Es war auf dem Ifang die Final-Neuauflage des Bazenheider-Cups zwischen dem FC Bazenheid und dem FC Wil U20. Ganze sieben «Buden» mussten die Wiler anfangs August bei der 1:7-Niederlage einstecken. Damals sagte der neue Bazenheider Sportchef, Dejan Baumann, dass das Resultat gefährlich hoch ausgefallen sei. Er ahnte wohl schon, dass sich ein ähnliches Schützenfest in der Meisterschaft nicht wiederholen würde. Es war das erste Pflichtspiel für Cheftrainer Raffael Spescha. Seit Ende Februar ist er im Amt, aber aufgrund der Absage der Meisterschafts-Rückrunde in den Amateur-Ligen bisher ohne Ernstkampf geblieben. «Ich bin mit einer positiven Anspannung ins Spiel gegangen und froh, dass nun wieder Fussball gespielt wird», sagte Spescha hinterher.

Spescha sah ein hitziges Derby, in dem sich beide Mannschaften nichts schenkten. Man merkte, dass die Spieler heiss darauf waren, den Meisterschaftsbetrieb endlich wieder aufzunehmen. Der FC Bazenheid startete besser in die Partie und ging nach gut einer Viertelstunde durch einen Distanzschuss von Elvis Musaj in Führung. Später fand sich auch der Wiler Nachwuchs besser zurecht und war nach dem Seitenwechsel mehrheitlich spielbestimmend. So war es keine Überraschung, als Luan Abazi Mitte zweiter Hälfte den Ausgleich erzielte. Beide Teams dürfen sich bei ihren Torhütern bedanken, dass es einen Punkt gab. Michael Gähwiler im Kasten der Bazenheider und Wils Keeper Yuri-Gino Klein vereitelten teilweise mirakulös gegnerische Grosschancen. Spescha sagte: «In den letzten Minuten gab es eigentlich kein Mittelfeld mehr. Beide Teams spielten voll auf Sieg.»

Im Video: Das sagen die beiden Trainer

 

Kein Treffer statt Hattrick

Bis zuletzt auf Sieg spielte auch der FC Uzwil. Er musste sich aber, wie Bazenheid und Wil, mit einem 1:1 begnügen. Gegen Seuzach, das im vergangenen Winter bei Saisonabbruch auf Platz zwei gestanden war, ist dies ein durchaus akzeptables Resultat – zumal die Uzwiler zehn Minuten vor Schluss in Rückstand gerieten und erst kurz vor Schluss durch Orcun Cengiz nach einem Corner zum Ausgleich kamen. Trotzdem wäre mehr möglich gewesen. Denn die Gastgeber erspielten sich, wie schon eine Woche zuvor bei der 1:2-Niederlage in der Cup-Qualifikation gegen Freienbach, diverse hochkarätige Chancen. Wie schon gegen die Schwyzer wurde auch dieses Mal im Abschluss gesündigt. Dies zählte vor allem für den zur Pause eingewechselten Dario Koller, der gut und gerne einen Hattrick hätte erzielen können. Er blieb aber ohne Torerfolg.

Nachdem die erste Halbzeit und auch weite Teile der zweiten Hälfte arm an Ereignissen und ziemlich kampfbetont gewesen waren, stieg der Unterhaltungswert in der Schlussphase merklich an. Nachdem die Gastgeber überraschend in Rückstand geraten waren, legten sie mindestens zwei Schippen obendrauf. In der sechsminütigen Nachspielzeit waren die Uzwiler gar dem Siegtreffer nahe. So gab es aber auch im zweiten Pflichtspiel unter Trainer-Sportchef Armando Müller keinen Sieg.

