Ende Oktober wird das operative Geschäft gestoppt und es werden keine Kunden mehr beliefert. Per Ende Jahr ist die Firma Schmetz Switzerland AG passé (siehe Artikel unten). Anke Gähme, Regionalleiterin Ostschweiz-Graubünden der Gewerkschaft Unia, sagt zu hallowil.ch: «Die Schliessung reiht sich deutlich in eine immer weiter fortschreitende Vernichtung von Industrie-Arbeitsplätzen in der Ostschweiz ein. Diese betreffen zum allergrössten Teil Produktionsarbeitsplätze.» Allein in den vergangenen eineinhalb Jahren seien in diesem Segment mehr als 1000 Arbeitsplätze verlorengegangen, zum Beispiel bei Denipro, Sulser Technology, Weidmann, Gallus, Saurer, Bischoff Textil, Swissprinters und Zintec. «Dies ist auch bei einer derzeit guten Arbeitsmarktlage ein Alarmzeichen», sagt Anke Gähme.

«Versprechungen nicht eingehalten»

Bei den Mitarbeitern hält sich die Verwunderung über die Schliessung in Grenzen. Sie haben es kommen sehen, berichtet der Ostschweizer Fernsehsender TVO am Montagabend. Hinter vorgehaltener Hand richten sie happige Vorwürfe an die Firma Groz-Beckert, welche die Schmetz-Gruppe vor knapp drei Jahren übernommen hat. Versprechungen seien nicht eingehalten worden. So sei zuerst scheinbar die Absicht gewesen, in den Standort Tägerschen zu investieren, was nicht gemacht wurde. Sie fühlen sich «verarscht». Ein Sozialplan sei allerdings erstellt worden. Die meisten freigestellten Mitarbeiter hätten eine Anschlusslösung.

Die Schmetz Switzerland AG wird geschlossen, weil das Geschäft mit den Nähnadeln nicht mehr rentiert. Die Wettbewerbssituation habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und das Marktwachstum sich gleichzeitig deutlich verlangsamt, lässt der Deutsche Mutterkonzern in einer knappen Medienmitteilung verlauten. Somit geht in Tägerschen eine 95-jährige Firmengeschichte zu Ende. Gegründet worden war das Unternehmen im Jahr 1924 als Zweifel Nadelfabrik. Seit 2007 ist es in Deutscher Hand.

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So hat hallowil.ch die Standort-Schliessung publik gemacht (14.10.):

«Seit 2007 nimmt der Standort Schweiz innerhalb der Schmetz Gruppe eine wichtige Rolle ein. Schweizer Werte wie Präzision und Zuverlässigkeit sind für die Bereitstellung von Nischenprodukten unerlässlich.» Das schreibt Schmetz über sich selbst auf der Firmen-Website - und schliesst den Standort Schweiz noch dieses Jahr. Laut hallowil.ch-Informationen geschieht dies bereits per Ende des laufenden Monats.

Die 20 Mitarbeiter der Schmetz Switzerland AG wurden bereits im Juni über die geplante Standortschliessung in Tägerschen informiert. Die Ferdinad Schmetz GmbH mit Sitz im deutschen Herzogenrath – der Standort Tägerschen ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen – schreibt: «Die geplante Schliessung kommt aufgrund der allgemeinen Marktsituation zustande. Die Wettbewerbssituation hat über die Jahre hinweg stark zugenommen und das Marktwachstum hat sich deutlich verlangsamt.»

Fast 100-jährige Firmengeschichte

Die Schliessung solle nach abgeschlossenem Konsultationsverfahren innerhalb der in der Schweiz gesetzlichen Vorschriften und den für die Schmetz Switzerland AG tariflich geltenden Regeln erfolgen. Das steht in der Mitteilung über die Schliessung der Schmetz AG, die Nadeln für die Textilindustrie produziert und Auftragsarbeiten für die Metallindustrie durchführt. Die endgültige Schliessung werde sich voraussichtlich bis zum Jahresende hinziehen. Mehr Informationen sind aus der Pressemitteilung nicht zu entnehmen. Statt näher auf die Situation einzugehen, berichtet das Unternehmen lieber darüber, dass Schmetz im Jahr 1851 gegründet wurde und heute weltweit 700 Mitarbeiter beschäftigt. Und dass im Geschäftsjahr 2017 ein Gesamtumsatz von 32 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. Fakt ist auch: Per Jahr 2017 wurde die Ferdinand Schmetz Gruppe von Groz-Beckert übernommen. Die Übernahme umfasste damals die Produktionsstandorte in Deutschland, der Schweiz und Indien sowie das weltweite Vertriebsnetz.

Somit geht im Hinterthurgau eine 95-jährige Geschichte zu Ende. Im Jahr 1924 war die Nadelfabrik Zweifel & Cie in Tägerschen gegründet worden. Sie stellte die Grammophon-Nadeln "Thurga" sowie Nadeln für die Schiffli-Stickerei-Maschinen und Haushalt-Nähmaschinen her. Ab 1968 wurden die Kompetenzen in der Herstellung von Nadeln sowie der mechanischen Bearbeitung von Metall kontinuierlich ausgebaut. Unter der Führung der Familie Bachmann erlangten Bachmann-Nadeln in den Nischen-Industrien Fadenheften und Schiffli-Stickerei weltweit Ansehen.

Fragen ohne Antworten

Doch was passiert mit den 20 Angestellten in Tägerschen? hallowil.ch bekam vergangene Woche trotz wiederholter Anfragen keine Antworten. Mitarbeiter des Standorts Tägerschen möchten sich zu den Geschehnissen nicht äussern. Auch nach einer Anfrage von hallowil.ch wollen langjährigen Mitarbeiter keine Aussagen machen - und schon gar nicht, dass daraus eine Geschichte gemacht wird. Ferner will niemand bestätigen, dass das Unternehmen bereits Ende Oktober geschlossen wird, wie hallowil.ch aus gut unterrichteter Quelle zugetragen wurde.