Sie habe sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Klimawandel beschäftigt, sagt Timea Leuch an ihrer Maturaarbeitspräsentation an der Kantonsschule Wil. Entsprechend «schlecht» sei ihr ökologisches Gewissen gewesen, als sie sich mit ihrer Familie im Jahr 2017 auf eine dreiwöchige Wohnmobilreise quer durch Kanada begab. Und das ungute Gefühl sei verstärkt worden, als sie nach der Rückkehr den persönlichen Co2-Ausstoss errechnete: «Ich kam auf 6373 Kilo und war geschockt», erinnert sich die Dussnangerin.

31mal weniger Co2 ausgestossen

Was also kann man tun, wenn man nicht aufs Reisen verzichten, jedoch ökologisch handeln möchte? Es klingt einfach – und ist es im Grund genommen auch. Denn «wenn man sich zuerst einmal überlegt, was das Ziel der Reise sein soll, dann kann man schon viel sparen, wenn man zur Entspannung im Jura Wellnessferien macht als auf die Malediven zu fliegen». Timea Leuch unterzog sich eines Selbstversuchs: «Ich plante für meine Maturaarbeit eine Reise, die mit einem Sechstel des CO2-Ausstosses der Kanadareise auskommen sollte.»

Wie es sich zeigte, brauchte dies zwar einiges an Planung, doch gelang dies am Ende mühelos. Mit Nachtzug, Velo und öV erkundeten sie und ihr Vater Wien, Bratislava und die Kleinen Karpaten. Hier zeigten sich die Unterschiede schnell: Während in Kanada das Wohnmobil der grösste «Klimasünder» war, waren es nun die Hotels. Allein der Umstand, dass sie für ihre Maturaarbeit mit dem Titel «Schlechtes Gewissen im Handgepäck» den Nachtzug nach Wien statt das Flugzeug nahmen, führte dazu, dass der Co2-Ausstoss für die Anreise 31 mal geringer als auf dem Luftweg.

Sie habe beide Reisen genossen. Doch während der Velotour habe sie gemerkt, dass weniger durchaus mehr sein könne. «Wenn man mit dem Velo alles abfährt, merkt man am Ende des Tages, was man selbst geleistet hat. Man nimmt alles viel intensiver wahr.» Dass sie die Reise nur 268 Kilo Co2 «gekostet» habe, und auch finanziell deutlich billiger war (85 gegen 200 Franken/Tag), freute sie ebenso.


«Man muss nur wollen»

Viel wichtiger sei aber ihre Erkenntnis gewesen, dass man nicht immer weit reisen müsse, um etwas zu erleben: «Wenn es das Ziel der Ferien ist, sportlich aktiv zu sein, kann man auch im Engadin statt in Kanada wandern gehen.» Ökologisches Reisen sei «absolut möglich, man muss nur wollen». Dass sie in Zukunft wieder einmal das Flugzeug nimmt, wenn sie das Fernweh packt, wollte Timea Leuch dennoch nicht ausschliessen. Tendenziell werde sie aber künftig «langsam reisen, mir Zeit nehmen und mir genau überlegen, wohin ich reisen möchte». Aufs Reisen will Timea Leuch, Klimawandel hin, ökologisches Gewissen her, aber mitnichten verzichten, denn «Reisen inspirieren uns».