Die vier St.Galler Spitalverbunde schliessen das Geschäftsjahr 2017 mit einem konsolidierten Gewinn von 4,7 Millionen Franken ab. Das sind rund 6,7 Millionen weniger als im Vorjahr. Hauptgrund dafür sind die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen, die sich, forciert durch den medizinischen Fortschritt, laufend verschärfen und verändern. Darauf hat der Verwaltungsrat bereits im letzten Jahr reagiert und einen entsprechenden Strategieprozess initiiert. Ziel des Verwaltungsrats ist, die Zukunftsfähigkeit des Leistungsangebotes nachhaltig zu sichern.Die vier Spitalverbunde des Kantons St.Gallen präsentierten an einer gemeinsamen Medienkonferenz vom 22. März 2018 in St.Gallen ihre Jahresergebnisse 2017. Sie führten zudem aus, woran sie gemeinsam arbeiten, um den Herausforderungen im Gesundheitswesen aktiv zu begegnen und sich für die Zukunft fit zu machen.

Geschäftsjahr 2017 unter den Erwartungen
Konsolidiert hat die Gruppe der St.Galler Spitäler etwas über 1,2 Milliarden Franken Umsatz erwirtschaftet, was einer Steigerung um 23 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Kosten haben sich mit 26 Millionen Franken jedoch in die gleiche Richtung bewegt. So verzeichnet die Spitalgruppe mit 4,7 Millionen Franken zwar nochmals einen Gewinn, allerdings fällt dieser um 6,7 Millionen Franken tiefer aus als im Vorjahr. Die 6921 Mitarbeitenden (Vollzeltstellen; Vorjahr: 6775) haben 67 189 stationäre Patientinnen und Patienten behandelt. Der abrechenbare stationäre Anteil ist damit gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken (2016: 67 629).

Zu tiefe EBITDA-Marge
Verwaltungsratspräsident Guido Sutter erläuterte anlässlich der Jahresmedienkonferenz, dass die konsolidierte EBITDA-Marge der Gruppe der St.Galler Spitäler gesamthaft auf ungenügende 5,2% gesunken sei, was deutlich unter der mittel- bis langfristigen Zielsetzung von 10 Prozent liege, welche die Regierung in der Eigentümerstrategie des Kantons St.Gallen festgelegt und den Spitalverbunden als Ziel vorgegeben habe. Der Blick auf die Jahresabschlüsse 2017 und die Budgets 2018 macht deutlich, wie die zunehmend verschärften Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen auf die Ergebnisse der St.Galler Spitäler drücken: Bereits für das laufende Jahr wird mit einem konsolidierten Verlust von 25,7 Millionen Franken gerechnet.

Vielfältige Gründe für prognostizierte Verluste
Die Gründe für die prognostizierten Verluste sind vielfältig. Dabei spielen vor allem auch externe, nicht beeinflussbare Faktoren eine Rolle: Veränderung beim Schweregrad der Diagnosen, Eingriffe in Tarife (Tarmed-Kürzung, «Berset-Effekt››), Verschiebung von stationärer zu ambulanter Behandlung, unbezahlte Vorhalteleistungen und schliesslich auch die mögliche Korrektur der Unterdeckung bei der Pensionskasse. Erschwerend kommt hinzu, dass aktuelle Prognosen zeigen, dass im Kanton St.Gallen mit einem stagnierenden bis lediglich moderaten Wachstum bei den stationären Spitalaufenthalten und rückläufigen Zahlen bei den Privatversicherten zu rechnen ist.

Zukunftsfähigkeit des Leistungsangebots steht im Zentrum
Vor diesem Hintergrund hat der Verwaltungsrat der St.Galler Spitäler bereits letztes Jahr einen Strategieprozess eingeleitet. Zu den Zielen dieses Prozesses gehört auch die Zukunftsfähigkeit des Leistungsangebotes. Es soll festgelegt werden, welche Optionen unter den aktuellen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen möglich und machbar sind. Dies mit dem Ziel, die medizinische Versorgungssicherheit im Kanton St. Gallen auch in Zukunft sicherzustellen. Erste Resultate dieses Strategieprozesses werden im zweiten Quartal 2018 vorliegen.

Die Erkenntnisse werden dann im engen Dialog mit der Regierung zu beurteilen sein, bevor es in eine allfällige Detailplanung geht. Zu den einzelnen Jahresabschlüssen der vier Spitalverbunde

Kantonsspital St.Gallen: Erneut Rekordfrequenzen und trotzdem warten grosse Herausforderungen
Das Kantonsspital St.GaIlen (KSSG) mit den Standorten St.GaIlen, Rorschach und Flawil schliesst das Geschäftsjahr 2017 bei einem Jahresumsatz von 856,6 Millionen Franken (Vorjahr 834,3) wiederum mit einem Gewinn ab (2017: 2,95 Millionen Franken; Vorjahr 4,9 Millionen). lm Vergleich zu 2016 konnten nochmals mehr ambulante Besuche (2017: 516 621; 2016: 491 305) verzeichnet werden und auch im stationären Bereich wurden die letztjährigen Rekordfrequenzen erneut leicht übertroffen (2017: 36 729 stationäre Patientenaustritte; 2016: 36 618).

