Der Gegenwind aus dem Toggenburg für das Spital Wil zieht an. Schon über 400 Personen unterstützen die vergangene Woche gegründete Toggenburger Gruppierung, welche den Erhalt des Spitals Wattwil und die Schliessung jenes von Wil fordert. Obwohl in Äbtestadt gemäss den Plänen der St. Galler Regierung auch künftig ein eigenes so genanntes Spartenspital haben soll, ist die Zukunft nicht gesichert. Das findet zumindest der Wiler SVP-Stadtparlamentarier und Kantonsrat Erwin Böhi. Bezogen auf die finanzielle Schieflage der Spitäler Wil und Wattwil sagt er: «Die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg in ihrer heutigen Form kann nur mit massiven Geldmitteln geschützt werden und ist demzufolge nicht nachhaltig.» Er geht zudem davon aus, dass es bei einer Abstimmung schwierig werden könnte, rund 170 Millionen Franken zu bekommen. Einen so hohen Betrag ist laut Schätzungen der St. Galler Regierung nötig, um die Spitalbauten in Wil zu erneuern.

Am Donnertagnachmittag lancierte Erwin Böhi mit einem politischen Vorstoss nun ein neues Thema: eine Spitalregion St. Gallen-West. Diese bestünde aus den Spitälern Wil, Flawil und Wattwil. «Um die für die medizinische Qualität notwendigen Fallzahlen zu erreichen und kostensenkende Synergien zu nutzen, ist eine engere Zusammenarbeit notwendig», schreibt Böhi in der «Anfrage» an den Stadtrat. Aus seiner Sicht müssten folgende Punkte berücksichtigt werden: die Zentrumsfunktion von Wil, die Neubauten in Wattwil und das geplante erweiterte Angebot in Flawil, allenfalls unter privater Trägerschaft. Das regionale Denken müsse gefördert werden, fordert der Kantonsrat.

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Erwin Böhi will den Spitalstandort Wil durch eine Zusammenarbeit mit Flawil und Wattwil stärken.


Was die Gemeinden sagen

Und was sind die Reaktionen bei den drei Gemeinden Wil, Flawil und Wattwil zu einem möglichen Spitalverbund St. Gallen-West? Philipp Gemperle, Kommunikationschef der Stadt Wil, sagt zu hallowil.ch: «Der Stadtrat hat in der Vernehmlassung Stellung bezogen. Daran hat sich nichts geändert.» In dieser Vernehmlassung stützt die Wiler Exekutive das «4plus5»-Konzept des St. Galler Regierungsrates, bei welchem Wil eines von vier Spartenspitälern ist und Flawil sowie Wattwil zu Notfallzentrum redimensioniert würden. Zwar begrüsst der Stadtrat die Absicht der Regierung, die Organisationsstruktur der Spitäler weiterzuentwickeln – allerdings erst «zu einem späteren Zeitpunkt». Aus der Sicht der Stadt ist momentan die Regierung am Zug, die diversen Vernehmlassungs-Antworten auszuwerten und dann das weitere Vorgehen zu bestimmen. Heisst konkret: Bei der Stadt Wil sieht man derzeit davon ab, das Gespräch mit dem Gemeindebehörden von Flawil und Wattwil betreffend Spitalregion St. Gallen-West zu suchen.

Etwas anders tönt es aus Flawil. «Die Gemeinde Flawil ist immer gesprächsbereit», lässt der Informationsbeauftragte Markus Scherrer in aller Kürze verlauten. Wattwils Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner führt an, dass es schon einmal einen Spitalverbund West gegeben habe und Flawil später der Spitalregion St. Gallen zugeschlagen worden sei. Er bevorzugt das Modell der Spitalkonferenz, bestehend aus den Gemeinden Wattwil, Flawil, Altstätten, Rorschach und Walenstadt. Diese Pläne sehen vor, statt in jenen fünf Gemeinden ein Notfallzentrum zu betreiben, ein solches in Wil zu «testen».

Ihre Meinung zählt

Und was sagen die Leser von hallowil.ch? Soll die Stadt Wil das Gespräch mit Flawil und Wattwil suchen, um einen Spitalverbund St. Gallen-West zu machen? Die untenstehende Umfrage ist lanciert.