Selbstsorge und Burnout standen im Zentrum des Vortrages vom Psychologen Hans SchwerzmannFranz Schibli, Leiter Soziales der Kirchgemeinde begrüsste die Gäste im Pfarreizentrum. Er hatte den Referenten bei der Schliessung einer Institution und den damit zusammenhängenden Problemen kennen und schätzen gelernt. Wie umfassend das Thema ist, zeigte der Referent, der selbst einmal zu den Betroffenen gehörte, in seinen Ausführungen. Burnout trifft Menschen aus den verschiedensten Branchen und Altersklassen. In den letzten 12 Monaten waren 4,5% Männer und 6% Frauen von Depressionen betroffen. Erschreckend: die Weltgesundheitsorganisation WHO stellte 2014 fest, dass 27% der elfjährigen Kinder in der Schweiz unter Schlafproblemen leiden und 15 von ihnen das Gefühl der Niedergeschlagenheit nur allzu gut kennen. Depressive Verstimmungen werden häufiger.

Burnout
Ein sehr grosses Stressrisiko ist die Arbeit. Das bestätigt der Zwischenbericht einer Studie aus dem Staatssekretariat für Wirtschaft. «Es ist heute anspruchsvoller geworden, den ständig steigenden Anforderungen gerecht zu werden und sich dabei nicht in Atemlosigkeit zu verlieren», betonte der Referent. Burnout sei ein bildhafter Begriff für «Bremsmanöver» des ganzen Organismus bei totaler Erschöpfung, heute kein Tabuthema mehr und als Krankheit anerkannt, wie die Depression. Die wurde schon von Homer als urmenschliches Erlebnis beschrieben, persönlich und kulturell geprägt. Stress, ein Wort, das in aller Munde ist, könne auch sinnvoll sein, erklärte der Psychologe. Er helfe bei der Bewältigung von Situationen – dürfe allerdings nicht zum «Dauerbrenner» werden.

Sich Zeit nehmen……
…..und wer hat sie schon, wer kann sich das «leisten» in der Hektik des Alltags und den steigenden Anforderungen. Dazu kommt, dass man nicht auffällig oder durchschnittlich sein will. Es entsteht eine Abnahme des Selbstwertgefühls, des Vertrauens in sich selbst, was wiederum pessimistische Zukunftsperspektiven zur Folge hat. Aber Menschen brauchen dise Zeit,müssen sich «trauen», traurig zu sein und zu weinen, etwas anzunehmen und auszuharren, anders zu denken, auf ihren Körper zu hören und einen geregelten Lebensrhythmus zu finden.

Negativ- und Positivspirale
In der Negativspirale wird die Handlungshemmung wahrgenommen, die Belastung wächst, man schämt sich, handeln und Entscheidungen sind erschwert. Das Vertrauen schwindet, man grübelt, zieht sich zurück, fühlt sich krank. In der Positivspirale kann die Belastung als Herausforderung angenommen werden. Man erinnert sich an seine Fähigkeiten, geniesst Bewegung, Pausen, Freundschaften, den Tagesrhythmus. Das führt zu wachsendem Zutrauen, man nimmt sich selber und das Geschenk des Lebens wieder positiv wahrzunehmen.

Selbstsorge als LebenskunstS
Die Selbstsorge geht in zwei Richtungen. Einerseits Kompetenz im Umgang mit äusseren Anforderungen, andererseits aufmerksamer Umgang und Sensibilität für sich selber. Dazu gehören die Lebensbedingungen in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, das persönliche Umfeld, die aktuelle Situation und sowie Anlagen und Biografie der Menschen. Der individuelle Lebensstil hat sich weitgehend etabliert. Freiheit und Verantwortung sein Leben zu gestalten, sind gewachsen. Auch die, den eigenen Ressourcen Sorge zu tragen. Nicht immer perfekt sein, Gelassenheit üben, scheitern zulassen. Kleine Schritte führen zum Ziel. Für sich selber sorgen ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheit und des Wohlbefindens. Dazu gehört, die Ganzheit zu bewahren, aber auch ein Teil eines anderen Ganzen zu sein, Verbundenheit mit Menschen und Natur. Der Mensch soll sich immer wieder fragen: «Welche Möglichkeiten des Lebens gibt es, wo kann ich sie finden oder welche lassen sich er-finden».

Wie brennend aktuell das Thema ist, zeigte die engagierte Fragestunde. Hier beschäftigte vor allem die Frage: «Wie gehe ich mit Menschen um, bei denen ich Veränderungen feststelle.» Schwerzmann: «Unbedingt ansprechen, meist merken es die Betroffenen selber nicht oder wollen es nicht wahrhaben, keinesfalls aber eine Diagnose stellen, eher Hilfe anbieten».