Früher war ein Teil des Areals ein Weiher. Er diente der Stromgewinnung. In den 1930er- und 1940er-Jahren wurde er zugeschüttet. In den Kriegszeiten wurden auf dem Areal offenbar Kartoffeln angebaut und der Boden bearbeitet. Seit 1974 gehört das Gebiet der Gemeinde Uzwil. Damals wurden die Dorfkorporationen aufgelöst und ihre Aufgaben – und auch ihr Grundeigentum - der Gemeinde übertragen. „Hinweise auf Schadstoffe im Boden gab es nicht“, schreibt die Gemeinde Uzwil in einer Mitteilung.

Industrielles Erbe

Verschiedentlich stösst man in Uzwil bei Bauvorhaben auf frühindustrielle Spuren – ist doch die Gemeinde an der Uze seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Industriestandort. Die Schadstoffe gelangten in einer Zeit in den Boden, als Bodenschutz und Entsorgung nach heutigen Massstäben noch keine Themen waren. Deshalb untersucht die Gemeinde bei verschiedenen eigenen Bauvorhaben standardmässig den Untergrund. So auch den Untergrund des Spielplatzes an der Birkenstrasse.

Erste Untersuchungen im September zeigten örtlich starke Belastungen des Bodens, vor allem im Bereich des ehemaligen Weihers. Schadstoffe wie Chrom und Antimon schlummern im Boden. Die Schadstoffe müssen vor rund 80 Jahren in den Boden gelangt sein. „Bisher gab es keine Hinweise darauf. Das Areal war entsprechend auch nicht im Kataster der belasteten Standorte erfasst“, schreibt die Gemeinde.

Im Video: "Wenn man 100 Mal Erde isst, ist man stark belastet"

 

Starke Belastung, aber keine direkte Gefahr

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse nahm der Kanton die ehemalige Weiherfläche am 7. November provisorisch in den Kataster der belasteten Standorte auf, der definitive Eintrag ist für Ende Dezember vorgesehen. Fachleute sehen die Sache so: Es geht keine direkte Gefahr von den im Untergrund vorhandenen Schadstoffen aus. Es sind auch keine schädlichen oder lästigen Einwirkungen zu erwarten und weitere Massnahmen sind erst bei einem Bauvorhaben oder einer Nutzungsänderung nötig. Allfälliges bei der Erneuerung des Spielplatzes anfallendes Aushubmaterial muss gesetzeskonform entsorgt werden.

Wegen der hohen Belastungen im Untergrund und der Nutzung des Areals als Spielfläche für Kinder liess die Gemeinde zusätzlich die obersten Bodenschichten beproben. In einem ersten Schritt die obersten 15 Zentimeter, in einem zweiten Schritt die obersten fünf Zentimeter. Gerade die obersten fünf Zentimeter sind bei Flächen entscheidend, auf denen sich Kinder aufhalten. Beim Spielen nehmen sie manchmal Erde und damit auch Schadstoffe in den Mund. Die Probe-Ergebnisse liegen nun vor. Sie zeigen auf dem gesamten Areal unerwartet hohe Belastungen mit Chrom, Antimon und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Die Proben waren Grundlage, damit der Kanton eine Gefährdungsabschätzung vornehmen kann. Die Gemeinde hat den Spielplatz anfangs dieser Woche gesperrt und umzäunt. Was das für die Kinder, welche auf dem Spielplatz gespielt haben, bedeutet, erfahren Sie im obigen Video-Interview mit dem Uzwiler Veraltungsleiter Thomas Stricker.

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Am Montag wurde der Spielplatz an der Birkenstrasse umzäunt. (Bild: gk)


So geht es nun weiter

Mit der sofortigen Absperrung des Areals soll verhindert werden, dass sich Menschen und insbesondere Kleinkinder weiterhin einem Risiko aussetzen können. Eine brach liegende Fläche mitten im Zentrumsgebiet ist aber für die Gemeinde ein Dorn im Auge. In der nächsten Zeit gehts darum, im Dialog mit den Fachstellen des Kantons und dem beigezogenen Geologen zu beurteilen, wie es weitergeht. Es dürfte darauf hinauslaufen, dass im Rahmen der geplanten Erneuerung der Fläche zuerst die obersten rund 50 Zentimeter des gesamten Areals abgetragen, entsorgt und durch sauberen Boden ersetzt werden. Das wird kosten. Und es stellen sich viele Fragen. Etwa nach dem Verursacher und möglichen Mitfinanzierungen. Antworten gibt es noch nicht.

Klar ist, dass der Spielplatz ohnehin aufgewertet worden wäre. Denn im November 2018 gab die Bürgerschaft grünes Licht, die Erneuerung des Spielplatzes an der Birkenstrasse zu projektieren. An der Bürgerversammlung in knapp einem Jahr will sich der Gemeinderat den Kredit für die Sanierung geben lassen. Es soll eine Art Begegnungslandschaft entstehen. Die Ausführung dürfte im Jahr 2021 stattfinden. Bis dahin hat Uzwil nun einen eingezäunten und stark belasteten Spielplatz an der Birkenstrase. (gk/sdu)

Das meint hallowil.ch

 
"An einem neuralgischen Ort wie einem Kinderspielplatz hätte man früher hinschauen sollen", sagt hallowil.ch-Chefredaktor Simon Dudle in seinem Kommentar.