Der sonnige Hang über dem Dorf Zuzwil und unterhalb des Leubergs wird seit Jahren immer stärker überbaut. Die Erschliessungsstrassen sind zum Teil nach Bedarf verlängert worden, so dass heute ein beachtlicher Teil der Zuzwiler Bevölkerung «sonnenhalb» wohnt. Eine zentrale Strasse in diesem Gebiet ist die Sonnenbergstrasse. Sie verlässt die Zuckenrieterstrasse östlich des Dorfes und steigt schräg den Hang empor. Als waagrechte Erschliessungsstrassen zweigen von ihr nach Osten die Haldenstrasse und nach Westen die Rosenstrasse, die Rebenstrasse, die Säntisstrasse und die Alpsteinstrasse ab. Die nicht sehr grosszügig dimensionierte Sonnenbergstrasse muss also auch den Verkehr aus diesen Erschliessungsstrassen bewältigen.

Verkehrsmässige Einschränkungen bestehen nicht. Es darf demzufolge, wo das möglich ist, mit der Innerorts-Geschwindigkeit von 50 km/h gefahren werden. Eine Tafel am Beginn der Sonnenbergstrasse markiert, dass es sich um eine Sackgasse handelt. Als Zusatz steht unter dem Schild: «Kinder! Bitte langsam».

Diskussionsmöglichkeit vermisst

Hans Geissbühler, seit Jahrzehnten Anwohner an der Sonnenbergstrasse, ist enttäuscht. Seit neun Monaten sei er intensiv an der Arbeit und setze sich für die Beschränkung auf 30 km/h an der Sonnenbergestrasse ein. Die entsprechenden schriftlichen Unterlagen füllten bereits zwei Ordner. An der Bürgerversammlung wollte er seinem Anliegen zum Durchbruch verhelfen. Dort hätte der Vorschlag diskutiert werden können. Weil die Bürgerversammlung pandemiebedingt abgesagt worden ist, hofft er nun, mit einem offenen Brief an den Gemeinderat sein Ziel zu erreichen.


«Prädestiniert für 30-Kilometer-Zone»

Seitens der Polizei sei ihm versichert worden, die Sonnenbergstrasse sei für eine 30-Kiliometer-Zone prädestiniert. Hans Geissbühler sucht deshalb jetzt Unterstützung bei den Ortsparteien, den öffentlichen Korporationen der Gemeinde und den lokalen Medien. Alle hat er mit eingeschriebenem Brief aufgefordert, sein Begehren zu unterstützen. Dabei führt er als wichtigste Argumente die Dimensionierung und die Steilheit der Strasse an. Die Strasse verfügt nur auf der Bergseite über ein Trottoir. Bei Schnee blieben bergauf fahrende Autos oft stecken. Velofahrende Schüler benützten bergauf die ganze Fahrbahnbreite. Abwärts dagegen würden sie ohne Probleme Geschwindigkeiten von 40 oder mehr Stundenkilometern erreichen. Autofahrer hielten sich nicht an die Innerortsgeschwindigkeit. Dies sei umso gefährlicher, weil für Abwärtsfahrende die vier von rechts einbiegenden Strassen vortrittsberechtig seien.


Als Gefahrenherde bezeichnet Hans Geissbühler auch den Kinderspielplatz bei der Einbiegung der Säntisstrasse, weil manche Kinder hier die Sonnenbergstrasse überqueren müssten. Bei der gleichen Einbiegung ist ein Unterflurbehälter platziert worden. Wer seinen Kehricht mit dem Auto bringe, müsse entweder verbotenerweise auf dem Trottoir oder korrekt auf der Strasse anhalten und werde so oder so zu einem Verkehrshindernis.

Projektteam gefordert

Die Lösung, welche Hans Geissbühler nun fordert, hat er bei der Bewältigung des örtlichen Hochwasserschutzes abgeschaut. Der dortige Weg müsse auch bei der Sonnenbergstrasse eingeschlagen werden. Demzufolge brauche es ein Projektteam, eine Begleitgruppe und ausserkantonale Gutachter.

Ganz andere Ausgangslage

Gemeindepräsident Roland Hardegger betont als erstes, dass Hans Geissbühler selbstverständlich eine Antwort auf seine Petition – welche ohne Unterschriften eingereicht worden sei – und den offenen Brief erhalten werde. Der Gemeindepräsident spricht Geissbühler das Recht nicht ab, sich für sein Anliegen einzusetzen. Er kann darin aber keine konzertierte Aktion aus der Bürgerschaft erkennen. Ein Vergleich zum Hochwasserschutzprojekt lasse sich nicht ziehen. Die Ausgangslage sei komplett anders. Zu einem Verkehrsberuhigungsprojekt der Sonnenbergstrasse lägen weder ein Antrag, noch ein Projekt, noch eine Volksabstimmung vor. Dass die Gemeindeversammlung nicht durchgeführt werden konnte, bedauert auch Hardegger. Aber selbst wenn dort eine Diskussion geführt worden wäre, hätte dem Gemeinderat lediglich der Auftrag erteilt werden können, sich mit dem Problem zu befassen und später einen Antrag zu unterbreiten. Und dieses Ansinnen hätte in der Versammlung zudem eine Mehrheit finden müssen.

Der Gemeinderat habe die Situation mit der Polizei schon früher erörtert und auch eine Verkehrszählung angeordnet, sagt Hardegger. Da es sich auch bei den Zubringerstrassen zur Sonnenbergstrasse um Sackgassen handle, gebe es nur Zu- und Wegbringerverkehr, aber keinen Durchgangsverkehr. Schnellfahrer wären deshalb in der Mehrzahl Quartierbewohner.

2025 wird die Sonnenbergstrasse saniert. Vorgängig werde geprüft – so Roland Hardegger – ob und allenfalls welche verkehrsberuhigenden Massnahmen umzusetzen seien.

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Kartenausschnitt aus dem östlichen Siedlungsgebiet Zuzwils.