Nur wenige Augenblicke vor seinem Referat vor den Mitgliedern der SVP Ortspartei Wil betonte René Fiechter, dass er sich nicht politisch zur Spital-Situation des Kantons St. Gallen äussern möchte. Denn der CEO der Spitalregion Fürstenland Toggenburg wollte mit seinem Vortrag «in erster Linie informieren». Und das tat er am Freitagabend während seines Vortrags nach der offiziellen Hauptversammlung der Wiler SVP-Ortspartei. Er erklärte nicht nur die aktuelle Ausgangslage, sondern nannte unter anderem auch die Gründe für die schwierige Finanzlage. Immerhin rechnen die St. Galler Spitäler bis ins Jahr 2023 mit jährlichen finanziellen Löchern. Und die Situation der Spitalregion Fürstenland Toggenburg ist besonders dramatisch: Alleine im Jahr 2018 kam sie auf ein Defizit von sechs Millionen Franken. «Der Neubau in Wattwil hat selbstverständlich unsere Rechnung im Jahr 2018 besonders belastet», sagte Fiechter. Ausserdem sei die Spitalregion Fürstenland Toggenburg die Region mit dem geringsten Anteil an Zusatzversicherten. «Der Schnitt liegt da bei 20 Prozent, wir kommen gerade mal auf 13 Prozent», führte der CEO weiter aus. Längst ist auch bekannt, dass viele Patienten für planbare Eingriffe weder das Spital Wil noch das in Wattwil aufsuchen. Viele wählen hierfür ein Zentrumsspital oder sogar eine spezialisierte Klinik. Eine fatale und besorgniserregende Entwicklung. «Wir sind kleine Spitäler», erzählte Fiechter, «und machen in der Nacht weniger Umsatz.» Im ländlichen Wattwil kommt es zu ein bis zwei Notfällen pro Nacht. «Das kann also nicht kostendeckend betrieben werden – trotzdem müssen einzelne Abteilungen 24 Stunden vor Ort sein.»

Ein besonderes Augenmerk legte Fiechter auf die aktuelle «4 plus 5»-Variante, die als Lösung vorsieht, dass die stationäre Grundversorgung an vier Spitalstandorten im ganzen Kanton St. Gallen möglich werde. «Diese Spitäler müssen ja innerhalb von 30 Minuten Fahrzeit erreicht werden», erklärt Fiechter weiter. Mit dem Kantonsspital in St. Gallen habe man damit das Zentrumsspital und mit den drei Spitälern in Wil, Grabs und Uznach werde die Grundversorgung sichergestellt. Laut dem Konzept sollen an den fünf Standorten Flawil, Wattwil, Rorschach und Altstätten anstelle eines Mehrspartenspitals sogenannte Gesundheits- und Notfallzentren ermöglicht werden, die einen 7x24-Stunden-Notfallzugang und wenige Überwachungsbetten verfügen. «Die vorgeschlagene Variante ist nicht die kostengünstigste», betonte Fiechter, «sie berücksichtigt aber das Beürfnis nach einer lokalen Notfallversorgung.»

 
Eine endlos lange Diskussion: Darüber diskutierte René Fiechter, CEO der Spitalregion Fürstenland Toggenburg, mit den Mitgliedern der SVP Ortspartei Wil. (Video: Magdalena Ceak)

Scharfe Kritik von den Zuhörern

Während seines Referats steht Fiechter den Mitgliedern der SVP Ortspartei Wil nicht nur Rede und Antwort, sondern bekommt auch sein Fett weg. Denn einzelne SVP-Parteimitglieder konfrontieren ihn nicht nur mit kritischen Fragen, sondern üben auch scharfe Kritik aus. So gehen einige Zuhörer davon aus, dass die Zahlen rund um die Spital-Geschichte nicht ganz transparent und korrekt seien.

Während seines Referats betonte Fiechter gleich mehrere Male: «Wir sind sehr an einer Lösung interessiert.» Und es sei wichtig, dass jetzt eine Entscheidung getroffen werde. Die aktuelle Spital-Diskussion und die Ausgangslage mache es für das Personal alles andere als einfach. «Seit dem letzten Jahr ist die Fluktuation bei uns angestiegen», sagte Fiechter offen.

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Es bleibt weiterhin spannend, was in Zukunft mit den beiden Spitälern in Wil und Wattwil der Spitalregion Fürstenland Toggenburg passiert. (Bild pd)


Ortsparteipräsidentin wiedergewählt

Kurz vor dem Referat rund um die St. Galler Spitalstrategie ging am Freitagabend die Hauptversammlung der SVP Ortspartei über die Bühne. Ortsparteipräsidentin Ursula Egli, die an diesem Abend für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt wurde, nutze die Gelegenheit, um sowohl einen Rückblick auf das vergangene Jahr als auch einen Ausblick auf das aktuelle Jahr zu machen. «Wir führen ein aktives und bürgernahes Parteileben», so Egli. Schliesslich sei das das Ziel der Ortspartei: In der Bevölkerung präsent sein. «Mit bürgernahen Aktionen zeigen wir, dass wir die Anliegen der Bevölkerung wahrnehmen», sagte Egli. Als Beispiele dafür nannte die Ortsparteipräsidentin verschiedene Anlässe, die letztes Jahr stattgefunden haben. Zum Ausblick meinte sie: «Dieses Jahr werden uns nicht nur die bevorstehenden Wahlen beschäftigen, sondern auch Themen wie die Mädchensekundarschule Kathi oder eben die ganze Spital-Diskussion.»