Wie geht es dir aktuell?

Mir geht es im Moment sehr gut. Nach einer weiteren Operation aufgrund einer Entfernung eines Teils des Meniskus vom 10. März bin ich schmerzfrei unterwegs, worüber ich sehr froh bin.

Wie geht es dir nach dem erneuten Kreuzbandriss, den du am 17. Dezember in Veysonnaz erlitten hast?

Einwandfrei. Ich musste mir eingestehen, dass es jetzt noch mehr Geduld und Zeit braucht als sonst. Darum kann ich diese Verletzung leider kaum mit meinen zwei früheren Verletzungen vergleichen, da jetzt alles viel länger geht.

Drei Kreuzbandrisse in der Vergangenheit. Wie verkraftet eine junge Sportlerin solche Rückschläge?

Klar, es ist nicht einfach, drei Kreuzbandrisse noch vor dem 20. Lebensjahr zu erleiden, aber es wird wieder heilen und ich weiss, eines Tages werde ich wieder am Start stehen dürfen und für all das bin ich sehr dankbar, denn es gibt immer Schlimmeres. Ausserdem schaue ich zu Spitzenathleten auf und sehe, dass es viele gibt, die es ebenfalls mit drei oder gar vier Kreuzbandrissen an die Weltspitze geschafft haben. Das gibt mir extrem Mut und Hoffnung.

Wie läuft die Therapie, kannst du schon trainieren?

Bis vor meinem zweiten Eingriff konnte ich mein Training wieder mit einbeinigen Übungen gestalten. Solange mein Knie nicht angeschwollen war, konnte ich auch immer wieder meinen Oberkörper und Rumpf trainieren.

Wann stehst du wieder auf dem Ski?

Genau weiss ich das noch nicht. Je nachdem wie sich mein Aufbau entwickelt, wird es wahrscheinlich schon Oktober werden. Ich gebe mir und meinem Knie sicher viel Zeit und werde erst wieder auf den Skiern stehen, wenn ich mich völlig bereit fühle.

Du bist als Draufgängerin bekannt. Bist du das entlang deiner Karriere geworden, oder warst du das schon immer?

Nein, ich bin schon immer ‚All-in‘ gegangen. Halbe Sachen gibt’s bei mir nicht. Denn mit halben Sachen gewinnt man keine Weltcup Rennen. Jedoch bin ich dadurch auch schon oft auf die Nase gefallen.

Wie alt warst du, als du zum ersten Mal auf den Ski standest?

Das erste Mal auf den Skiern stand ich mit zwei Jahren. Das erste Kinderrennen bestritt ich mit drei Jahren.

Was waren bis dato deine Karrierenhöhepunkte?

Ich durfte bei einigen sehr gut besetzten FIS Rennen Siege feiern. An meinen ersten Europacup Rennen 2019 in Schweden konnte ich bereits in die Punkte fahren (Red. 25. und 28. Rang). Ausserdem durfte ich in meiner Jugend viele internationale Erfolge sowie auch mehrere Schweizermeistertitel feiern.

Was ist dein nächstes Ziel?

Ich möchte meinem Knie die Zeit geben, die es braucht, und Schritt für Schritt nehmen. Meine Stöcke und die Schiene sind im Moment noch meine täglichen Begleiter, worüber ich dann sehr froh bin, wenn ich diese endlich weglegen darf. Danach freue ich mich sehr auf meinen Trainingsalltag und weiterhin stetige Fortschritte.

Was ist dein langfristiges Ziel?

Das ist ganz klar: Weltcup Rennen und somit eine Kristallkugel zu gewinnen. Ausserdem würde ich mich sehr geehrt fühlen, wenn ich eines Tages die Schweiz an Grossanlässen auf dem obersten Treppchen vertreten dürfte.

Wer ist dein (sportliches) Vorbild? Und warum?

Ich habe zwei Vorbilder. Zum einen Marcel Hirscher. Mich fasziniert seine enorme Professionalität in jeder Hinsicht. Er war so konstant schon fast wie eine Maschine. Und ich mochte einfach seinen Fahrstil; er fuhr immer abgeklärt, wusste bei jedem Schwung, was er genau machen muss, wann er mehr Risiko eingehen kann und wann er mit Köpfchen fahren muss. Zum anderen ist dies Lindsey Vonn. Sie hat so viele Verletzungen erleiden müssen und war trotzdem eine der erfolgreichsten Skirennfahrerinnen aller Zeiten.

