Der Getreidesilo beim Bahnhof Wil ist eines der Wahrzeichen der Stadt. «Das zweitwichtigste hinter dem Hof und vor dem Aussichtsturm», sagt Jürg Tanner, Geschäftsführer der Silo AG Wil. Das Wahrzeichen sieht nun wieder so aus wie vor 60 Jahren – und dies gewollt. Noch im Frühjahr 2018 waren die Fassaden sichtbar verwittert. «Bei näherer Betrachtung wiesen sie auch verschiedene Schadenstellen auf», sagt Tanner. Dies verwundert nicht, wurde der Silo seit der Errichtung im Jahr 1958 noch nie komplett saniert. 

Im April starteten die Arbeiten, welche von der spezialisierten Hamburger Firma H. Uhr AG mit Niederlassung in Olten ausgeführt wurden. Zuerst war die Fassade einer Hochdruckreinigung zu unterziehen, ehe eine Grundierung folgte und schliesslich mehrere Tonnen der neuen Farbe aufgetragen wurden. Dies geschah teilweise in schwindelerregender Höhe, ist der Silo doch ganze 62 Meter hoch. «Es hat alles reibungslos geklappt und der Zeitplan konnte eingehalten werden», sagt Tanner rückblickend. Dies war auch der anhaltenden Schönwetterperiode zu verdanken. Denn das Anstreichen konnte nur bei trockener Witterung erfolgen. Die Arbeiten verliefen somit reibungsloser als jene bei der Errichtung des Silos, als in einer späten Phase der Arbeiten ein Todesfall zu beklagen gewesen war.

Bronschhofer Schnecke auf dem Silodach
Farblich wurden keine Experimente gewagt und der Zustand von anno dazumal ist wiederhergestellt worden. Dies mit gutem Grund: «Hätten wir eine andere Farbe gewählt, wäre ein Baugesuch nötig geworden. Es hätte womöglich Einsprachen und Verzögerungen gegeben», begründet Tanner. «Wir wollten wieder schön machen, was mal schön war.» Die Arbeiten beschränkten sich nicht nur auf die farbliche Anpassung. Sämtliche Betonfassaden des so genannten Altsilos wurden saniert. Auch der unmittelbar danebenstehende Neusilo, der im Jahr 1977 fertiggestellt worden war, erfuhr eine Aufwertung. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich gesamthaft auf rund 860'000 Franken. Dies ist ein ansehnlicher Betrag für ein Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von knapp 1,5 Millionen Franken.

Post inside
Blick vom Silodach Richtung Äbtestadt.

Auf dem Dach flattert seit dieser Woche eine 16 Quadratmeter grosse Wiler Fahne. Es ist ein Geschenk von Unternehmer Harald Uhr von der ausführenden Firma. Nachdem früher einst eine alte Wiler Fahne das Dach geziert hatte, ist nun erstmals auch die Schnecke Bronschhofens zu sehen. Das Wiler Wappen wird nun im Wechsel mit der Schweizer Fahne gehisst. «Wir wollen Flagge zeigen und der Stadt Wil das frisch renovierte Wahrzeichen zurückgeben. Es ist nun wieder für alle sichtbar, woher der Wind weht», sagt Tanner.

Post inside
Geschäftsführer Jürg Tanner vor der 16 Quadratmeter grossen neuen Wiler Fahne.

Viel Import-Getreide
Im Wiler Silo wird fast ausschliesslich Getreide gelagert – und zwar in einem Warenwert von rund 15 Millionen Franken. Aktuell ist die Nachfrage grösser als das Platzangebot und Tanner musste in den vergangenen Wochen auch Aufträge ablehnen. Rund 50'000 Tonnen Getreide wird pro Jahr in den 226 unterschiedlich grossen Silo-Lagerzellen umgeschlagen. 80 Prozent wird via Strasse angeliefert, 20 Prozent per Bahn. Rund vier Fünftel der Gesamtmenge wird aus dem Ausland importiert und nach der Lagerung an Futter- und Mehlmühlen in der Schweiz verteilt.