Und trotzdem: auch das Kantonsspital St.Gallen sieht sich operativ betrachtet vor grossen Herausforderungen. Die Spezialisierung der medizinischen Leistungserbringung, die demografische Entwicklung, die hohen Vorhalteleistungen und die nicht kostendeckenden Tarife sind zentrale Faktoren, welche das gesamte Gesundheitswesen verändern. Solche Herausforderungen lassen sich nur meistern, wenn alle Beteiligten noch enger zusammenarbeiten.

Erneut gutes Ergebnis in der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland
Nach dem Rekordergebnis im Vorjahr konnte die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland (SR RWS) 2017 erneut ein ansprechendes Geschäftsjahr verzeichnen. Mit stabilen Patienten- und Umsatzzahlen auf hohem Niveau erreichte die SR RWS im vergangenen Jahr ein Betriebsergebnis von 200,7 Mio. Franken und einen Unternehmensgewinn von 2,28 Mio. Franken.

Die stationären Austritte lagen mit 16 O93 nur knapp unter dem Vorjahr (16 135 Austritte). «Unter den rauer werdenden Rahmenbedingungen im Schweizer Gesundheitswesen können wir mit diesem Ergebnis sehr zufrieden sein. Dennoch werden die nächsten Jahre auch für uns eine Herausforderung››, erklärt Stefan Lichtensteiger, CEO der SR RWS.

Spital Linth
Das Spital Linth hat im Jahr 2017 etwa 7% weniger Patienten stationär behandelt als im Rekordjahr 2016. Bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 5,38 Tagen betrug die Bettenbelegung 92%. Erfreulicherweise konnte hingegen im ambulanten Bereich eine Steigerung von fast 12% registriert werden. Aufgrund der Tarifsituation reichte dies jedoch nicht aus, um das ambitionierte Budget zu erreichen, sodass am Schluss lediglich ein Gewinn von 470 O00 Franken erwirtschaftet werden konnte. Damit konnte die Zielgrösse der EBITDA-Marge für dieses Jahr nicht erreicht werden.

Das Betriebsjahr 2017 war geprägt durch die jetzt intensive Bautätigkeit. Der Baufortschritt des östlich anliegenden Neubaus liegt im Zeitplan. Ebenso liegen die anlaufenden Kosten im grünen Bereich. Somit steht dem geplanten Aufrichtetermin von Mitte April 2018 nichts im Wege. Für 2018 rechnet das Spital Linth mit einem leichten Anstieg der stationären Frequenzen bei weiterhin zunehmenden Zahlen im ambulanten Bereich, welche aber den Tarifeingriff des Bundesrates nicht vollumfänglich auffangen werden.

Spitalregion Fürstenland Toggenburg: Vorbereitung auf die neue Infrastruktur
Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) schliesst das Jahr mit einem Verlust von 981'000 Franken ab. Bei fast gleichbleibender Fallzahl von 8259 konnte das Defizit im Vergleich zum Vorjahr um rund eine Million Franken reduziert werden. Zum einen liegt dies an der leicht höheren Fall- pauschale, zum anderen zeigt das Resultat, dass die verschiedenen Massnahmen zur Kosten- und Ertragsoptimierung greifen.

Der Weg zu einer existenzsichernden EBITDA-Marge ist aber noch weit. Das Jahr 2017 war in der SRFT geprägt von der Vorbereitung auf den Bezug der neuen Infrastruktur. So konnte am 8. Januar die neue Notfallstation mit integrierter Notfallpraxis am Spital Wil in Betrieb genommen werden. Ende März steht in Wattwil der Bezug der neuen Bettenstation an. Das neue Gebäude bietet den Mitarbeitenden ein modernes Arbeitsumfeld. Patientinnen und Patienten profitieren nicht nur von der modernen Infrastruktur, sondern auch von der damit einhergehenden Verbesserung von Prozessen und Erweiterungen des Angebots. Die SRFT wird durch die neue Infrastruktur wieder wettbewerbsfähig.


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Die vier Spitalverbunde des Kantons St.Gallen präsentierten an der gemeinsamen Medienkonferenz in St.Gallen ihre Jahresergebnisse 2017. Sie führten zudem aus, woran sie gemeinsam arbeiten, um den Herausforderungen im Gesundheitswesen aktiv zu begegnen.