Eine Baustelle in Mini-Version: Die Kinderbaustelle in Wil ist nun offiziell eröffnet. Ab sofort wird dort gegraben, gesägt, gehämmert, genagelt und geschaufelt. Die Baustelle befindet sich auf dem Zeughaus-Areal an der Thuraustrasse. Auf der 2800 Quadratmeter grossen Wiese entstehen nun die Bauten von Kindern: «Es gibt keine Vorgaben. Die Kinder entscheiden selbst, was sie bauen und können sich somit kreativ ausleben» sagt Brigitte «Bigi» Hink, welche zusammen mit ihrem Mann Lukas Hink und Samuel Roth die operative Leitung übernimmt. Von Mai bis September wird die Baustelle jeden Mittwochnachmittag zwischen 14 und 18 Uhr kostenlos geöffnet sein. Betreut werden die Kinder vom Kindergarten- bis Primarschulalter jeweils von mindestens zwei Mitgliedern des Vereins Kinderbaustelle Wil. Es werden aber auch Fachpersonen aus den Bereichen Bau, Handwerk und Soziale Arbeit anwesend sein, um den Kindern Hilfestellung zu leisten. Die Arbeit erfolgt ehrenamtlich.

Förderung verschiedener Fähigkeiten

«Die Baustelle ist wichtig für die Entwicklung der Kinder» sagt der Präsident des Vereins Kinderbaustelle Wil, Samuel Rissi. Durch das praktische und selbstständige Arbeiten im Freien werden die Kinder in ihren motorischen und kreativen Fähigkeiten gefördert. Die Baustelle bietet ihnen eine Erfahrungslandschaft, in der sie sich spielerisch mit verschiedenen Werkzeugen und Materialien auseinandersetzen und ihre eigenen Ideen realisieren können. Auch die sozialen Kompetenzen der Kinder sollen durch das gemeinsame Arbeiten gefördert werden. Während für die Kleinkinder Sand- und Kieshaufen zur Verfügung stehen, können die Primarschüler auch mit verschiedenen Maschinen arbeiten.

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Die Kinder werden in ihren motorischen, kreativen und sozialen Fähigkeiten gefördert.

Doch wie steht es mit der Sicherheit? «Die Kinder werden natürlich betreut. Wir weisen sie darauf hin, was gefährlich ist, und zeigen ihnen den Umgang mit den Werkzeugen» sagt Brigitte Hink. Zudem tragen die Kinder immer Helme und Leuchtwesten. Die Kinderbaustelle in Wattwil, wo es bislang keine Unfälle gab, habe ausserdem gezeigt, dass die Kinder schnell selbst merken, in welchen Situationen sie vorsichtig sein müssen. Kleinere Verletzungen können jedoch nicht ausgeschlossen werden: «Ein Schlag mit dem Hammer auf den Daumen kann passieren, die Kinder lernen aber daraus.»


Vorbild Wattwil

Initiiert wurde das Projekt im Jahr 2017 durch die Mitglieder verschiedener Quartiervereine in Wil. Der Verein Kinderbaustelle Wil war gegründet und schnell wurde auch ein geeigneter Platz auf dem Zeughaus-Areal gefunden. Als Vorbild diente die Kinderbaustelle Wattwil, bei der Projektleiter Samuel Roth bereits in der Gründung 2012 beteiligt war. Im Rahmen seiner Masterarbeit schrieb er auch das Konzept für die Baustelle in Wil. Zur Deckung der Kosten von insgesamt 60'000 Franken beteiligte sich die Stadt Wil, die Besitzerin der Baustelle ist. Weitere Unterstützung erhielt das Projekt durch das Wiler Gewerbe, zahlreiche Sponsoren, private Gönner und freiwillige Helfer.