Yvonne Bommer: „Wenn ich zu Hause am Computer sitze, mache ich manchmal eine kurze Pause und gehe ein paar Schritte durch den Garten. Ich betrachte unterwegs die Sonnenblumen und freue mich über ihre prächtigen Blüten“. Mit diesem Beispiel illustriert sie, wie sie selber Achtsamkeit in ihren Alltag einbaut.

Adlerperspektive

Was aber ist Achtsamkeit genau, von der in letzter Zeit in den Medien so oft die Rede ist? „In unserem Alltag sind wir oft mit dem Autopiloten unterwegs, wir sind stets auf Leistung und auf Erreichen von Zielen eingestellt und wir stehen oft unter Anspannung. Achtsamkeit sind kleine Inseln im Alltag, in denen wir uns für ein paar Minuten aus dem aktuellen Geschehen herausnehmen.“

Durch einen bewussten Unterbruch des alltäglichen Tuns, könne die Sicht auf die Situationen verändert und erweitert werden. Es sei eine andere Art des Seins, in der man alles so annimmt, wie es im Moment gerade ist, ohne es zu bewerten. “Eine gute Möglichkeit ist, sich auf den Atemfluss zu fokussieren. Oder aus einer Adlerperspektive auf die aktuelle Situation zu blicken. Damit gewinnt man eine wohltuende innere Distanz.“

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Yvonne Bommer: "Es scheint, dass bei vielen Menschen die Balance zwischen Aktivität und Erholung nicht mehr stimmt."

Auch die Umgebung profitiert

Vor mehreren Jahren begann sich die Mutter von drei Kindern im Teenageralter selber regelmässig Auszeiten zu gönnen. „Ein mal im Monat zog ich mich an einen Ort der Stille zurück.“ Es waren prägende Erfahrungen: „Man geht anschliessend ganz anders an die Aufgaben des Alltags heran, wenn man sich etwa Zeit für sich selber genommen hat.“ Man spüre die eigenen Grenzen besser, man empfinde mehr Dankbarkeit und mehr Freude. „Es ist letztlich eine Win-Win-Situation für beide Seiten, für einem selber und für die Menschen, die mit einem zu tun haben.“

Achtsamkeit für unterschiedliche Menschen

Aus ihren positiven Erfahrungen reifte der Entschluss, Achtsamkeit selber zu unterrichten. 2015 schloss die 41-Jährige ihre Ausbildung als zertifizierte Lehrerin für MBSR sowie MBCT ab. Letztere Methode ist vor allem für Menschen geeignet, die zu zermürbendem Grübeln und zu Verstimmungen neigen.

Zwei Tage in der Woche unterrichtet die ausgebildete Primar- und Reallehrerin Achtsamkeit den Patienten einer Privatklinik im Kanton Zürich. Regelmässig leitet sie auch im Kloster Fischingen Kurse, unter anderem für Pädagogen und für Kaderpersonen aus der Wirtschaft.

Die Balance finden

Achtsamkeit scheint zu einem Modebegriff geworden zu sein. Auch Yvonne Bommer fällt dieser Hype auf: “Grundsätzlich ist nicht schlechtes daran, wenn die Menschen besser auf sich hören lernen, um sich so weniger zu überfordern. Auch gegen die Leistungsgellschaft ist wenig einzuwenden, es scheint aber, dass bei vielen Menschen die Balance zwischen Aktivität und Erholung nicht mehr stimmt. Achtsamkeit kann ihnen helfen, sich von ihren Pendenzenlisten nicht völlig völlig vereinnahmen zu lassen.“ Yvonne Bommer rät, bei einem Besuch eines Achtsamkeits-Kurses darauf zu achten, dass die Leistungsperson eine qualifizierte Ausbildung besitzt.