Bezüglich Veranstaltungen verlief das Wochenende in Wil überaus konträr. Im Pfarreizentrum stand der Anlass zur Würdigung des Tieres als Geschöpf Gottes im Angebot und gleichzeitig kündigte sich der «Beef-Event» zum Wochenende an, ein Förderanlass zum Fleischgenuss. Zu gut halten kann man dem Beef-Anlass, dass mit der ebenfalls vorgestellten Mutter-Kuh-Haltung eine tierfreundlichere Haltung Thema war. Dominikaner Peter Suffel

«Taste, fühle, begreife»
Die Bewahrung der Schöpfung ist bekanntlich auch Papst Franziskus ein Anliegen, nachdem er im Jahr 2015 für den 1. September den Weltfriedenstag zur Bewahrung der Schöpfung ausgerufen hatte, ein Beitrag zur Überwindung der ökologischen Krise. Die diesjährige «Schöpfungszeit» steht unter dem Motto «Taste, fühle, begreife». Seelsorger Peter Suffel betonte in der Begrüssung im grossen Saal des Pfarreizentrums: «Wer die Schöpfung begreift, stösst auf deren innenligende göttliche Wirklichkeit».

Eingangs seines Referats zitierte Rainer Hagencord die Gestalt des Kirchenvaters Sophronius Eusebius Hieronymus. Er habe sich dafür eingesetzt, den Tieren auf Augenhöhe zu begegnen, wie es eine Legende über ihn beschreibe. Sein Institut gründete Hagencord in der Feststellung: «Im christlichen Menschenbild ist auch eine theologische Würdigung enthalten».

Post inside

Eine ökologische Katastrophe steht bevor
Schon Literaturpreisträger Canetti habe gefordert dass die Tiere näher zum Menschen kommen müssten, oder sie werden verschwinden. Dazu wies der Referent auf die immer mehr ausgerotteten Tierarten hin. Es lebe aktuell eine buchstäbliche Ausrottungs-Generation. Bereits sei belegt, dass 75% Masse der Insekten weg seien. Bei deren Fehlen stehe die ökologische Katastrophe bevor.

Die Schuld an der Entwicklung gibt Hagencord den Industrienationen. Die jährliche Masse z.B. von 58 Mio. Schlachtschweinen spreche für sich. Hinzu kämen 12 Mio. Tiere, die vor deren Nutzung weggeworfen werden. Dazu zitierte er das bevorstehende «Beef-Fest» in Wil, was es denn zu feiern gebe.

Was unterscheidet Tiere von Menschen
Nach Hagencord steht die Vernichtung der Lebensräume für Tiere im engen Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik mit der Zerstörung von Lebensräumen. Die Naturwissenschaften hätten erkannt, die Tiere kommen uns immer näher. Am Beispiel der Talente und Fähigkeiten bei Delphinen und Bienen werde deutlich, wie diese in eingespielten Funktionen wirkten. Die Verhaltenstheologie stelle daraus fest wie Tiere dem Menschen immer näherkommen.

Die Allmächtigkeitsgefühl des Menschen habe mit der Erkenntnis von Kopernikus einen tüchtigen Dämpfer erhalten, als dieser belegte, dass nicht die Sonne um die Welt kreist, sondern umgekehrt, die Erde nur kleiner Teil des Weltalls.

Tiere, Teil der Friedensmission
Hagencord wies weiter darauf hin, dass schon Isaja eine Vision des Friedens vorgestellt habe. Der Mensch müsse seine Begrenztheit erkennen lernen, was das Einbinden der Tiere in die Friedensmission voraussetze. Nach Hagencord ist die Kirche mitverantwortlich, nur dem Menschen eine Würde zu geben, dem Tier nur einen Wert. Er selber habe eine Theologie mit dem Rücken zur Wand gegen die Tierwelt studiert.

Schon der Hl. Franziskus habe auf den Zusammenhang alles Lebenden hingewiesen. In der Bibel kämen viele Tiere vor. Zur Schöpfungsgeschichte sei übrigens festgehalten, dass Gott die Tiere vor dem Menschen erschaffen habe. Dabei sei der Mensch nicht etwa als Krone der Schöpfung erschienen. Weil der Mensch sich selber zur Krone der Schöpfung gemacht habe, sei daraus das Machtverhalten entstanden, dazu gehöre allerdings auch die Verantwortung.

Tiere als Geschwister
Hagencord nannte es eine ökologische Weisheit, dass es alle Lebewesen braucht. Jedes fehlende Tier störe das ökologische Gleichgewicht. Bei den Bienen zeige sich das beispielhaft, weil diese für das Gedeihen von 50 Prozent der Lebensmittel im Einsatz seien. So müsse sich das Verhalten als Christen dahin ändern, die Tiere als Geschwister anzuerkennen. Gottes Bund sei zusammen mit Tieren geschlossen worden. Das Anerkennen der göttlichen Wirklichkeit in Tieren weite den Glauben aus.

Das Menschsein unter Gottes Augen kann nur in der Anerkennung gelingen, dass wir Menschen von der Erde genommen sind und wieder zu Erde zurückkehren werden. Der Mensch sei nicht vom Himmel gefallen. Nach Thomas von Aquin brauche der Mensch Erfahrungswissen um Natur und Tiere. In Tieren könne der Mensch sich selber erkennen.

Nur die Tiere sind im Paradies geblieben
Der Referent kritisierte die Verteufelung der Sexualität in der Kirche. Mit der Ablehnung seien auf Umwegen die Missbräuche entstanden. Mit der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies sollte der Mensch vernünftig werden und Moral lernen. Weil Tiere niemals schuldig werden können, blieben sie Teil des Paradieses.

Der Mensch müsse sich fragen, wie er aus der Unschuld der Tiere sein Leben gestalten will. Es sei der Kontakt mit Tieren, das uns Menschen verändere, weil diese unhistorisch, im Augenblick lebten. Das Gebet des Menschen müsse sich wandeln weg vom Denken, hin zur Wahrnehmung. «Auf Tiere ist Verlass», so der Referent wörtlich.

Abschliessend gab Rainer Hagencord zu verstehen, dass wir Menschen nicht ohne Tiere leben könnten. Hingegen könnten die Tiere ohne uns Menschen sehr gut leben.