Mit nur wenigen Sätzen hat die Stadt Wil unlängst kommuniziert, dass der Bau des Sportparks Bergholz mit 61,1 Millionen Franken teurer zu stehen gekommen ist als erwartet (siehe Artikel unten). Die Abrechnung wurde erst sechseinhalb Jahre nach Inbetriebnahme der Anlage vorgelegt. Das sorgte für Reaktionen in der Bevölkerung. Auch hallowil.ch hat da ein paar Fragen – und diese dem zuständigen Stadtrat Daniel Stutz, Vorsteher des Departements Bau, Umwelt und Verkehr (BUV), gestellt.

hallowil.ch: Daniel Stutz, die Bauabrechnung liess fast sieben Jahre auf sich warten. Warum hat es so lange gedauert?
Bei den Übergaben der Anlagen wurde eine erhebliche Liste von baulichen Mängeln und Restleistungen erfasst. Zusammen mit der Totalunternehmung wurde diese Liste abgearbeitet. Der daraus entstandene Klärungsbedarf erforderte vereinzelt aufwändige Abklärungen und langwierige Verhandlungen. Differenzen bezüglich Minderleistungen und Nachtragsforderungen führten zum Rückbehalt auf die Schlusszahlung, um für eine Mängelbehebung den erforderlichen Druck gegenüber der Totalunternehmung erzeugen zu können.

hallowil.ch: Wie hoch ist dieser Rückbehalt?
Der per Mitte 2017 ausgehandelte Rückbehalt belief sich auf rund 316'000 Franken und diente der Tilgung zusätzlicher Aufwände zur externen Bauherrenvertretung und der Rückstellung einer Wärmerückgewinnung für das Blockheizkraftwerk. Letztendlich lastete der bauherrenseitige Aufwand bei der Stadt auf einer einzelnen Person, die nebenbei auch noch weitere anspruchsvolle Aufgaben und Projekte zu betreuen hatte.

hallowil.ch: Der Gesamtbetrag für den Sportpark Bergholz liegt bei über 61 Millionen Franken. Das Volk hat einen Kredit von unter 60 Millionen Franken gesprochen. Warum die Mehrkosten?
Bei der Summe von 61,1 Millionen Franken handelt es sich um die vom Stadtrat bewilligten Gesamtkosten. Der ursprüngliche Kredit gemäss Volksabstimmung vom November 2010 betrug 55,3 Millionen Franken. Stadtrat und Parlament haben in den Jahren 2012 bis 2015 Nachträge gesprochen. Mit der Bauteuerung, der Mehrwertsteuererhöhung und Rückstellungen für Wärmerückgewinnungsanlage und Liegewiese Freibad stand letztlich ein bewilligter Gesamtkredit von 59,6 Millionen zur Verfügung.

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Auch eine externe Firma habe den Rechnungsabschluss des Sportparks Bergholz geprüft. Die Geschäftsprüfungskommission werde dies im Rahmen ihrer ordentlichen Tätigkeiten noch tun, lässt Stadtrat Daniel Stutz verlauten.

hallowil.ch: Die Schlussabrechnung ist aber höher.
In die Gesamtrechnung sind weitere Ausgaben für Projektkosten auf Bauherrenseite, Betriebsausstattung, Projektbegleitung und Monitoring Energie eingeflossen. Die Mehrkosten wie Bauteuerung, Änderung der Mehrwertsteuer waren zum Vornherein bekannt, jedoch im Umfang nicht absehbar. Die Bauteuerung ist unter den anfänglichen Erwartungen verlaufen. Die Projektleitung war stets bedacht, kostenbewusst vorzugehen. Für den kostenbewussten Umgang der Projektleitung spricht auch, dass der bewilligte Gesamtkreditrahmen um rund 1,4 Prozent unterschritten wurde.

hallowil.ch: Bei der Implenia sollen Wechsel in der Projektleitung zu Mehrkosten geführt haben. Warum muss der Wiler Steuerzahler dafür geradestehen?
Die Frage kann so nicht gestellt werden. Während der ganzen Bauphase erfolgten auf Seiten der Totalunternehmung insgesamt acht Wechsel in den Projektleitungen. Das hat bei der Stadt als Auftraggeber und Bauherr beziehungsweise bei der beauftragten Bauherrenvertretung und Energieberatung zu zusätzlichem Kontroll- und Dokumentationssaufwand geführt. Gleichzeitig war durch die vielen Wechsel die Kommunikation mit den Ansprechpartnern erschwert und damit aufwändiger als geplant.

