hochzeiten, aber auch für öffentliche kulturelle Anlässe wie Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen etc. bereitstehen.

Der Schlosskeller wird zur Vinothek, zudem soll ein Wellnessbereich angelegt und eine neue Zufahrtstrasse gebaut werden. In der alten Scheune soll es 11 Wohnungen geben. Geplante Gesamtinvestition: 15 Millionen Franken.

Robin Hood der Kleinanleger

Christian Baha begann seine berufliche Laufbahn als Polizeibeamter in seiner Heimatstand Wien. Nach der Abendmatura schloss er ein betriebswirtschaftliches Studium an. 1995 gründete er mit einem Geschäftspartner ein Fintech-Unternehmen. Mittlerweile ist er Alleininhaber.

Aus steuerlichen Gründen lebt der Mulitmillionär mittlerweile in Monaco. Er betreibt in Neuseeland und in Frankreich Biofarmen. Und er betätigte sich auch schon als Darsteller in Hollywood-Filmen.

In Interviews definierte sich Christian Baha mehrfach als Robin Hood, der mit seiner ausgeklügelten Börsensoftware auch Kleinanlegern den Zugang zu Hegde Fonds und anderen Finanzvehikeln mit lukrativen Renditeaussichten ermöglichen will.

Post inside
Der weithin sichtbare Baukran lenkte die Aufmerksamkeit auf die Dauerbaustelle. (Archivfoto: Adrian Zeller)


Konflikte um Löhne

Seit der Übernahme des Schlosses kam es immer wieder zu Bauverzögerungen und zu juristischen Verfahren. Unter anderem protestierte die Gewerkschaft gegen deutlich zu tiefe Stundenlöhne für die aus Osteuropa stammenden Bauarbeiter.

Die Rechtsvertreter des Eigentümers entgegneten, die Arbeitskräfte erhielten einen Teil des Lohnes in angemessenen Naturalleistungen.

Jahrelang schien Stillstand auf der Baustelle. In diesem Frühjahr verhängte die Standortgemeinde Stettfurt einen Baustop.

Post inside
Die Standortgemeinde Stettfurt konnte sich nun mit dem Eigentümer über das weitere Vorgehen einigen. (Archivfoto: Adrian Zeller)

Wie sie nun auf ihrer Homepage schreibt, konnte sich die Gemeinde Stettfurt mit dem Eigentümer über die Weiterführung der Arbeiten einigen.

«Der Gemeinderat hat Ende Mai mitgeteilt, dass er verschiedene baupolizeiliche Anordnungen zum Schloss Sonnenberg erlassen hat. Dieser Entscheid ist beim DBU angefochten worden und das DBU hat die aufschiebende Wirkung des Rechtsmittels superprovisorisch wieder erteilt.

Unabhängig von diesem Verfahren hat die Gemeinde mit dem Eigentümer des Schlosses und der Bauherrschaft Gespräche über eine Weiterführung der Arbeiten geführt. Es hat sich dabei gezeigt, dass tatsächlich gewisse Rückbauarbeiten schon seit Anfang Jahr gestartet haben.

Zudem laufen aktuell Vorbereitungsarbeiten an der Fassade. Im Rahmen dieser Gespräche haben sich die Beteiligten auf eine Durchführungsvereinbarung verständigt. Diese Vereinbarung sieht vor, wie der Fortgang der Umbauarbeiten am Schloss stattfinden soll. So ist unter anderem festgelegt, welche Bauteile vor weiteren Arbeiten einer Freigabe der Planung benötigen, in welchem Zeitraum die Arbeiten stattfinden und abgeschlossen und bis wann Projektänderungen eingegeben werden sollen.

Der Kran soll abgebaut werden, sobald die Fassade saniert ist. Da das Verfahren auch beim Schloss Sonnenberg gemäss den geltenden Vorschriften abläuft, können Details oder konkrete Verfahrensvorgaben in der Vereinbarung nicht geregelt werden. Festgehalten ist aber, dass bei Verstössen die Vereinbarung aufgehoben wird und gegebenenfalls wieder hoheitlich zu verfügen ist.

Damit die Bauarbeiten auch tatsächlich bald aufgenommen werden können, muss das laufende Rechtsmittelverfahren beendet werden. Deshalb hat der Gemeinderat beschlossen, seine Verfügung von Ende Mai ersatzlos zu widerrufen. Der Gemeinderat ist zum Schluss kommen, dass auf der Basis dieser Vereinbarung und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ein Rechtsmittelverfahren Jahre in Anspruch nehmen kann, ein Widerruf zielführender ist.

Der Gemeinderat begrüsst es, dass der Eigentümer des Schlosses mit der Unterzeichnung dieser Vereinbarung ein deutliches Zeichen abgibt, dass er das Schloss nun fachgerecht und innert einem angemessenen Zeitraum umbauen und sanieren will. Er hat der Durchführungsvereinbarung deshalb auch zugestimmt und gibt damit der Hoffnung Ausdruck, dass die Bauarbeiten auf einer besseren Basis weitergeführt und beendet werden können.»