Wil hat seine Charakteristik im Laufe der Jahrhunderte immer wieder stark angepasst; wie ein Ruhepol wirkt darin die Altstadt, die dem Wandel der Zeiten zu trotzen scheint. Einer der Hauptgründe für Wils Veränderungen ist die wirtschaftliche Entwicklung. Verschiedene markante Häuser, die es heute nicht mehr gibt, sind Wegmarken des Fortschritts.

Rückblende: Im Mittelalter konzentrierte sich die bewohnte Fläche vor allem auf die Altstadt. Sie war von Kleinhandwerkern, Kaufleuten und Gastwirten und ihren Familien geprägt. Nach Wil kam man, um mit Vieh zu handeln und Einkäufe zu tätigen. Es waren Unterkünfte und Verpflegungsstätten gefragt. Das Umland bestand aus Wald und Landwirtschaftsfläche. 

Die Bahn bringt Aufschwung 
Als um 1850 das Maschinenzeitalter immer mehr Wil und auch die übrige Schweiz zu prägen begann, lebten lediglich 1555 Menschen auf dem Stadtgebiet. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung veränderte sich das Bild von Wil, es entstanden beispielweise im Westquartier und im Südquartier Stickereilokale.

Während man zuvor vor allem mit Pferdefuhrwerken von und nach Wil reiste, kam damals der öffentliche Verkehr auf, am 24.März 1856 fuhr zum ersten Mal ein Zug in Wil ein. Das Bahnhofsquartier entstand. Wil wurde allmählich zu einem Verkehrsknotenpunkt. Die Obere Bahnhofstrasse entwickelte sich zu einer Ladenstrasse, der Wohnraum an ihr nahm ab.

Ab dem Mai 1901 lieferte ein eigenes Elektrizitätswerk Strom. Und von November 1912 an wurden die Haushalte mit Gas aus dem Wiler Gaswerk versorgt. 

Immer weniger Bauernfamilien 
Neben der Textilindustrie etablierten sich neue Branchen. So wurde etwa 1929 die Traktorenfabrik Hürlimann gegründet. Auch damals war Wil und seine Umgebung noch immer von der Landwirtschaft geprägt. Zu Beginn des zweiten Weltkriegs wurden in Wil 79 Bauernbetriebe gezählt. Von diesen blieben 1975 nur noch 16 übrig. Fünf Jahre nach Kriegsende wohnten 7767 Personen in Wil.

Wil wuchs und wuchs, aus Wiesen wurden Wohnquartiere. Beispielweise wurde neuer Wohnraum für die Gastarbeiter gebraucht, die in der Hochkonjunktur ins Land strömten.

Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem zweiten Weltkrieg prägt die Region immer deutlicher. So verschwand beispielsweise zwischen 1970 und 1985 ein Drittel des Kulturlandes auf dem Stadtgebiet. Während 1970 56 Prozent als Landwirtschaftsfläche ausgewiesen war, sankt diese innert 15 Jahren auf 39 Prozent. In diesen Jahren wurden über 1500 neue Arbeitsplätze geschaffen. 


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Gegenüber der Rudenzburg stand bis 1957 die Speisewirtschaft `Tell`, heute befindet sich dort ein Parkplatz. Im Hintergrund der Turm der ehemaligen evangelischen Kirche (siehe unten). 

Stadt mit grosser Peripherie 
Die Stadt weitete sich immer weiter in die Hänge des Hofbergs und des Nieselberges aus. Nicht nur in Wil prosperierten das Gewerbe und die Industrie, auch in der Grossregion Zürich. Der Wohnraum wurde knapp, die Immobilien wurden immer teurer. Im Vergleich dazu waren die Häuser und die Wohnungen in Wil noch erschwinglich, die Äbtestadt wurde auch zum Wohnort für Pendler.

2004 gaben 16 902 Menschen Wil als Adresse an. Eine einschneidende Veränderung ergab sich 2013: aus Bronschhofen, Rossrüti, Maugwil und Wil wurde eine fusionierte Gemeinde mit über 23 000 Einwohnern. Das Stadtgebiet beträgt seit der Fusion 20,3 Quadratkilometer.



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In den letzten Jahrzehnten wuchs Wil in die Hügel.