hallowil.ch: Oder war es so, dass die Stadt als Auftraggeberin im Bauablauf zusätzliche Anforderungen gestellt hat?
Die Bauherrschaft stellte keine zusätzlichen Anforderungen. Im Gegenteil versuchte sie während der Projektbereinigungsphase mittels Optimierungen Minderkosten zu generieren. Mehraufwände beruhten auf geänderten Normen seitens Gesetzgebung, Behörden und Homologierungsinstanzen.

hallowil.ch: Noch sind nicht alle aus der Bauzeit herrührenden Mängel behoben. Was ist diesbezüglich der aktuelle Stand und wie geht es weiter?
Der Totalunternehmer-Werkvertrag ist mit der Implenia abgerechnet und damit abgeschlossen. Im Rahmen der Gewährleistung sind noch zwei Mängelbehebungen pendent. Dabei handelt es sich um Mängel an eingesetzten Materialien wie Plattenbeläge und Fugen. Die Mängelbehebung ist vereinbart.

hallowil.ch: Gibt es noch Pendenzen oder Streitfälle zwischen Implenia und der Stadt?
Nein.

hallowil.ch: Ist das nach wie vor ungelöste Problem mit der Beleuchtung im Fussballstadion Bergholz eine Pendenz der Implenia? Immerhin ist die Beleuchtung nicht Challenge League-tauglich und es wurde ein Challenge League-taugliches Stadion bestellt.
Die Beleuchtung richtete sich nach fortlaufend ändernden Beurteilungen der Swiss Football League und wurde in der aktuellen Ausgestaltung bei der Totalunternehmung bestellt. Die Stadt projektiert aktuell eine neue Stadionbeleuchtung, da an der bestehenden Stadionbeleuchtung keine Veränderungen mehr vorgenommen werden können. Der Stadtrat wird dem Parlament einen entsprechenden Kreditantrag unterbreiten. Das Beleuchtungsprojekt ist nicht Bestandteil der genehmigten Bauabrechnung Sportpark Bergholz.

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Baukostenabrechnung nach sieben Jahren genehmigt (8.7.20)

Sieben Jahre. So viel Zeit ist zwischen dem ersten Fussballspiel im neuen Bergholz und der Genehmigung der Baukostenabrechnung für den Sportpark Bergholz durch den Stadtrat vergangen. Letzteres ist nun geschehen, teilt die Stadt am Mittwoch mit.  

Die Rechnung schloss mit Gesamtkosten in Höhe von 61'064'148 Franken ab. Vor der Abstimmung über das Projekt hatte es geheissen, dass die Kosten die 60-Millionen-Marke nicht überschreiten sollten. Es sind über als eine Million mehr geworden. «Wegen Bauteuerung und Mehrwertsteuererhöhung mussten mehrere Nachtragskredite bewilligt werden», heisst es in der Mitteilung und weiter: «Der Gesamtaufwand für den Sportpark Bergholz hat sich aufgrund gesetzlicher Auflagen und Normenänderungen gegenüber der Ausgangslage zum Zeitpunkt der Abstimmungsvorlage erhöht. Dies schlug sich in den diversen gebundenen Nachtragskrediten nieder.»

«Unvorhersehbarer Mehraufwand»

Zudem habe sich der Aufwand für die externe Begleitung der Bauherrschaft und der Betreiberin als grösser erwiesen als zunächst angenommen. Besonders der vorgezogene Baubeginn und die verzögerte Installierung der Betriebsgesellschaft seien unterschätzt worden. Zudem hätten die zahlreichen Wechsel in der Projektleitung der Totalunternehmung einen unvorhersehbaren Mehraufwand zur Folge gehabt. Unter anderem, weil wiederholt externes Fachwissen beigezogen und zusätzliche Kontrollen durchgeführt werden mussten. Dies habe auch die Mängelbearbeitung betroffen, «die nur schleppend abgewickelt wurde und letzten Endes auch die Erstellung der Bauabrechnung verzögerte». Der Stadtrat hat die Bauabrechnung extern prüfen lassen und in der Folge genehmigt. (gk/red)

Erst im Mai hatte die Geschäftsprüfungskommission der Stadt Wil den Stadtrat mit einem politischen Vorstoss dazu aufgefordert, den Abrechnungsstau bei Investitionskrediten auflösen.