Im Video: Armando Müller nicht wirklich zufrieden mit dem Punkt

 

Resultate, 2. Liga interregional, Gruppe 6, 1. Runde:
Bazenheid – Wil U20 1:1
Uzwil – Seuzach 1:1
Rüti - Calcio Kreuzlingen 1:1
Chur – Widnau 2:0
Weesen – Bassersdorf 1:0
Amriswil – United Zürich 3:0

Nächste Spiele (2. Runde)
Samstag, 29. August: Wil U20 – Chur (16.00 Uhr), United Zürich – Uzwil (16.00 Uhr), Kreuzlingen – Amriswil (16.30 Uhr), Seuzach – Weesen (17.00 Uhr).
Sonntag, 30. August: Widnau – Rüti (14.00 Uhr), Bassersdorf – Bazenheid (16.00 Uhr).

2. Liga regional: Ein Doppelschlag für drei Punkte

In der 2. Liga regional holte der SC Bronschhofen im dritten Pflichtspiel den dritten Sieg. Nach zwei Erfolgen in der Cup-Qualifikation gab es beim Meisterschaftsstart einen 2:1-Heimsieg gegen das älteste Nachwuchsteam von Rapperswil-Jona. Die Entscheidung brachte ein Doppelschlag nach rund einer Stunde, als Andi Qerfozi und Raphael Schwager binnen fünf Minuten aus einem 0:0 ein 2:0 machten und die Weichen auf Sieg stellten. Doch die Gäste kamen in der Schlussphase noch einmal heran. Die Punkte blieben aber auf dem Ebnet.

Die zweite Niederlage im zweiten Pflichtspiel setzte es für den FC Sirnach ab. Nach der Forfait-Pleite im Cup gegen den 4.-Liga-Klub Berg gab es nun eine 1:3-Heimniederlage gegen den FC Frauenfeld. Zwar konnte Simone Ciraci die Frauenfelder Pausenführung nach gut einer Stunde egalisieren. Doch die Gäste holten mit zwei Treffern in der Schlussviertelstunde die drei Punkte in die Kantonshauptstadt.

Ebenfalls keine Zähler im ersten Pflichtspiel der neuen Saison gab es für das Serben-Team des FC Uzwil, das sich in Niederurnen der zweiten Mannschaft von Linth 04 mit 0:1 beugen musste. Das entscheidende Tor fiel bereits zum Ende der Startviertelstunde. Auch der FC Wängi kam ohne Tor und Punkt von seinem Auftaktspiel zurück. Er unterlag Abtwil-Engelburg mit 0:3. Alle Treffer fielen nach der Pause. Vor dem Seitenwechsel hatte Wängi-Goalie Roman Meiler mit mehreren Paraden einen Rückstand noch verhindert.

Am kommenden Samstag (29. August) treffen die Teams der Region Wil direkt aufeinander. Im Hinterthurgau-Derby empfängt Wängi den FC Sirnach und die Uzwiler Serben treffen auf Bronschhofen.

Resultate, 2. Liga regional, Gruppe 2, 1. Runde:
Bronschhofen - Rapperswil-Jona II 2:1
Sirnach - Frauenfeld 1:3
Linth II - Uzwil Serben 1:0
Abtwil-Engelburg - Wängi 3:0
Schmerikon - Winkeln 3:0
Wattwil Bunt - Eschenbach 3:5

Nächste Spiele (2. Runde):
Samstag, 29. August: Winkeln - Rapperswil-Jona II (16.30 Uhr), Schmerikon - Wattwil Bunt (17.00 Uhr), Wängi - Sirnach (18.00 Uhr), Uzwil Serben - Bronschhofen (19.15 Uhr).
Sonntag, 30. August: Frauenfeld - Linth II (14.00 Uhr), Eschenbach - Abtwil-Engelburg (16.00 Uhr).

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Saison-Vorschau: (20.8.20)

Mit 7:1 fegte der FC Bazenheid die U20 des FC Wil Anfang August im Final des Bazenheider Cups vom Ifang – aus Sicht der Gastgeber ein fast zu gutes Resultat. Ein Resultat, auf das man als Trainer bei einem Vorbereitungsturnier auch verzichten könnte, wie Trainer Raffael Spescha sagt. «Besonders, wenn du zum Saisonstart wieder gegen den gleichen Gegner spielst.» Am Samstag startet die Saison in der Gruppe 6 der 2. Liga interregional mit dem Derby FC Bazenheid gegen FC Wil U20. 

