Aus sportlicher Sicht konnte die Schweizer Delegation an der Junioren-EM im Hallenradsport (Kunstrad und Radball) in Bazenheid mit dem Gewinn von drei Bronzemedaillen das erwartete Soll erfüllen. Die Mosnanger Radballer Rafael Artho und Björn Vogel eroberten sich nach harzigem Start doch noch Bronze. Ebenfalls Bronze gewannen Jeannine Graf und Nadine Zuberbühler (RMV Amriswil) im Damen 2er und an das 4er-Damenteam vom ATB Baar.Nach wie vor als bestes Hallenradsportnation zeigte sich Deutschland mit dem Gewinn von sieben Medaillen, vier davon goldene (Radball, 4er Damen, 1er Herren und 2er open). Dicht auf den Fersen der Deutschen waren mit dem Gewinn von zwei Golden (2er Damen, 1er Damen) und drei Silbernen (Radball, 4er Damen und 1er Damen) die Sportler/inne aus Österreich, resp. aus dem Vorarlberg. Mit dem Gewinn einer Silber- und eine Bronzemedaille gesellte sich Tschechien zu den bekannten Hallenradsportnationen. Eine bronzene Auszeichnung ging im 2er open in die Ukraine.

Ausverkaufte Halle
Die mit 1000 Sitzplätzen ausgestattete Ifanghalle war am Freitagabend und Samstagnachmittag ausverkauft und die gutgelaunten Zuschaue sorgten für eine Bombenstimmung in der Halle. Dass diese Stimmung immer wieder auf den Siedepunkt km, sorgten die hart umkämpften Radballpartien, vor allem zwischen Deutschland, Österreich, Tschechien und der Schweiz. Fast mäuschenstill wurde es in der Halle während der Vorführungen der Zukunftscracks auf dem Kunstrad. Eine Stimmungs-Mischung wie man sie nur im Hallenradspot kennt und das Ganze so einzigartig macht. Eine Mischung von Adrenalin schoss bei allen Sportler/innen ins Blut, ob bei den eher hitzigen Radballern oder der fokusierten Konzentration bei den Könnern auf dem Kunstrad.

Vom Fehlstart zu Bronze
Die Mosnanger Rafael Artho und Björn Vogel starten mit einem Fehlstart in die EM und haderten nach der 1:2 Niederlage gegen die defensiv agierenden Franzosen mit Schicksal und den vielen nicht verwerteten Chancen. Mit dem Sieg gegen die Mitfavoriten aus Tschechien und dem erwarteten Gewinn von drei Punkten gegen den Aussenseiter Ungarn waren die Mosliger vor dem Heimpublikum wieder zurück im Geschäft. Trotz mehr Spielanteilen und bessren Möglichkeiten der Schweizer waren es die Österreicher, welche die nächste Partie mit 3:0 gewannen.

Das Verdikt von 6:1 für Deutschland ist zwar klar, entspricht aber nicht der eigentlich guten Vorstellung der Schweizer. Doch wer die vielen Möglichkeiten nicht nutz, kassiert die Gegentore. Dank dem klaren Sieg gegen Belgien reichte es den Mosnangern aber trotzdem noch für die Teilnahme im Halbfinale und zrafen dort auf Deutschland, den Sieger aus der Qualifikation.

Die Mosnanger siegten gegen die Tschechen
Die Schweizer hatten wieder die besseren Möglichkeiten und waren den nachmaligen Europameistern ebenbürtig, zwischenzeitig gar überlegen. Es fehlte wieder an der Auswertung der erspielten Torchancen. Trotzdem, oder eben deshalb, mussten sie nach dem Remis in der normalen Spielzeit im fälligen Penaltyschiessen leider den Kürzeren ziehen.

Im Spiel um Platz drei sorgten die Mosliger gegen Tschechien dann für klare Verhältnisse und liessen den zwar körperlich überlegenen aber spielerisch noch zu wenig reifen Tschechen keine Chance und gewannen so die frenetisch bejubelte Bronzemedaille. Ein Lohn auf den sie zwei Jahre hinarbeiteten. Obwohl man mit Gold liebäugelte und nahe dran war, freut sich das Team mit dem Staff trotzdem über Bronze.

Im Finalspiel um den EM-Titel trafen Deutschland mit Eric und Tim Lehmann und Österreich mit Maximilian Schwendinger und Bastian Arnoldi aufeinander. Mit Deutschland gewann das klar bessere und vor allen auch fairere Team, denn die Vorarlberger «glänzten» über das ganze Turnier mit ihrer harten Gangart nicht immer mit Fairness.

Weltmeisterin der Zukunft
Hochkarätige Kunst auf zwei Rädern erlebte man im 1er der Damen. Im Kopf an Kopf-Rennen hatte am Schluss die zierliche Vorarlbergerin Julia Walser die Nase vorne und deutete an, dass sie eine künftige Weltmeisterin bei der Elite sein könnte.

Die Deutsche Mitfavoritin Ramona Dandl beging zwei gröbere Fehler zuviel und wurde auch noch von Lorena Scheider aus dem Vorarlberg abgefangen. Aus Schweizer Sicht musste sich die Bronzegewinnerin 2017, Alessa Hotz, trotz einer guten Vorführung, mit dem undankbaren vierten Platz begnügen und Nina Stangier wurde gute Sechste.

