Es brodelt in Flawil. Zumindest, wenn es die Zukunft des örtlichen Spitals geht. Dies zeigte sich am Donnerstagabend, als die SP zu einer Podiums-Diskussion in dieser Thematik in den Lindenaal eingeladen hatte. Obwohl weder die St. Galler Regierung noch der Spital-Verwaltungsrat auf der Bühne stand und somit keine grundlegenden Neuerungen zu erwarten waren, kamen rund 150 Interessierte an den von der SP Flawil organisierten Anlass.

Dem Spital Flawil droht die Redimensionierung in ein Notfallzentrum mit ein paar wenigen Betten. «In diesen wird man nicht gesund. Man verbringt dort die Nacht, wenn man mit mehr als 0,8 Promille Alkohol eingeliefert wurde», sagte Flawils Gemeindepräsident Elmar Metzger (CVP) lakonisch. Doch in Flawil will man sich nicht damit abfinden. Metzger kämpft mittlerweile mit den vier Präsidenten der anderen Gemeinden, deren Spital ebenfalls redimensioniert werden soll, geschlossen für eine Spital-Zukunft. Wobei das Gemeindeoberhaupt am Podium klarmachte, dass es für Flawil weiterhin noch zwei zusätzliche Möglichkeiten gebe: Das Errichten einer Spezialklinik und den Verkauf an Private.

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Die Flawiler wollen «ihr» nicht einfach so aufgeben.


Verwaltungsrat im Schussfeld

Da effektiv keine neuen Hard-Facts präsentiert wurden, blieb viel Zeit, um die Ist-Situation zu reflektieren – und Frust abzubauen. So wurde aus dem Publikum zum Beispiel jene Forderung laut, die in den vergangenen Tagen auch schon mit Nachdruck aus dem Toggenburg gekommen war: «Warum nicht unser Spital aufrechterhalten und jenes in Wil schliessen? Von den Protagonisten auf der Bühne mochte sich niemand explizit dieser Forderung anschliessen.

Die gewichtigste Forderung am knapp zweistündigen Podium war jene des Flawiler SP-Kantonsrats Peter Hartmann. Zuerst deute er sie nur an, indem er sagte: «Der Spital-Verwaltungsrat schaut die Situation mit der falschen Brille an und sollte zum Optiker.» Ein paar Minuten später doppelte Hartmann unmissverständlich nach: «Eigentlich sollte man den Verwaltungsrat absetzen.» Applaus aus dem Saal. Wie Hartmann diese Forderung begründet, sehen sie im untenstehenden Video-Interview. Regierungsrats-Kandidatin Laura Bucher (SP) sagte: «Der Verwaltungsrat ist entpolitisiert worden und es zählen zu sehr die betriebswirtschaftlichen Kriterien. Die Politik gehört wieder in den Verwaltungsrat.» Peter Hartmann nahm auch die St. Galler Regierung in die Pflicht, welche dem Verwaltungsrat «Grenzen setzen sollte».

Im Video: Hier fordert Peter Hartmann die Absetzung des Spital-Verwaltungsrats

 

«Mit den Thurgauern hat noch niemand geredet»

Der Abend machte einmal mehr deutlich, was bei ähnlichen Veranstaltungen in der Vergangenheit schon zum Ausdruck gekommen war: Die Flawiler fühlen sich nicht ernst genommen. So enervierte sich zum Beispiel Gemeindepräsident Elmar Metzger, dass man das Zahlenmaterial für das Spital Flawil nicht einmal überprüft habe, aber zum Schluss gekommen sei, der Standort rechne sich nicht. Wiederholt kam auch zum Ausdruck, dass man zu lange darauf verzichtet habe, mit den umliegenden Kantonen eine gemeinsame Lösung anzustreben. Erst dieser Tage geschehe dies. «Und mit den Thurgauern hat noch niemand geredet», sagte Metzer.

Das weitere Vorgehen in dieser Thematik sieht nun so aus: Die Regierung wird schon demnächst die definitive Vorlage präsentieren, welche dann im April und Mai in zwei Kantonsrats-Lesungen beraten wird. Eine Volksabstimmung ist für den Herbst oder Winter des laufenden Jahres geplant. Oder um es in den abschliessenden Worten von Moderator und Kantonsratspräsident Daniel Baumgartner (SP) zu sagen: «Wir Flawiler kämpfen bis zuletzt für unser Spital. Und danach kämpfen wir weiter.»