Es seien «alarmierende Zahlen», sagte René Fiechter, CEO der Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) mit den beiden Spitälern in Wil und Wattwil. Alarmierend darum, weil der Verlust mehr als viermal höher ausgefallen ist als erwartet. 6,034 Millionen Franken gross ist der Fehlbetrag im Jahr 2018 statt der budgetierten 1,334 Millionen – und dies bei einem Umsatz von 104,6 Millionen. Der Verlust ist gar um das Sechsfache höher als im Vorjahr. Ein Haupttreiber ist die Inbetriebnahme der neuen Notfallstation in Wil sowie des Bettentraktes in Wattwil, was gesamthaft ein Loch von drei Millionen Franken verursacht hat . Neue Konzepte sowie die Rückstellung für die Pensionskasse belasten die Rechnung zusätzlich mit rund einer Million. Des Weiteren entstanden Einbussen von einer weiteren Million in einzelnen Ertragsbereichen, insbesondere aufgrund des Tarmed-Eingriffs. Und es wurden 700'000 Franken weniger eingenommen bei den Zusatzversicherten. Ein weiteres Problem: Im stationären und somit finanziell lukrativen Bereich sind die Frequenzen vergangenes Jahr kaum gestiegen.

Die unbefriedigenden Zahlen widerspiegeln sich auch bei der Ebitda-Marge. Angestrebt wird eine von acht bis zehn Prozent. Die SRFT hatte vergangenes Jahr eine von -1,3 Prozent. Somit ist die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg fast im Alleingang dafür verantwortlich, dass die St. Galler Spitäler 2018 einen Verlust von vier Millionen Franken erwirtschaftet haben. Ohne die Spitäler Wil und Wattwil wäre es ein Gewinn von zwei Millionen Franken gewesen.

 
Im hallowil.ch-Interview antwortet René Fiechter, CEO der Spitalregion Fürstenland Toggenburg, auf die Frage, ob nun Entlassungen drohen.

«Zukunft der Spitäler ist nicht gesichert»

Und die Aussichten sind alles andere aus rosig. Für das laufende Jahr wird bei der SRFT gar mit einem Verlust von 6,7 Millionen Franken gerechnet – bei einer weiterhin negativen Ebitda-Marge von -0,6 Prozent. Der Gesamtverlust aller St. Galler Spitäler soll sich für das laufende Jahr auf über 22 Millionen Franken belaufen. «Nötig wäre ein Ergebnis, das um rund 60 Millionen Franken besser ist. Die Zukunft der Spitäler ist nicht gesichert. Es braucht eine Struktur-Weiterentwicklung. Der Status quo hat keine Zukunft», sagte Felix Sennhauser, Verwaltungsratspräsident aller St. Galler Spitäler.

Klar ist auch, dass nun an den Spitälern Wil und Wattwil Massnahmen ergriffen werden müssen (siehe Video). Bis im April müssen dem Verwaltungsrat Ideen geliefert werden, wo Geld gespart werden kann, ohne dass die Qualität darunter leidet. Für konkrete Aussagen sei es noch zu früh, liess Fiechter verlauten.

Chirurgischer Testlauf in Wil

Und wie sieht das Ergebnis des Spitals Flawil aus? Genaue Aussagen zu den Betriebszahlen und der Kostenrechnung konnten an der Jahres-Medienkonferenz vom zuständigen CEO Daniel Germann nicht gegeben werden, da diverse Bereiche wie Führung, Logistik oder Anästhesie zentral erledigt würden. Hintergrund: Das Flawiler Spital ist in einen Verbund mit jenem von Rorschach und dem Kantonsspital St. Gallen eingebettet. Der Abschluss des Kantonsspitals St. Gallen fiel deutlich besser aus als erwartet. Trotz eines erwarteten Verlustes von 25 Millionen Franken resultierte ein Gewinn von 2,5 Millionen. Die Frequenzen sind gestiegen, obwohl auf dem Areal eine grosse und mehrjährige Baustelle errichtet wurde.

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Am Spital Flawil wird nur noch an vier von fünf Tagen operiert. (Bild: Simon Dudle)

Germann bestätigte, dass in Flawil nur noch an acht statt zehn Halbtagen pro Woche operiert wird. Am Freitag bleibt der Operationssaal geschlossen. «Das ist eine Anpassung des Angebots an die sinkende Nachfrage», sagte Germann. Klar ist, dass die Belegung im Spital deutlich zu tief ist, um es rentabel zu betreiben Germann bestätigte zudem, dass ein Chirurg an drei von fünf Tagen pro Woche von Flawil nach Wil versetzt wurde. «Wir wollen damit eine gemeinsame chirurgische Versorgung der Standorte Wil, Wattwil und Flawil testen», sagte Germann.

