Demenzerkrankung – ein Abschied in Raten. «Ein äusserst schwieriges und heikles Thema», ist sich Claudia Brüllhardt-Beerli bewusst. Die Gerontologin und Pflegefachfrau HF in Psychiatrie, leitet den samstäglichen Workshop in den neuen Räumen des Schweizerischen Roten Kreuz in Weinfelden. Schon die ganze vergangene Woche stand unter dem Motto «Zeiten des Abschieds gestalten – Aspekte der Sorge für Betroffene am Lebensende». Unterschiedlichste Workshops und Referate wurden von vielen Interessierten, Fachpersonen und Betroffenen besucht; ein Schicksalsschlag, welcher jeden einzelnen irgendwann betreffen kann. Nur ist es im Unterschied, vom «normalen» Abschied nehmen, etwa bei Todesfällen, im Vergleich zum «gehen lassen» eines Demenzerkrankten, ein völlig anderer Aspekt. Jahrzehntelang teilte man Haus, Familie und Hobbys, bis einen irgendwann die Schockdiagnose Demenz aus dem Leben reisst. Für den Erkrankten schon schwer genug, mit dieser unsicheren Zukunft weiterzuleben, werden auch die Herausforderungen für die pflegenden Angehörigen immer schwieriger, je fortgeschrittener die Krankheit ist.

Es gibt kein Rezept, ausser man tut es

Was nun die Teilnehmer an diesem Samstagmorgen an Wissen erhalten, ist oft keine leichte Kost. Claudia Brüllhardt-Beerli stellt dahingehend wiederkehrend in den Vordergrund, dass man Trauer und Wut zulassen soll. «Es ist nur menschlich, wenn es jemandem in der privaten Pflege zu viel wird. Umso wichtiger ist es in diesem Moment, seine Wut oder Trauer zuzulassen. Nebenher ist der achtsame Umgang mit sich selbst unabdingbar. Auch wenn die Pflege eines Demenzerkrankten stetig herausfordernder und schwieriger wird, jeder verdient sich seine ganz eigene Auszeit, in dem man ein Konzert besucht, seinem Hobby frönt, oder mit guten Freunden den Austausch sucht.» Dass dies alles andere als einfach ist, weiss Brüllhardt-Beerli bestens und auch die Teilnehmer des Workshops bestätigen dies. Dass sich Freunde und Bekannte mit der Zeit immer mehr von den Betroffenen abwenden ist eine traurige Begebenheit, die auch dadurch unterstützt wird, weil eine beginnende und oft auch schon eine fortgeschrittene Demenz, äusserlich kaum wahrnehmbar ist.

Überlastung? Hilfe annehmen!

Eine Demenzerkrankung ist für alle Beteiligten eine starke Belastung. Wem die ganze Situation über den Kopf wächst, dem wird geraten, schnellstens Hilfe zu holen und anzunehmen. Claudia Brüllhardt-Beerli verweist dabei, unter anderem, an Alzheimer Thurgau, «es gibt zudem auch Selbsthilfegruppen und weitere Institutionen. Wichtig ist nur, dass man sich Hilfe holt und diese auch annimmt. Niemand soll diesen schwierigen Weg alleine bestreiten müssen, wer schon direkt betroffen war, weiss, wovon ich spreche.»