Untauglich. So das Fazit der fünf Stadt- und Gemeindepräsidenten aus Flawil, Wattwil, Rorschach, Altstätten und Walenstadt. Die Spitäler in jenen Orten sollen durch Notfallzentren ersetzt, also drastisch redimensioniert werden, wenn es nach der St. Galler Regierung geht. Darum haben sich diese Gemeinden zur Spitalkonferenz zusammengeschlossen – und äussern harsche Kritik. Dabei kommt auch der Spitalstandort Wil unter Druck, da dort «nach den Aussagen der Regierung in den kommenden Jahren 170 Millionen Franken investiert werden müssen».

Die Spitalkonferenz schreibt in einer gemeinsamen Stellungnahme: «Statt einer vertiefenden individuellen Prüfung der von Seiten der Standortgemeinden eingebrachten Vorschläge wurden diese beispielsweise bei den Standorten Altstätten, Walenstadt und Wattwil über einen Kamm geschert und als gleichwertige Alternativen analysiert und behandelt. Auf unterschiedliche Aspekte der Vorschläge wurde nicht eingegangen.» Die angedachten Notfallzentren sind aus der Sicht der Spitalkonferenz «weder zielführend noch überlebensfähig». Sie würden weder die medizinischen Bedürfnisse der Bevölkerung erfüllen noch wirtschaftlich betrieben werden können.

Mehrere Dutzend Betten pro Standort

Die Mitglieder der Spitalkonferenz erwarten von der Regierung, dass sie ein differenziertes medizinisches Angebot pro Spitalstandort anstelle der vorgestellten standardisierten Lösung ausarbeitet. Hierbei sollen auch die möglichen Veränderungen der Patientenströme in ausserkantonale Spitäler sowie ins Kantonsspital St.Gallen mitberücksichtigt werden. Es wird auch ein konkreter Umsetzungs-Vorschlag gemacht: Pro Standort soll ein «medizinisches Basisangebot der allgemeinen und inneren Medizin» - ambulant und stationär – angeboten werden. Dieses soll regionalspezifisch durch verschiedene Zusatzangebote wie Akutgeriatrie, Psychosomatik oder Palliativmedizin ergänzt werden.

Diese so genannten «Med-Plus-Spitäler» sollen in Zusammenarbeit mit den Ärzten der Region während 24 Stunden pro Tag und 365 Tagen im Jahr betrieben werden, spezialärztliche Sprechstunden anbieten und – je nach Standort - über einen Operationssaal für ambulante Eingriffe sowie über mehrere Dutzend Betten verfügen. So die Idee der Spitalkonferenz.

Zusammenarbeit mit Privatklinik noch aktuell

Sollten die Notfallzentren aber doch ein Thema sein, so kann sich die Spitalkonferenz einen Pilotversuch in Wil vorstellen, um mehr Wissen und Erfahrungen über die Nutzung, die Kosten, das benötigte Personal und der Verschiebungen der Patientenströme zu erhalten. Denn die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg mit den Standorten Wattwil und Wil wird als «nicht überlebensfähig» beurteilt.

Notiz am Rande: Für die Gemeinde Flawil ist eine Zusammenarbeit mit der Privatklinikgruppe Swiss Medical Network (SMN) nicht vom Tisch. In den vergangenen Monaten hat der Gemeinderat zusammen mit SMN eine massgeschneiderte und zukunftsfähige Lösung für das Spital Flawil entwickelt. In die Erarbeitung des Konzepts waren auch Hausärzte der ganzen Region sowie die Verantwortlichen des Wohn- und Pflegeheims eingebunden. Die Lösung hat den Gemeinderat überzeugt, wie er in einer Mitteilung schreibt. (pd/red)