Im regionalen Fokus sind die beiden Spitäler Wil und Flawil. Während Wil gemäss der kantonalen Strategie zu den vier Standorten gehört, an denen nicht gerüttelt werden soll, gäbe es in Flawil künftig nur noch eine Notfallstation. Die Übernahme des Spitals durch einen privaten Betreiber lehnt der Kanton ab. Regional ist auch das Spital Wil nicht unbestritten. Aus dem Toggenburg wird es gegen das Spital Wattwil ausgespielt.

An der durch Kantonsrat Bruno Cozzio, Präsident der CVP der Region Wil, geleiteten Versammlung gab Kantonsrat Cornel Egger einleitend einen kurzen Überblick über den gegenwärtigen Stand des Verfahrens. Der Lenkungsausschuss unter der Leitung von Felix Sennhauser beantragt die 4plus5-Strategie. Die vier Spitalstandorte St. Gallen, Grabs, Uznach und Wil sollen beibehalten werden. In Flawil, Wattwil, Walenstadt, Altstätten und Rorschach soll es nur noch Notfallstationen geben. Noch im Lauf dieser Woche will sich die Regierung zu dieser Strategie äussern. In der April-Session wird sich der Kantonsrat mit dem Problem befassen. Cornel Egger erwartet ein gehöriges Hickhack.


«Puls der Bevölkerung»

In Uzwil ist eine allgemeine Diskussion über Spitäler der Zukunft geführt worden. Das hat – im Gegensatz zu Veranstaltungen über konkrete Spitalschliessungen – nur wenige Interessierte angelockt. Bruno Cozzio betonte, man habe darauf verzichtet, involvierte Fachpersonen einzuladen. Die Kreispartei wolle die Bevölkerung zu Wort kommen lassen, deren Puls fühlen, deren Sorgen und Wünsche kennen lernen.

Die Votanten, fast ausschliesslich politisch engagierte Personen, stellten Fragen und äusserten Meinungen. Die Mehrheit war der Ansicht, Spitalschliessungen seien unerlässlich. Der bis in drei Jahren auf 70 Millionen angewachsene Fehlbetrag aller Kantonsspitäler lasse keine andere Wahl. Ein einziger Redner setzte sich für die Beibehaltung aller neun Spitäler ein. Seine Begründung: Künftige Pandemien (Coronavirus in China) könnten die jetzigen Kapazitäten wieder nötig machen.


Fakten statt Emotionen

Dass sich Politiker die Finger nicht mit dem Einsatz für Spitalschliessungen verbrennen wollten, wurde allerdings auch angeführt. Sie wollten schliesslich wieder gewählt werden. Damit war auch das emotionale Moment angesprochen. Emotionen und persönliche Erfahrungen spielen im Gesundheitswesen eine aussergewöhnlich grosse Rolle. Aus der Versammlung wurde gefordert, davon Abstand zu nehmen. Es gelte, die Fakten zur Kenntnis zu nehmen. Zum einen seien die Spitalgebäude nicht der finanzielle Hauptfaktor. Zu beachten gelte es auch, dass nur 45 Prozent der Spitalkosten von der Krankenkasse, 55 Prozent aber über Kantonssteuern beglichen werde. Der Ausbau des Mobilitätssystems stelle eine Verpflichtung dar, die guten Verkehrswege im Notfall auch zu benützen.

Schwieriger Durchblick

Verschiedentlich wurde festgestellt, dass dem Bürger der Durchblick und der Überblick fehle. Dazu brauche es eine bessere und verständliche Information. Allerdings müsse man sich auf Informationen durch Fachpersonen verlassen können.

Es wurde noch eine Vielzahl von Themen angesprochen. Beispielweise, dass oft nicht nötige Operationen ausgeführt würden, dass mit Bagatellen die Notfallstation aufgesucht werde, dass unsere Anspruchshaltung vielleicht revidiert werden müsse, dass Privatspitäler zu wenig Kassenpatienten aufnähmen, dass mit Spitalschliessungen auch wichtige Ausbildungsplätze verloren gingen, dass eine ostschweizerische Koordination der Spitalpolitik wünschbar wäre oder dass wenige zeitgemässe neue Zentrumsspitäler alle bisherigen Landspitäler ersetzen könnten.