Die Schweizer Gemeinden werden weiterwachsen. Es stelle sich nur die Frage: sollen die Orte die Veränderungen durch das Wachstum längerfristig planen, und somit den Charakter des Dorfkerns und der Quartiere. In einem Pilotprojekt erstellte die Gemeinde Sirnach einen solchen Masterplan mit Unterstützung des Architekturbüros Staufer & Hasler Architekten AG. In dem Masterplan würden die Regeln definiert, wie sich die Gemeinde und ihre Baugebiete weiterentwickeln soll, unter anderem vor dem Hintergrund der Innenverdichtung und Innenentwicklung, sagt der Sirnacher Gemeindepräsident Kurt Baumann.

Gemeinde soll nicht planlos wachsen
Die Frage für die Zukunft laute: wo und wie soll die Gemeinde wachsen, dass es verträglich ist. «Es soll kein planloses Wachsen geben», meint Baumann, was das Dorfbild in eine nicht gewünschte Richtung entwickle. Im Rahmen des kantonalen Richtplans prognostizierte das Wachstumsszenario für Sirnach im Jahr 2030 eine Einwohnerzahl von 8000 Personen. In 2018 liegt die Sirnacher Bevölkerungszahl bereits bei 7700. Die Kapazitätsgrenze läge bei ca. 9000 Einwohnern.

Eingestuft als Gemeinde im urbanen Raum und zur Agglomeration Wil gehörend, verfüge Sirnach über Richtplangebiete, die nach kantonalen Regeln einzonbar wären. Anderseits verfügten die Gemeinden, so auch Sirnach, über ein riesiges Potential zur Innenentwicklung. So könne der Masterplan die Innenverdichtung fördern, ohne das Ortswachstum zu begrenzen. «Der Masterplan begleitet das Wachstum der Gemeinde», so Baumann. Für die alle 15 Jahre durchzuführende Ortsplanrevision biete der Masterplan die Grundlage.

Wenn die Gemeinde wächst, müsst ihr wissen wie
„Wir haben uns die einzelnen Quartiere angeschaut», sagt Thomas Hasler, Architekturbüro Staufer & Hasler Architekten AG. Jedes Gebiet sei analysiert worden hinsichtlich der Stärken und Schwächen. Die einzelnen Quartiere wiesen unterschiedliche Strukturen und Lebensqualitäten auf, sowohl sozial als auch baulich. Als Beispiel sei in einem Einfamilienhausgebiet am Sonntag kein Mensch auf der Strasse zu sehen gewesen.

Eine Altersdurchmischung könne starre soziale Strukturen auflockern und das Quartier aufwerten. Zum Masterplan gehöre auch der soziale Aspekt. Die Entwicklungsszenarien müssten die gesellschaftlichen Tendenzen einbeziehen und die künftigen Formen des Zusammenlebens, so Hasler. Ein offenes Baureglement solle individuelle Bauformen ermöglichen, zum Beispiel mehr Reihenhäuser auf kleineren Parzellen.

Quartiercharakter positiv entwickeln
Als spannendes Gebiet mit Potential sei die 'Breiti' identifiziert worden mit den alten Wohnhäusern aus der Weberzeit. Im Masterplan mit dem Beinamen 'Village' versehen, wurde die aus der kantonalen Planung herausgenommene Durchgangsstrasse ausschliesslich für den Langsamverkehr konzipiert. Dies ermögliche eine andere Ausrichtung und Gestaltung der Gebäude bei Erweiterungs- und Neubauten.

Der Charakter des Quartiers könne sich positiv entwickeln, mit mehr Leben auf der Strasse. Für jedes Ortsgebiet wurden machbare Entwicklungsszenarien erarbeitet, im Masterplan zusammengefasst und dokumentiert. «Es handelt sich um eine Angebotsplanung, die eine Grundordnung anbietet», erläutert Hasler.

Freies Land erhalten, Zersiedelung einschränken
Das Departement Bauen und Umwelt (DBU) will das Masterplan-Pilotprojekt am 15. November den Thurgauer Gemeinden vorstellen. Durch geplantes Wachstum soll freies Land erhalten werden, die Zersiedelung eingeschränkt und die Innenentwicklung der Gemeinden gefördert werden, sagt Marco Sacchetti, Generalsekretär des DBU.

Die Kosten des Pilotprojekts wurden je zur Hälfte vom Kanton und der Gemeinde Sirnach getragen. Der Masterplan solle Behörden-verbindlich sein, jedoch nicht Grundeigentümer-verbindlich, so Gemeindepräsident Baumann.