Ist der FC Bazenheid, vor dem coronabedingten Saisonabbruch im Frühling noch tief im Abstiegskampf, nun klarer Favorit? Trainer Spescha winkt ab: «Wir können das Resultat schon einordnen.» Aber klar habe ihm vieles gefallen, was er beim Finalsieg gesehen habe. Besonders die Chancenauswertung, die endlich einmal gestimmt habe. Auf der anderen Seite will auch Fabio De Souza, besser bekannt als Fabinho und Trainer des Wiler Nachwuchses, das Resultat des Testspiels nicht überbewerten: «Wir hatten einen schlechten Tag, die Automatismen haben noch nicht funktioniert.»

Früher als die meisten Vereine in der Region hat der FC Bazenheid das Training nach Corona wieder aufgenommen. Nämlich am 11. Mai, als es wieder möglich war, in Kleingruppen etwas zu machen. Seither haben die Spieler des FC Bazenheid zwei Mal pro Woche trainiert, einmal davon individuell. Das Training in Kleingruppen sei ihm auch deshalb wichtig gewesen, um die Mannschaft weiter kennenzulernen, sagt Raffael Spescha. Eigentlich ist Spescha seit der Winterpause Trainer der Toggenburger. Mit dem Team trainieren konnte er bis zum Lockdown jedoch gerade mal drei Wochen.

Uzwil: «Die Gier war schnell wieder da»

Trotz dem unglücklichem Cup-Aus am Samstag gegen den FC Freienbach ist man auch beim FC Uzwil, dem dritten regionalen 2. Liga-inter-Verein, zufrieden mit der Vorbereitung. «Die Gier, die Freude wieder Fussball zu spielen, war nach der Lockerung der Corona-Massnahmen schnell wieder da», sagt Armando Müller, Trainer beim FC Uzwil. Seit Sokol Maliqi während dem Lockdown zum FC Kosova Zürich abgewandert ist, ist Müller Sportchef und Trainer in Personalunion. Bei der Fitness habe es nach der langen Corona-Pause etwas mehr Arbeit gebraucht. «Einige haben in der fussballfreien Zeit etwas mehr gemacht als andere», sagt Müller. Grundsätzlich sei er beim Trainingsstart aber überrascht gewesen, wie fit alle seien.

Auf der Bergholz-Anlage sei an Trainings in Kleingruppen nicht zu denken gewesen, sagt Fabinho. Mit dem Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft und den anderen Jugendteams wäre der organisatorische Aufwand, alle in mehreren Gruppen an verschiedenen Tagen trainieren zu lassen, zu gross geworden. Seine Spieler hätten stattdessen Pläne für Lauf-, Stabilistations- und Krafttraining bekommen, sagt Fabinho. Wer diese wie gut eingehalten hat, habe er nur schwer kontrollieren können. Überhaupt sei sein Fokus in dieser Zeit anderswo gewesen, so der ehemalige Profispieler: «Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen in erster Linie gesund bleiben.»

In Bazenheid füllt sich das Lazarett

Bei allen drei Teams füllt sich das Verletzten-Lazarett bereits vor dem Saisonstart. Alle Trainer berichten von mehreren Spielern, die sich in der Vorbereitung verletzten. Besonders bitter: Beim FC Uzwil und beim FC Bazenheid hat es vor allem Neuzugänge böse erwischt. Luca Lanzendorfer, der vom Erstligisten Tuggen zu Uzwil stiess, wird seinem neuen Verein mit einem Mittelfussbruch monatelang fehlen. 

