Eine nach Osten ausgerichtete Windrose ist das Markenzeichen des Vereins «Share@Lab», der in der Ostschweiz einen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit und für flexible Rollenbilder leisten möchte. Kulturhistorisch wird der Osten mit dem Sonnenaufgang assoziiert. «Vier unterschiedliche Frauen wurden am 3. Februar zum Feierabendgespräch eingeladen», berichtet der Verein in einer Medienmitteilung von seinem fünften Anlass. Den Abend moderierte Simone Hengartner Thurnheer. 

Eigentlich dürfte der Tütenhüter, ein elegant designter Küchengegenstand ganz «made in Switzerland», in keinem Küchengestell mehr fehlen. Von Sandra Gschwend durften die rund 30 Zuhörer erfahren, wie spontane Entscheidungen ihr Leben geprägt und auch zur Gründung dieses Startups zusammen mit einem ihr vorerst unbekannten Partner geführt haben. Sich als Opfer bestimmter Umstände zu erfahren, liegt ihr nicht. Mit ihrer Art aus schwierigen Situationen einen Nutzen für ihre persönliche Entwicklung zu ziehen, darf sie sich als Inspirationsquelle für andere Menschen schätzen.

Vom Handball bis zur Hypnose

Nur wenige Frauen setzen sich bereits mit 35 Jahren mit der Frage nach dem «Leben danach» auseinander. Ihre erste Karriere als Profi-Handballerin endete für Karin Weigelt jedoch bereits. «Goht nöd gits nöd, ussert es goht würkli nöd» – so würde sie den Titel ihrer eigenen Autobiografie wählen. Nachdem sie in Norwegen eine nahezu volle Gleichberechtigung der Geschlechter erleben durfte, nimmt sie die Schweiz nun unter anderem auch diesbezüglich durch eine objektivere Brille wahr. Ihre Erfahrung aus dem internationalen Spitzensport möchte sie nun sowohl in zahlreichen Projekten des eigenen Unternehmens sowie auch in der Politik einbringen. «Sie wünscht sich, dass Frauen und Mädchen mehr Mut zeigen und selbstbewusster auftreten», wird in der Mitteilung weiter berichtet. 

In zehn Jahren sieht sich Barbara Reut Schatzmann über die Weltmeere segeln. Bereits heute hält sie sich gerne auf dem Wasser auf, um neue Energie für ihre Tätigkeit als Fachärztin für Anästhesiologie, Notärztin und ihr Wirken in der eigenen Praxis für Hypnose und Schmerztherapie zu tanken. Ehrenamtlich setzt sie sich zudem mit der Stiftung Faaba im Norden von Benin für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Bildungschancen – insobesondere von Mädchen und jungen Frauen – ein. «Die Fähigkeit zur Selbsthypnose nutzt sie seit frühester Kindheit, um sich mit Hilfe ihrer Fantasie einen eigenen Raum zur Entspannung zu kreieren», informiert der Verein «Share@Lab». Die Teilnehmer durften sogleich in den Genuss einer kurzen Meditationsanleitung kommen.

Der 24-Stunden-Job

«Ich bin in dieser Runde die Mutter», stellte sich Doris Dürlewanger in einer ersten Vorstellungsrunde schmunzelnd vor. Wie auch bei den anderen Gästen ist dies nur eine und doch wohl prägendste von vielen Rollen. «Ihre vier Töchter haben sie gelehrt, hinderliche Perfektionsansprüche abzulegen, sowohl im intensiven Erziehungsalltag wie auch in ihrem Beruf als Primarlehrerin, den sie in Teilzeit weiterhin ausübt», so der Verein über die vierte Podiums-Kandidatin. Selbst als jüngste von acht Kindern auf einem Bauernhof aufgewachsen, ist ihr bewusst, dass der Alltag als Erziehungsverantwortliche ein grosses Mass an Vertrauen in die Entwicklung und die Kompetenzen ihrer Kinder voraussetzt um die eigenen Kraftreserven in diesem 24-Stunden-Job nicht zu erschöpfen.

Unter den Teilnehmenden nutzte auch ein Vater einer Tochter die anschliessende Fragerunde, um zu erfahren, wie die vier Frauen die Rolle ihres Vaters in ihrem Leben einschätzen. Über solche und ähnliche Fragen wurde auch diesmal beim anschliessenden Apéro ausgedehnt philosophiert.

Nächster Anlass des Vereins «Share @Lab» ist eine Weiterbildungsveranstaltung mit Gabriela Medici und findet am 12. Mai um 19 Uhr im Hof zu Wil statt. Das Thema:  finanziellen Vorsorgemöglichkeiten für Frauen.