Im Wiler Alleeschulhaus werden unter dem Titel „Prisma“ Ideen und Probleme schon länger im Rahmen von Schülerpartizipation angegangen. „Ideenbüro“ könnte die Fortsetzung heissen, wo Schulkinder ihre Kolleginnen und Kollegen bei Problemlösungen beraten. An der Vorstellung dieser Einrichtung vom Mittwochvormittag im Stadtsaal, zusammen mit den Schülern vom Alleeschulhaus, beteiligte sich auch die Gründerin des ersten Ideenbüros Christiane Daepp, welche für Ihre Idee im 2004 bereits mit einem UNICEF-Preis ausgestattet wurde. Die Idee, Ideenbüros in Wiler Schulen zur Sprache zu bringen, stammt von der Lehrerin Susanne Gähwiler, welche im Alleeschulhaus unterrichtet. Im Rahmen eines Zusatzstudiums hatte sie Kontakt mit Christiane Daepp, welche sie über die Vorteile und die Anwendung informierte. Eine vorausgegangene Information an das Lehrerteam im Alleeschulhaus erreichte das Interesse, den Schülern die Idee vorzustellen. Die bereits angekündigte Prisma-Vollversammlung bot Gelegenheit dazu. In die Vorstellung einbezogen war die Primarschule Jonschwil-Schwarzenbach, wo die Einrichtung „Ideenbüro“ seit zwei Jahren Anwendung findet.

Vorstellung mit praktischer Anwendung
Über 100 Kinder fanden sich im Stadtsaal ein für die Vorstellung der Einrichtung „Ideenbüro“. Im Gespräch machte die Wiler Initiantin Susanne Gähwiler deutlich, dass in der heutigen Zeit Denk-Frei-Räume fehlen, welche nicht schon im Vornherein mit Themen und Konzepten gefüllt sind. Ideenbüros könnten den Kindern die Möglichkeit des Mitdenkens, Mitgestalten und auch Mitverantworten geben. In der heutigen Zeit müssten Kinder vermehrt ihre Meinungen und Ideen zur Mitgestaltung eines friedlichen Zusammenlebens einbringen können.

Aus der Vorstellung der Einrichtung „Ideenbüros“ zeigte sich, dass die selbständige Lösung von Problemen der Kinder eine Entlastung der Schulsozialarbeit ergeben kann. Der Mehrwert wurde weiter im Erreichen „Gelebter Partizipation und Integration“, „Gewaltprävention“ und auch „Förderung der Selbst- und Sozialkompetenz“ dargestellt. Nach Susanne Gähwiler ist mit der Einrichtung nicht etwa ein personeller Stellenaufbau verbunden, sondern als reine Kinderinstitution gedacht.

Kinder sind für gute Lösungen zu haben
Die vorgestellte Szene, wo zwei Klassen in der Pause regelmässig um die Benützung des Steintisches stritten, erhielt eine erfreuliche Lösung. Bei der Besprechung im Ideenbüro wurden verschiedene Lösungen diskutiert wie wöchentlicher Wechsel der Nutzung, oder auch die Beschaffung eines zweiten Tisches. Die Lösung der Jugendlichen hiess jedoch: „Wir wollen schauen, dass wir den Tisch gemeinsam zum Spiel nutzen“. Mit der Einigung wurde dann eine wöchentliche Erprobung vereinbart.

Kinder sind für Ideenbüro
Nach einer Gruppenarbeit unter den Klassen stellte sich die Gründerin des Ideenbüros, Christiane Daepp den Fragen der Jugendlichen. Ihre Initiative für ein Ideenbüro habe sich aus einer Notsituation ergeben, aus einem grossen Mobbingproblem heraus. Sie habe einfach festgestellt, dass sich die meisten Probleme mit dem Einbringen von Ideen seitens der Jugendlichen lösen lassen. Von guten Erfahrungen war seitens des seit zwei Jahren installierten Ideenbüros in Jonschwil-Schwarzenbach zu hören.

Ob es auch unlösbare Probleme schon gegeben habe, verneinten die Verantwortlichen des Schwarzenbacher Ideenbüros. Die Mehrarbeit in der Leitung des Ideenbüros mache Spass, weil sie andern bei der Lösung von Problemen helfen könnten. Der Gewinn mit der Führung von Ideenbüros mache sich darin deutlich, dass einmal behandelte Problemfälle sich kaum mehr wiederholten. Auch habe die gemeldete Zahl Problemfälle nach einer Startzeit deutlich abgenommen.

Probebetrieb aufnehmen
Die klassenweise Abstimmung, ob es Ideenbüros braucht, sorgte für eine klare Zustimmung. Die Kinder agierten ehrlich. Obwohl rundum beobachtet, wagten sich Einige für ein Nein oder auch Enthaltung. Die Ja-Stimmen überwogen jedoch deutlich. Das Resultat dürfte den Schulverantwortlichen Mut machen, die Initiative weiter zu verfolgen.

Die Idee ist nun, dass die ältesten Kinder im Allee-Schulhaus einmal in der Woche ein Ideenbüro führen. Die jüngeren können sich mit ihren Anliegen und Ideen anmelden und im Ideenbüro von den grösseren beraten lassen. Die Schulsozialarbeit und eine Lehrperson werden die Betreuung und Begleitung des Ideenbüros übernehmen.

Gelebte Partizipation im Alleeschulhaus
Die Prismavollversammlung (PVV) ist bei uns ein wichtiger Teil der Schülerpartizipation. In diesem Schuljahr wurde von mehreren Kindern den Antrag gestellt an der PVV über Respekt zu reden. Wenn jemand einen Antrag stellt, wird dieser am Prismatreff (regelmässige Versammlung im Schulhausgang mit allen Beteiligten vom Schulhaus Allee) vorgestellt und anschliessend in den Klassen Unterschriften gesammelt (wie im Parlament). Wenn ein Thema genügend Support hat, wird dies dann in der Delegiertenversammlung (Vertreter/innen aus allen 8 Klassen) zum Thema der PVV bestimmt und die PVV vorbereitet.

Wir hatten nun eine Prisma-Vollversammlung (November 16) zum Thema Respekt in der wir uns Gedanken gemacht haben, was Respekt überhaupt ist und wie wir mit respektlosen Szenen umgehen können. Für die nächste PVV (März 2017) hat jede Klasse eine respektlose Szene vom Alltag in eine pädagogische Metapher umgeschrieben. So hatten wir an der letzten PVV das Thema „Prisma-Alltagsgeschichten“. Diese selbstgeschrieben Geschichten wurden vorgelesen und szenisch umgesetzt in den verschiedenen Rollen.
Die Wirkung im Schulalltag ist verblüffend. Immer wieder ist auf dem Pausenplatz oder im Schulhausgang zu hören: „Das ist respektlos, erinnerst du dich noch an die Geschichte…“.
Susanne Gähwiler