An der Strategie wird festgehalten

Auf die Spital-Strategie, über welcher ein Lenkungs-Ausschuss samt drei Mitgliedern der St. Galler Regierung derzeit brütet, hat das präsentierte Jahresergebnis 2018 keinen direkten Einfluss. «Die gestartete Bewegung bleibt bestehen. Es gibt keine Veränderung», sagt Sennhauser. Heisst konkret: Noch immer aufrecht ist das Grobkonzept, wonach es künftig noch vier Spitäler geben soll. Dazu gehört Wil, nicht aber Flawil. Nach dem Sommer will der Lenkungsausschuss weiter informieren.

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Spital-Verwaltungsratspräsident Felix Sennhauser sieht nun die Politik in der Pflicht. (Bild: Simon Dudle)

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Der Liveticker von der Finanz-Pressekonferenz:

So, das war es von dieser Pressekonferenz. Wir gehen noch auf Stimmenfang und melden uns dann mit einem vertiefenden Artikel. Vorerst mal vielen Dank für das Interesse. Bis bald auf hallowil.ch.

Die Fragen haben sich bereits erschöpft. Alles scheint gesagt.

Muss nun ein spezielles Augenmerk auf die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg gelegt werden, will ein Journalist wissen? "Ja", ist die klare Antwort. Viel Konkretes kann noch nicht gesagt werden. Aber es seien schon Massnahmen eingeleitet worden. Man werde im April die Ideen dem Verwaltungsrat präsentieren, sagt CEO René Fiechter.

Nun die Fragerunde der Journalisten. Eine erste Frage: Was bedeuten diese Zahlen nun für die Spital-Strategie? Sennhauser sagt: "Die gestartete Bewegung bleibt bestehen. Es gibt keine Veränderung."

Sennhauser sagt zum Abschluss: "Fachliche Entwicklungen fordern uns Tag für Tag stark. Die demografische Veränderung ist auch zu beachten. Es gibt immer mehr ältere Patienten. Sie haben häufig mehrere Diagnosen und brauchen mehrere Spezialisten. Es gibt mehr chronische Krankheiten. Das Resultat sind finanzielle Engpässe, die durch regulative Eingriffe der Politik verschlimmert werden. Ich hoffe, dass auch die Politik sich bewegt. Die Spitäler sind auf dem Weg."

Chefarzt Simon Wildermuth stellt nun noch das neue Netzwerk Radiologie vor. Dadurch stehen die Spezialisten somit allen Spital-Standorten zur Verfügung. Von einer Kommandozentrale aus wird alles gesteuert. So will man Synergien nutzen.

Der Verwaltungsratspräsident sagt: "Die Zukunft der Spitäler ist nicht gesichert. Wir brauchen eine Ebitda-Marge von 8 bis 10 Prozent." Erwartet werden allerdings nur 2,9 Prozent für 2019. Im 2018 lag diese Marge noch bei 4,9 Prozent. "Wir bräuchten ein Ergebnis, das 60 Millionen besser ist. Es braucht eine Struktur-Weiterentwicklung. Der Status quo hat keine Zukunft. Das Gesundheitswesen in der Schweiz erkrankt und ist reanimationspflichtig. Es braucht betriebliche Anpassungen. Die Zitrone ist ausgepresst. Und es braucht Anpassungen für die Leistungen, die erbracht werden."

Sennhauser: "Nun ist die Politik gefordert, den Tarmed-Tarif von 83 Rappen anzupassen."

Sennhauser fasst zusammen: In der Gruppe aller Spitäler resultierte 2018 ein Verlust von rund 4 Millionen Franken.

Nun die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg. Und hier kommt der erwartete Hammer: Ein Verlust von gut 6 Millionen Franken. CEO René Fiechter sagt: "Es war ein prägendes Jahr. Im ambulanten Bereich waren die Zahlen stark ansteigend. Es gab viele Veränderungen, die sich auf den Betrieb sehr positiv ausgewirkt haben. Die finanzielle Lage ist aber alarmierend mit 6 Millionen Verlust." Budgetiert war ein Verlust von 1,3 Millionen. Der Erweiterungsbau in Wattwil und die neue Notfallstation Wil rissen ein Loch von 3 Millionen Franken in die Kasse. Man hatte sich vor allem am Standort Wattwil mehr Fälle erwartet. Der Schweregrad der Fälle hat einen Rückgang ergeben. Ein weiterer Punkt: Es gibt immer mehr ambulante Behandlungen, die weniger Geld einbringen als die stationären. Auch das Budget sieht nicht besser aus: Ein Verlust von 6,7 Millionen Franken wird 2019 erwartet.