Beim FC Bazenheid verletzte sich Claudio Grauso am Bazenheider Cup schwer am Knie. Kreuzband, Innenband und Meniskus sind kaputt, Grauso wurde bereits operiert. Weitere Verletzungen überschatteten für die Bazenheider die Woche des Vorbereitungsturniers auf dem heimischen Ifang. Auch Matthias Rüegg und Roberto Manzo zogen sich Knieverletzungen zu. Während Rüegg wie Grauso bereits operiert wurden, steht der definitive Befund bei Manzo noch aus. Doch auch der Neuzugang vom FC Neckertal-Dergersheim (3. Liga) dürfte lange ausfallen.

«Wir müssen nicht die Liga gewinnen»

Nicht weniger als 19 neue Spieler sind seit Sommer 2019 zum FC Bazenheid gestossen, einige davon auch in der letzten Winterpause, quasi am Vorabend der Corona-Pause. Das Team befindet sich nach wie vor im Umbruch. Nachdem der langjährige Captain und neue Bazenheider Sportchef, Dejan Baumann, seine Aktivkarriere beendet hat, sind neue Führungs- und Identifikationsfiguren gefragt. Potential, diese Rolle einzunehmen, sieht Spescha unter anderem bei Torhüter Michael Gähwiler und Kevin Lopes Gomes. «Es ist wichtig, dass wir Spieler haben, die schon lange dabei sind. Sie müssen nun die Leitwölfe werden.»

Spieler, die es ins Kader der 1. Mannschaft schaffen und solche, die aus der U18 von Wil oder St. Gallen oder von einem Verein mit A-Junioren in der Coca-Cola-League neu dazukommen; Bei Fabinhos U20-Team ist der Umbruch der Normalzustand. Auch in diesem Jahr habe sich das Kader stark verändert, so der Trainer. «13, 14 neue Spieler sind es dieses Mal», sagt Fabinho. Das sei aber kein Problem, schliesslich sei es seine Aufgabe, die jungen Spieler an die Challengue League heranzuführen. Wenn einer den Sprung in die erste Mannschaft schafft – das seien die Erfolge, an denen er seine Arbeit messe. «Wir müssen nicht die Liga gewinnen.» 

In der Anfangsphase der Saison dauere es ein paar Monate, bis sich die vielen 17- und 18-Jährigen an den körperbetonten «Männerfussball» der 2. Liga interregional gewöhnen, sagt Fabinho. Danach traut er seinem Team aber einiges zu. «Ich will nicht unten spielen, das ist klar», sagt er. Den Ligaerhalt will er möglichst schon in der Vorrunde klarmachen. Zufrieden wäre er am Ende mit einer Position zwischen Platz 6 und 1.

Uzwil will vorne mitspielen

Höhere Ansprüche hegt man beim FC Uzwil. «Die Qualität in unserem Kader ist gross genug, um in der Spitzengruppe mitspielen zu können», ist Armando Müller überzeugt. Die Relativierung folgt in bestem Fussballerdeutsch: «Jedes Spiel muss zuerst gespielt werden». Raffael Spescha will mit dem FC Bazeneid «möglichst schnell nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben.» Ansonsten sei ihm wichtig, von Woche zu Woche eine Entwicklung zu sehen, dass die Spieler das angestrebte offensive Spiel umsetzen.

Geht es nach den Trainern, können sich die Regio-Fussball-Fans auf attraktiven Offensivfussball freuen. «Wir wollen einen agierenden Fussball spielen, schnell umschalten und bei Ballgewinn mit wenigen Pässen vor das gegnerische Tor kommen», gewährt Bazenheid-Trainer Spescha einen Blick in die Taktikkiste. «Wir wollen die Leute auf dem Ifang begeistern.» 

Fabinho sagt von sich, er könne gar nichts anderes spielen lassen als «offensiven Kombinationsfussball». «Mutig nach vorne» soll es gehen, «das ist meine Philosophie». Und auch Armando Müller will mit seiner Mannschaft «einen attraktiven, offensiven Spielstil» pflegen. Müller gibt aber auch zu verstehen, dass ihm die Balance wichtig ist. «Es gibt im Fussball nicht bloss eine Wahrheit. Ballbesitz, Pressing, Umschaltspiel. Wir müssen alles können.»