Vorarlberg überrascht
Im 2er der Damen klassierten sich die Österreicherinnen mit Ros Kopf/Svenja Bachmann vor ihren gleichwertigen Konkurrentinnen Alina Freisler/Annice Niedermayer aus Deutschland. Während bei den Vorarlbergerinnen Tränen der Freude flossen, waren es bei den deutschen Girls solche der Enttäuschung. Ihren erwarteten dritten Platz zu Bronze erreichten die Schweizerinnen Jeannine Graf und Nadine Zuberbühler vom RMV Amrsiwil mit einer, trotz kleinen Patzern aber sauberen und schönen Fahrt.

Überragender Doppelsieg
Einen klaren Doppelsieg feierten im 1er der Herren die deutschen Fahrer. Überlegen und ruhig fuhr der verdiente Goldmedaillengewinner Tim Weber ein Programm auf höchstem Niveau und siegte vor Landsmann Simon Köcher. Bronze ging an den Tschechen Radek Jancik. Schweizer waren nicht am Start, da sie im Vorfeld die Qualifikationshürde nicht schafften.

Nur drei am Start
Im 2er open, resp. Damen und Herren gemischt, waren nur drei Teams am Start. Man wird sich bei der UEC künftig überlegen müssen, wie man diese Kategorie wieder fördern könnte. Klare Sieger wurden die Deutschen mit Julica Müller/Marc Lehmann vor den Paaren aus Tschechien und der Ukraine.

Attraktiver Vierer
Im Land der Elite-Weltmeisterinnen aus Sirnach ist diese Kategorie besonders beliebt und attraktiv bei den Zuschauern. Bei den Juniorinnen hatte in Bazenheid das Quartettaus Deutschland klar die Nase vorn und zwar vor Österreich. Ganz knapp hinter Österreich, das heisst mit nur 1,53 Punkten Rückstand gewannen die vier Schweizerinnen Flavia Schürmann, Nadine Risi, Yvonnen Utiger und Carole Ledergerber vom ATV Baar die Bronzemedaille mit einer feinen, fast fehlerlosen Darbietung.

Spitzenklasse und beste Gastgeber

Die Organisatoren der Junioren-Europameisterschaften der Hallenradsportler in der Bazeneider Ifanghalle, das heisst die OK-Crew des RMV Mosnang, wurde von Seiten der Sportler/innen, der UEC-Verantwortlichen, der Delegationsleiter, der Kommissäre und der anwesenden internationalen Medien mit ausserordentlich viel Lob überhäuft. Dies ist ein riesengrosses Dankeschön für den immensen Aufwand und die ehrliche Gastfreundschaft während vier Tagen.

Der Delegieret und Verantwortliche des UEC des Europäischen Radsportverbandes, Hilmar Hessler zeichnete die Organisatoren des RMV Mosnang schon bei der Eröffnungsfeier vom Freitagabend mit einer Goldmedaille und dem EM-Trikot für den herzlichen Empfang und die bereitgestellte tadellose Infrastruktur aus. «Wir sind es und zwar gewohnt in der Schweiz und speziell im Toggenburg beim RMV Mosnang seit Jahrzehnten herzlich willkommen zu sein und auf eine tadellose Organisation zu treffen. Was ihr aber heuer hier bietet, übertrifft die Erwartungen, wir sind begeistert. Die Messlatte habt ihr euch selber so hoch gelegt und mit Bravour übersprungen», so Hessler.

Weiteres Lob
Sogar die ja bekanntlich meist kritischen, resp. pragmatischen Medien, lobten den Austragungsort Bazenheid und den organisierenden RMV Mosnang und stimmten in das Loblied ein. Andy Schnetzer Medienfachmann vom Team Österreich: « Was ihr hier aufgebaut hat und bietet ist WM-würdig. Man spürt eure Gastfreundschaft, die Liebe zum Hallenradsport und das Fachwissen in allen Sparten. Die Jugend Europas war sehr gerne zu Gast im Toggenburg.»

Es hat sich gelohnt
Während zwei Jahren bereitete sich das 17-köpfige OK auf diesen Anlass vor und 150 Helfer/innen, resp. Chrampfer, wie auf ihren Shirts geschrieben stand, waren eine Woche besorgt für den riesigen Aufbau einer einzigartigen Infrastruktur und dann während vier Tagen für die Betreuung der Gäste aus 13 Ländern. OK-Präsident Gregor Schnellmann, selber ein Chrampfer fast rund um die Uhr: «Wir möchten der Jugend grundsätzlich und an diesem Weekend der Jugend aus ganz Europa immer wieder eine würdige Plattform bieten. Dank dem Einsatz aller, glaube ich, ist uns das sehr gut gelungen. Als Dankeschön kamen viel Lob, eine grandiose Stimmung und tolle Leistungen zurück und das motiviert.» Der RMV Mosnang plant bereits eine mögliche Organisation des europäischen U23-Finals der Radballer, der dann in Mosnang ausgetragen würde.
Hermann Rüegg