Wer es im Sport weit bringen will, der braucht schon in der frühen Jugend eine spezielle Förderung. Was heute selbstverständlich ist, war vor einem Jahrzehnt eine Neuheit. Als damals die Oberstufe Lindenhof die ersten Schritte Richtung Sportschule machte, waren die umliegenden Gemeinden nicht bereit, sich finanziell zu beteiligen. So konnten damals nur Sporttalente aus Wil profitieren. Das kantonale Konzept «Hochbegabtenförderung im Kanton St. Gallen» ermöglichte es der Oberstufe Lindenhof, Talente aus dem Kanton St. Gallen, aber auch aus dem Thurgau und dem Kanton Zürich in die Sportschule aufzunehmen. Der Lindenhof wurde vom Kanton St. Gallen als «Talentschule für den Bereich Sport» offiziell anerkannt. Im August 2013 wurde die Sportschule von Swiss Olympic als Swiss Olympic Partner School anerkannt und seither zweimal rezertifiziert. Damit wurde die Sportschule definitiv geboren – und ist mittlerweile etabliert.

Aktuell absolvieren 47 Knaben und Mädchen ihre Oberstufenzeit an der Sportschule Lindenhof. Sie tun es, weil sie eine lokale Swiss Olympic Talent Card bekommen haben und somit von Swiss Olympic als förderungswürdig eingestuft werden. Das Konzept der Sportschule Lindenhof sieht vor, dass den Talenten an vier Schultagen ein zweiphasiges Training, am Vormittag von 10 Uhr bis 12 Uhr und am Nachmittag ab 16 Uhr ermöglicht wird und sie in den Vereinen trainieren können. Der Schulstoff wird zu den anderen Tageszeiten in drei Sportklassen erlernt. Es gibt eine erste, zweite und dritte Oberstufe, ohne dass in Sekundar- und Realstufe getrennt wird. In den promotionsrelevanten Fächern wie Fremdsprachen, Mathematik, Räume und Zeiten oder Natur und Technik sind die gleichen Leistungen zu erbringen wie ein «normaler» Oberstufenschüler es tut – und die Ziele des Lehrplans müssen erreicht werden. Dispensiert sind die «Sportler» hingegen von Fächern wie Werken, Handarbeit, Musik oder Bildnerisches Gestalten – und natürlich Sport. Über Mittag sind die Knaben und Mädchen betreut, zum Beispiel in einem Lernatelier, wo sie ihre Hausaufgaben erledigen können. 

Im Video: Der Schulleiter und eine Unihockey-Spielerin berichten

 

Bis zu acht Trainings pro Woche

Grundsätzlich sind alle Sportarten willkommen an der Sportschule Lindenhof, ob nun Einzel- oder Teamsport. Den quantitativ grössten Anteil machen die Fussballer des FC Wil aus, die zusammen mit den Kunstturnern vor zehn Jahren auch den Grundstein für die Lancierung der Sportschule bildeten. Bis zu acht Trainings kommen für die Talente zwischen Montag und Freitag Woche für Woche zusammen.

Und die Anstrengungen tragen Früchte. So wurde zum Beispiel Leonidas Stergiou, der heute mit 17 Jahren bereits in der ersten Mannschaft des FC St. Gallen spielt, im Lindenhof beschult. Er absolvierte in Wil die erste Oberstufe, ehe er ins Förderprogramm Future Champs Ostschweiz nach St. Gallen wechselte. «Leonidas war ein ziemlich unauffälliger junger Mann», beschreibt Schulleiter Mathias Schlegel den Verteidiger. Auch FC-Wil-Spieler Fuad Rahimi absolvierte die Wiler Sportschule. Bei Ramona Näf von Voltige Lütisburg war es gar so, dass sie zwei Wochen nach Schuleintritt bereits frischgebackene Weltmeisterin im Voltige war. Die Geschichte dazu erzählt Schulleiter Schlegel in diesem obenstehenden Video.

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Unihockey ist eine von zahlreichen Sportarten an der Sportschule Lindenhof in Wil.


Mittlerweile zehn Sportschulen im Kanton St. Gallen

Ebenfalls in die Sportschule Wil ging der Zuzwiler Snowboarder Elias Allenspach, der an den letzten Olympischen Spielen bereits als 16-jähriger zu einem Einsatz kam. Er wechselte im Verlauf der Oberstufe ans Leistungszentrum von Swiss Ski nach Davos, um mehr Schneezeit zu bekommen. Auch die aufstrebende Tennisspielerin Alina Granwehr aus Wilen wurde im Lindenhof beschult. Seit vergangenem Sommer ist sie am Tennis-Leistungszentrum in Biel. Die Liste ist lang und in der Oberstufe Lindenhof mittlerweile eine ganze Vitrine gefüllt mit Bildern von Schülern, die eine gewisse Bekanntheit erlangt haben. Auch im Lindenhof ging Fussball-Nationalspieler Fabian Schär zur Schule. Allerdings hat es zu jener Zeit die Sportschule noch nicht gegeben. Just in der Gründungszeit dabei war der heutige FC-Wil-Spieler Silvano Schäppi.

Doch was ist nötig, damit die Gratwanderung zwischen Sport und schulischer Ausbildung gelingt? «Von den Jugendlichen braucht es vor allem ein hohes Mass an Selbständigkeit, damit alles unter einen Hut gebracht wird», sagt Schulleiter Schlegel. «Die Schule muss ein leistungssportfreundliches Umfeld bieten, so dass die Sporttalente ihre schulischen Leistungsziele erreichen können und trotzdem genügend zeitliche Ressourcen für ein gezieltes Leistungstraining haben. Die Schule sorgt mit gezielten Unterstützungsleistungen für die Verträglichkeit zwischen Schule und Sport.» Zehn Jahre nach dem Start ist der Lindenhof eine von zehn im Kanton St. Gallen anerkannten Sportschulen.