Heute sind Bundesrätinnen, Regierungsrätinnen und Parlamentspräsidentinnen selbstverständlich. Eine Gesellschaft, in der Frauen nicht wählen und abstimmen und auch nicht für ein politisches Amt kandidieren durften, ist kaum mehr vorstellbar. Dazu, dass es soweit gekommen ist, trug die Wilerin Lotti Ruckstuhl-Talmessinger massgeblich bei. Sie war eine ausdauernde Kämpferin für das Frauenstimmrecht in der Schweiz.

Sie wuchs mit ihren Eltern in Südafrika auf. Dort erlebte sie, wie sich ihre Mutter für gerechte Löhne für Verkäuferinnen in einem Warenhaus engagierte und sich auch sonst für die Gleichstellung einsetzte. Das Vorbild ihrer Mutter war eine der Motivationen für den lebenslangen Einsatz von Lotti Ruckstuhl.

Rege Verbandtätigkeit
Sie kam 1901 in Ulm zur Welt. Ihre höhere Bildung holte sie sich in Zürich, wo sie an der Universität zur Dr. iur. promoviert wurde. 1933 erlangte sie zusätzlich das Anwaltspatent. Dass sie an ihrer ersten Stelle als Juristin erheblich geringere Aufstiegschancen und Gehaltsaussichten als ihre männlichen Kollegen hatte, motivierte sie zusätzlich für den Einsatz für die Sache der Frau.

Sie war in verschiedenen thematischen Gremien aktiv, etwa im Vorstand der `International Alliance of Women`, im `Schweizerischen Katholischen Frauenbund` sowie im `Schweizerischen Verband für das Frauenstimmrecht`, den sie präsidierte. Sie wirkte zudem in eidgenössischen Kommission mit. Ausserdem publizierte sie Bücher, Zeitungsartikel und gab Interviews zum Thema. Der Lohn für ihr Lebenswerk war nicht nur das Erreichen des Stimm- und Wahlrecht für Frauen in der Schweiz, sie wurde auch mit einem renommierten Preis ausgezeichnet. 1988 ist sie verstorben.