Das Ausbildungsmodell «Studierende machen Schule» ist von der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) in den letzten Jahren erarbeitet worden und wird nun während dieser Woche in Bronschhofen erstmals im regulären Schulunterricht angewendet. Der St. Galler Bildungsminister und Regierungsrat Stefan Kölliker war an der Medienkonferenz am Donnerstagvormittag in der Primarschule Bronschhofen begeistert: «Ich bin der Auffassung, dass wir das nicht einfach ein- oder zweimal wiederholen, sondern dass 'SMS' ständig weitergeführt werden sollte», so der Magistrat.

Doch um was geht es genau bei «SMS»? 16 PHSG-Studenten, die sich für die Teilnahme bewerben mussten, unterrichteten im Januar während einer Woche die acht Klassen an der Primarschule Bronschhofen zu zweit. Im Gegensatz zu den «normalen» 19 Praktika-Wochen, welche die Studenten bereits heute zu absolvieren haben, ist bei «SMS» der Umstand neu, dass die Studenten ganz allein vor den Klassen stehen und die volle Verantwortung für die Schülerinnen und Schülern tragen. Denn während die Jung-Pädagogen ihre «Klasse auf Zeit» unterrichten, ist die eigentliche Klassenlehrkraft komplett abwesend.


Das Entwicklungspotenzial betonen

«Bei den Studierenden ist so nicht nur die Klassenführung gefragt, sondern auch die Elternarbeit», erklärt Andreas Angehrn von der PHSG, der zusammen mit Benita Affolter «SMS» konzipierte und als Projektleiter begleitete. Wie der Rektor der PHSG, Horst Biedermann, zudem erklärte, soll das erstmalige «Allein-vor-der-Klasse-stehen» der zukünftigen Lehrerinnen und Lehrerinnen dazu beitragen, dass die Studenten später reflektierter unterrichteten und zudem einen Unterricht, der stetig komplexer werde, nicht in erster Linie als Bedrohung, sondern als Entwicklungspotenzial erachteten.

Und was machen die temporär «arbeitslosen» Klassenlehrkräfte in der Zwischenzeit? «Wir nutzen die Gelegenheit, um unsere Lehrerinnen und Lehrer weiterzubilden – indem wir den Lehrplan 21 vertiefen», erklärte die Wiler Schulpräsidentin Jutta Röösli. So entsteht für beide Seiten eine Win-Win-Situation.

Vertrauen durch gezielte Einführung

Bei den PHSG-Studenten kam die plötzliche Übernahme der vollen Verantwortung sehr gut an. Drittjahrstudent Kenny Vogt aus dem liechtensteinischen Balzers ist vom neuen Format sehr angetan: «Dass wir auf einmal Verantwortung übernehmen konnten und mussten, war schon stark. Das ging jedoch nur, weil wir im Herbst 2019 gut in diese Aufgabe eingeführt wurden und uns die Kinder und auch die Klassenlehrkräfte schon kannten – und uns dementsprechend vertrauten». Hinzu kam, dass die Studenten zwar alle Entscheidungen allein trafen – nicht aber während dieser Woche alleingelassen wurden; denn sie wurden von Professoren der PHSG begleitet, so dass ein ständiger Gedankenaustausch stattfand. Auch Klassenlehrerin Petra Mauchle taxierte «SMS» als ein tolles Projekt. «Klar braucht es viel Vertrauen in die Stellvertreterinnen und Stellvertreter, aber als wir ihm Herbst die Studenten während acht Nachmittagen kennenlernen durften, da wussten wir: Das kommt schon gut», so Mauchle.