Im Rheintal ist es erstmals ein kleiner Verlust von knapp 700'000 Franken. Die Region Linth weist einen Gewinn von knapp 150'000 Franken aus. Beide haben eine Ebitda-Marge, die ungenügend ist.

Als erstes äussert sich Daniel Germann vom Kantonsspital St. Gallen, zu dem ja auch Flawil gehört. Man habe 2018 in St. Gallen ein Rekordjahr gehabt. Es kam deutlich besser raus als budgetiert. Die Erträge sind viel höher als erwartet. Es resultiert ein Gewinn von 2,5 Millionen Franken statt eines budgetierter Verlusts von 25 Millionen. Hauptfaktor ist die Fallschwere. Es ist ein unerwarteter Ausreisser nach oben. Das macht mehr als 20 Millionen Differenz aus. Für nächstes Jahr wird ein Verlust von 14,3 Millionen Franken erwartet. "Die Aussichten sind nicht rosig", sagt Germann. Das Spital Flawil wird nicht thematisiert.

Sennhauser: "Trotz der vielen Zahlen, die nun folgen, steht der Patient dahinter. Das ist das wichtigste. Es gilt, den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger sowie der Patienten gerecht werden. Dafür braucht es Personal."

So, es geht los. Verwaltungsratspräsident Felix Sennhauser erklärt das System der St. Galler Spitäler mit den vier Regionen St. Galler Kantonsspital, Spitalregion Fürstenland-Toggenburg, Spital Linth und Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland. Man versuche miteinander statt gegeneinander eine hohe Qualität sicherzustellen, sagt Sennhauser. Das Miteinander werden kulturell bereits stark gelebt.

Es ist davon auszugehen, dass heute rote Zahlen präsentiert werden. Der Regierungsrat hat für die SRFT einen Gesamtverlust von 6,7 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Stimmt das so? Wir sind gespannt.

Der Fokus in diesem Ticker wird auf die Spitäler Wil und Flawil gerichtet, da diese in unserer Region am meisten interessieren. Beide sind aber in Verbunde integriert, weshalb auch übergeordnete Zahlen von Bedeutung sind. Das Spital Wil gehört zum Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT), zu welchem auch Wattwil gehört. Im Toggenburg ist der Widerstand gegen die Schliessung am vehementesten. Das Spital Flawil gehört, zusammen mit jenem von Rorschach, zum Kantonsspital St. Gallen (KSSG). Auch der Flawiler Gemeinderat kämpft «mit aller Macht» gegen eine Schliessung. Er hat jedoch bereits einen Plan B in der Hinterhand. Eine private Spitalkette ist laut Gemeindepräsident Elmar Metzger bereit, das Flawiler Spital zu übernehmen.

Hallo Sankt Gallen, geschätzte Leserinnen und Leser von hallowil.ch. Oder besser gesagt: Hallo aus Sankt Gallen. Denn im Haus 11 des Kantonsspitals findet heute Vormittag die Pressekonferenz zu den Jahresabschlüssen 2018 der einzelnen Spitäler des Kantons statt. Simon Dudle tickert für Sie durch den Vormittag. Um 10.00 Uhr geht es los.

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Vorschau:

Die Zukunft der Spitäler wirft hohe Wellen. Während der Standort Wil gesichert scheint, droht Flawil die Schliessung. Dieses in Aussicht gestellte Szenario lockte vergangene Woche gut 800 Interessierte an einen Diskussionsanlass mit den Spital-Verantwortlichen. Das Problem sind die Finanzen. Doch wie gut oder schlecht geht es den beiden Spitälern der Region wirklich? Als an besagtem Bevölkerungsgespräch in Flawil nach dem Jahresabschluss 2018 gefragt wurde, verwies Verwaltungsratspräsident Felix Sennhauser auf eine Medienkonferenz, die am 1. März stattfindet. Laut einem Bericht der «Wiler Zeitung» rechnet der St. Galler Regierungsrat mit einem Defizit von 6,7 Millionen Franken für die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg im Jahr 2018. Zu dieser gehört das Wiler Spital, nicht aber jenes in Flawil.

Heute Freitag ist es also soweit und die Zahlen werden kommuniziert. hallowil.ch berichtet an dieser Stelle ab 10 Uhr mit einem Liveticker von der entsprechenden Medienkonferenz in St. Gallen und legt den Schwerpunkt auf die Spitäler Wil und Flawil.