München und Berlin. In diesen Städten gibt Hazel Brugger gemäss aktuellem Tourplan zwei Vorstellungen nacheinander. Und nun auch in Wil. Sie interviewt gerne selbst. So jedenfalls wurde sie dem deutschen Publikum bekannt: in ihrer Rolle als ebenso schrullige wie schonungslose «Aussenreporterin» der Nachrichtensatire «heute-show», oder mit ihrem Youtube-Format «Deutschland, was geht?».

Mit «Sind Fragen, an dieser Stelle?», leitete Hazel Brugger die Zugabe ein. «Wo ist ihr Bruder?» fragte jemand. Gerade hatte Brugger in ihrem knapp zweistündigen Programm nebst anderem an der Dekonstruktion der Figur des grossen Bruders als respektables Oberhaupt der Geschwister, ihre «Übungsmenschen für richtige Menschen», gearbeitet. Als sie jetzt aus dem Stand eine ziemlich böse Nummer als Antwort fabrizierte, war nicht ganz klar, ob sie die grandios deplatzierte Frage wirklich wütend machte, oder ob sie dankbar den Steilpass annahm. Wahrscheinlich irgendwie beides.

Post inside
Im Vorprogramm hatte Gabriel Vetter einen Kurzauftritt.


Schnell einen doppelten Boden unterschieben

Die Zugabe, in der sie zu Publikumsfragen improvisierte und die mit einem kurzen Lied über Wil auf Auto-Tune endete, war der Höhepunkt von Bruggers aktuellem Programm «Tropical». Hier verdichtete sich nochmals, was Hazel Brugger ausmacht: die Fähigkeit, jeder Situation und jedem Thema ebenso schnell wie kunstvoll einen doppelten Boden unterschieben zu können. Dass sie das so gut kann, hat viel mit ihrer Herkunft aus der Slam Poetry zu tun, der Mischung aus Lyrik und Stand-up-Comedy, der auch Gabriel Vetter zuzurechnen ist, der am Donnerstagabend vor Hazel Brugger einen Kurzauftritt hatte. Mit ihrem zweiten Soloprogramm bewegt sich Hazel Brugger nun aber in ihrer eigenen Nische zwischen Late-Night-Show, Internetkultur und bewährtem Kabarett.

Drängende Fragen und lebensnahe Anekdoten

«Tropical» enthält viel Gesellschaftskritik, die aber nie platt und moralisierend wirkt, weil sie auch Widersprüche offenlegt und das, wofür sie sich stark macht, nicht vor Gags verschont. So ist es auch bei den vielen Passagen mit feministischem Inhalt. Zum Beispiel dort, wo es um das Gefallen-Wollen der Frauen im Unterschied zum Geniessen der Männer geht. Brugger sagt etwa: «Frauen, die gefallen wollen, haben keine gute Zeit, denken aber, dass andere, wenn sie sie ansehen, denken, dass sie eine gute Zeit haben. Das reicht ihnen.» Man muss genau hinhören bei Hazel Brugger. Auch, weil bei ihr viel in scheinbar gerade noch so nachgeschobenen Nebensätzen passiert.

In den knapp zwei Stunden führte sie drängende Fragen der Gegenwart an lebensnahen Anekdoten vor. Zum Beispiel, was wir im digitalen Zeitalter alles hinterlassen. Dies illustriert Hazel Brugger mit dem Vater, der sich dauernd mit seiner neuen Go-Pro-Kamera filmt, so dass sich die Kinder fragen: Wer soll all das Videomaterial mal wegwerfen? Oder die Tierrechte: Ausnützen, solange sie noch so schlecht sind. Das tat auch Hazel Brugger selbst, als sie mal versuchte, eine Gans für ein Interview zu mieten.

Hazel Brugger steht am Freitagabend, 24. Januar, ab 20 Uhr ein zweites Mal mit dem Programm «Tropical» auf dere Bühne de Wiler Stadtsaals.