Erst seit vergangenem Freitag ist es in der Schweiz möglich, dass auch Profi-Fussball-Teams ihre Spieler für Kurzarbeit anmelden können. Zuvor war das für Selbständige und Personen mit befristeten Verträgen nicht vorgesehen gewesen, wobei die Profi-Kicker in die zweite Kategorie fallen. Doch nun hat der Bundesrat die Regelung angepasst. Und siehe da: Bereits ist auch der FC Wil daran, für seine Spieler des Challenge-League-Teams Kurzarbeit anzumelden. «Ja, wir befinden uns diesbezüglich in Gesprächen mit den Spielern. Opposition gibt es bisher nicht. Ich gehe davon aus, dass die Spieler die Situation richtig einschätzen können und in dieser speziellen Situation als Vorbild vorausgehen», sagt FC-Wil-Präsident Maurice Weber. Hintergrund der Aussage: Jede einzelne Person muss sich mit der Kurzarbeit einverstandene erklären, damit dies möglich ist. Da die Akteure derzeit nicht zugegen sind, muss das OK per E-Mail eingeholt werden.

Mit dem Instrument der Kurzarbeit fallen den Spielern des FC Wil brutto 20 Prozent des Lohnes weg, netto sind es rund 10 Prozent. Mit dieser Massnahme soll jenen Personen unter die Arme gegriffen werden, die in einer Krisensituation temporär weniger oder keine Arbeit mehr haben. Genau das ist bei den Profi-Fussballern der Fall, da ihr Meisterschaftsbetrieb wegen des Coronavirus seit über einem Monat ruht. Der Staat zahlt 80 Prozent des bisherigen Lohns weiter – und zwar bis zu einem Maximalbetrag von 12'350 Franken pro Monat. Unter den Wiler Fussballern verdient niemand auch nur annähernd so viel. Ziel der Kurzarbeit ist die Verhinderung von Massenentlassungen in schwierigen Zeiten. Der FC Wil möchte jede einzelne Arbeitskraft für Kurzarbeit anmelden. Für die Angestellten auf der Geschäftsstelle ohne befristete Verträge ist dies bereits geschehen.

Ein mögliches Szenario

Ob und wann es im Schweizer Fussball und für den FC Wil weitergeht, steht weiterhin in den Sternen und hängt von der Entwicklung der Pandemie ab. Nach wie vor ist das erklärte Ziel, die unterbrochene Meisterschaft zu Ende spielen zu können. Und zwar «ohne Geisterspiele», wie Präsident Weber sagt. Ein Best-Case-Szenario scheint momentan zu sein, dass Mitte/Ende April der Höchststand der Corona-Erkrankungen erreicht wird und die Pandemie rund zwei Wochen später abebbt. Somit könnte Anfang Mai der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen werden – und womöglich noch im Mai auch der Spielbetrieb. Da die EM um ein Jahr auf 2021 verschoben worden ist, könnten die ausstehenden 13 Runden im Mai, Juni und Juli durchgedrückt werden. Die neue Saison, welche gemäss ursprünglicher Planung bereits Mitte Juli beginnen würde, hätte einen verspätete Saisonstart.

Ein kleineres Zeitfenster gibt es für den Amateurfussball, da die Zeit im Juli für Spiele wegfallen dürfte, weil dann traditionell viele Spieler ferienhalber abwesend sind.