Beim Jahrestreffen ehemaliger Bühler-Werkstattlehrlinge in Uzwil stand eine Führung durch die Dampflok-Werkstatt im Benningerareal im Mittelpunkt. Mittlerweile sind mehr als sechs Jahrzehnte vergangen seit dem Lehrbeginn von über 40 Schulabgängern, welche die Eintrittsprüfung bei der Firma Bühler Uzwil (GBU) bestanden. Sie absolvierten ihre Ausbildung als Maschinenschlosser, Mühlebauer, Werkzeugmacher, Dreher oder Fräser von 1957 bis 1961.

Viele dieser Berufsbezeichnungen kennt man heute nicht mehr. War im ersten Lehrjahr noch Franz Mächler Lehrlingsvater, so löste ihn nach seiner Pensionierung der ebenso legendäre Nachfolger Richard Weber ab. Viele erinnern sich noch heute an die ersten Wochen in der Lehrwerkstatt Abteilung 60. Die Umstellung vom eher geruhsamen Schulbetrieb zur strengen körperlichen Arbeit fiel nicht allen leicht.

Erinnerungen austauschen
Erst vor einigen Jahren kam der ehemalige Maschinenschlosser-Lehrling Ernst Grob auf die Idee, seine Kameraden aus der Lehrzeit bei GBU zu einem Stiftentreffen einzuladen. Dieses Vorhaben fand bei zahlreichen Ehemaligen guten Anklang, so dass es bereits bei der ersten Durchführung zu einer beachtlichen Beteiligung kam. Gaspard Widmer, Uzwil unterstützt den Initianten bei der Organisation der jährlichen Treffen tatkräftig.

Gemäss Ernst Grob ist ein Ziel der Zusammenkünfte, in geselligem Kreis Erinnerungen aufzufrischen. Ausserdem soll die Gelegenheit geboten werden, nach einem gemeinsamen Mittagessen ein Unternehmen in der Region kennen zu lernen. Ein erstes Treffen galt dem Besuch der ehemaligen Lehrfirma GBU, die sich mit markanten Veränderungen zu einem erfolgreichen Weltkonzern entwickelte. Dies beeindruckte vor allem jene Teilnehmer, welche nach der Lehrzeit den Arbeitgeber wechselten oder eine andere berufliche Laufbahn einschlugen. Weitere Exkursionen galten dem Tier-Gesundheits-Zentrum von Urs Bühler in Niederuzwil, dem Oberbürer Milchverarbeitungsunternehmen Züger und dem sehenswerten Rockmuseum in Niederbüren.

In Frondienst revidiert
Auch beim diesjährigen Treffen liessen sich rund 20 Teilnehmende zu Beginn im Hotel Uzwil kulinarisch verwöhnen. Der Initiant zeigte sich sehr erfreut über den Zusammenhalt der Ehemaligen. Bei einem Apéro fand ein erster Austausch statt, der beim Mittagessen angeregt fortgesetzt wurde. Am Nachmittag organisierte der Niederuzwiler Willi Rechsteiner einen rund zweistündigen Besuch der Dampflok-Werkstatt im Benningerareal.

Er selber ist Mitglied des freiwilligen Mitarbeiteams, das in Uzwil monatlich etwa sechs bis acht mehrstündige Frondiensteinsätze leistet. Werkstattchef Jakob Knöpfel übernahm die spannende Führung durch die Werkhalle, in der rund 30 Freiwillige seit Jahren mit der Totalrevision der alten Dampfloks beschäftigt sind. Er erzählte die abenteuerliche Geschichte der Lokomotiven, welche in erbärmlichem Zustand aus Vietnam in die Schweiz zurückgeholt wurden. Auch der Transport in Vietnam selber und auf dem Weg in die Schweiz sei ein grosses Abenteuer gewesen.

Vom Rost zum Schmuckstück
Jakob Knöpfel sagte, dass die Totalrevision der HG 4/4 Nr. 704 schon seit zwölf Jahren durchgeführt werde. Das Mitarbeiterteam umfasse in den Schweizer Werkstätten und im Furka-Bahnbetrieb gegen 700 Personen, davon etwa 30 in Uzwil. „Wir haben bei der Demontage total verrostete Loks angetroffen. Vieles ist in derart schlechtem Zustand gewesen, dass praktisch alles neu aufgebaut und mit eigens hergestellten Ersatzteilen auf Neuzustand gebracht werden musste“, gestand Knöpfel.

Das Team mit erfahrenen Fachleuten aus der Metallbranche habe viel Neues lernen können. Während die 704 demnächst für den Betrieb der Furka-Bergstrecke ausgeliefert werden kann, stehen von der zweiten Lok Nr. 708 die vorbereiteten Einzelteile zur Montage bereit. Beide Loks wurden in der SLM Winterthur 1924 und 1930 hergestellt. Nach der Elektrifizierung der Furkabahn und mit dem Bau des Basistunnels wurden sie seinerzeit nach Indochina (heute Vietnam) verkauft. Sie hätten die langjährigen Kriege im asiatischen Land überstanden, sagte der Werkstattchef.

Gute Besucherfrequenz
Robert Niedermann vom Frondienstteam kommentierte im Aufenthaltsraum der Werkstatt einen informativen Film über die Geschichte der Furka-Bergstrecke, die 1983 neu lanciert wurde. 2017 erfolgte die Gründung des Vereins Dampflokfreunde Furka-Bergstrecke nach Schweizer Recht. Er unterstützt die DFB beim Unterhalt und den Revisionen. Die Bergstrecke mit den nostalgischen Dampfzügen ist eine beliebte Touristenattraktion, die jährlich etwa 30‘000 bis 40‘000 Fahrgäste anzieht. Die Strecke von Realp bis Gletsch und Oberwald ist jedoch nur von Ende Juni bis anfangs Oktober offen. Die Fahrt dauert mit Zwischenhalten zur Wassernachfüllung zwischen zwei und zweieinhalb Stunden.

Die Dampflok-Werkstätte in Uzwil führt am 16. / 17. Juni 2018 Tage der offenen Tore mit interessantem Programm durch.