In einer Skisaison bist du viele Monate unterwegs. Kein Heimweh in dieser Zeit?

Nein, überhaupt nicht. Ich geniesse es richtig, viel unterwegs zu sein. Am Abend noch mit meinem Team am Tisch zu sitzen und Karten zu spielen oder über etliche Dinge zu sprechen. In unserem Beruf ist es von Vorteil, wenn es einem so geht wie mir, denn das ist etwas, was niemand ändern kann.

Hast du einen/zwei Lieblings-Skiort/e?

Nein, nicht wirklich. Ich geniesse das Skifahren, egal wo ich bin. Die Hauptsache ist, dass ich am Morgen in der Früh oben am Berg stehe und meine Schwünge in den Schnee zaubern darf. Für mich gibt es nichts Schöneres als dieses Gefühl.

Erfährst du genug Unterstützung seitens Familie? Begleiten sie dich an deine Rennen?

Ja, meine Familie unterstützt mich wo sie kann. Früher waren sie auch an jedem Rennen anwesend, nun aber kommen sie jeweils an die Rennen, die in der Nähe sind. Besonders jetzt bei einer Verletzung bin ich extrem dankbar, dass sie in jeder Situation hinter mir stehen.

Und die Unterstützung des Schweizerischen Skiverbands «Swiss Ski» ist gut genug?

Ja, seitens Swiss-Ski werde ich ebenfalls sehr unterstützt.

Krafttraining, Ausdauertraining oder trainieren auf Schnee, was machst du am liebsten?

Ganz klar das Training auf dem Schnee, weil es für mich überhaupt einfach das Allerschönste ist und ich es über alles stelle und einfach nur liebe. Früher war das Konditionstraining mehr ein Muss, aber jetzt macht es mir ebenfalls sehr grosse Freude, sei es ein Intervall- oder ein Krafttraining. Ich trainiere bei der Sportlerschule Appenzellerland in Teufen. Es gefällt mir dort, die ganze Infrastruktur und die kompetenten Fachleute sind für mich top. Deshalb freue ich mich auf jedes einzelne Konditionstraining sehr. Intensives und produktives Konditionstraining im Sommer legen die Grundsteine für den späteren Erfolg im Winter.

Wie ist die Stimmung untereinander in euren C- und B-Kadern?

Die zwei Jahre, die ich im C-Kader bin, hatten wir ein sehr cooles Team. Der Zusammenhalt war enorm bei uns. Wir haben uns gegenseitig unterstützt und gepusht, sei es im Kondi oder auch im Skitraining. Ja, es ist ein Einzelsport, aber dadurch, dass wir das ganze Jahr miteinander auf Touren sind, wächst man sehr zusammen und man fühlt sich wie in einer Familie. Auch mit dem Staff herrscht ein sehr enges Verhältnis. Ich schätze es sehr, so ein super Team zu haben, und weiss, dass das auf keinen Fall selbstverständlich ist.

Die Serie «Morgen sind wir Champions» – Ski alpin wird ab Mittwoch, 17. März 2021, um 12.35 Uhr auf SRF zwei ausgestrahlt. Die Folge mit Aline Höpli wird auf SRF zwei am Freitag, 19. März 2021, um 11.20 Uhr zu sehen sein.

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Aline Höpli

20 Jahre

Egg-Flawil

Bruder Remo 24 Jahre, Schwester Michèle 25 Jahre

Eltern: Jeannette und Thomas

Schulischer Werdegang

3 Jahre Sekundarschule Blumenau St. Gallen

4 Jahre Sportberufsschule United school of sports

davon 2 Jahre Praktikum Gemeinde Flawil

Hobbys

Viel Zeit bleibt für Hobbys nicht, aber wenn ich mal einen Tag frei habe, gehe ich sehr gerne shoppen oder treffe mich mit Freunden. Ausserdem widme ich mich dann auch gerne anderen Sportarten, wie dem Fussballspielen.