Als Mieter einer Wiler Wohnung ein Teil einer Solaranlage besitzen? Bis jetzt ein Ding der Unmöglichkeit. Doch nicht mehr lange. Auf dem Dach der Eishalle Bergholz soll bis im Sommer des Jahres 2019 eine Photovoltaik-Anlage errichtet werden, die von Mietern finanziert wird. Auch Inhaber von kleinen und mittleren Unternehmen können sich beteiligen. «Das ist ein Angebot für alle, die keine Photovoltaik-Anlage auf das eigene Hausdach bauen können», sagt der zuständige Wiler Stadtrat Daniel Meili. Hausbesitzer sind aber auch angesprochen.

Errichtet wird die Anlage auf dem Dach der Eishalle Bergholz. In einem ersten Schritt wird die Fläche 597 Quadratmeter gross sein. Kommt die Aktion «Bürgerbeteiligung» gut an, kann das Volumen an gleicher Stelle mindestens verdoppelt werden. Die Solarpanels sollen jährlich 47,7 Megawattstunden Strom liefern. Mit dieser Menge können 14 Haushalte komplett versorgt werden. Ein Quadratmeter dieser Anlage ist ab 250 Franken zu haben. Damit kann – umgerechnet – immerhin ein moderner Kühlschrank betrieben werden. Die Gutschrift erfolgt auf der Energierechnung. Dort werden 80 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr gutschrieben – und dies während zwei Jahrzehnten.

Auf dem Weg zur Energiestadt Gold
Die Technischen Betriebe Wil (TBW) übernehmen ein Modell, dass es in der Region Wil noch nicht gibt, andernorts in der Schweiz aber schon. So setzt das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) ebenfalls auf eine solche Bürgerbeteiligung. «Und dies mit Erfolg», wie Meili sagt. Die TBW will damit einen weiteren Schritt machen in Richtung des Labels «Energiestadt Gold». Dieses soll im Jahr 2020 erreicht sein. «Zudem wird zurzeit die Rahmenstrategie für eine Smart City Wil erarbeitet. Diese wird damit erlebbar», sagt Meili. Ferner verfolgt die TBW das Ziel, den Solaranteil beim Strom zu erhöhen. Derzeit gibt es auf städtischem Gebiet 240 private und 15 öffentliche Anlagen. Der Anteil an Solarstrom lag 2017 bei rund 3,5 Prozent, was schweizweit einem überdurchschnittlichen Wert entspricht. Bis 2020 soll er bei 5 Prozent liegen, bis im Jahr 2050 gar bei 15 Prozent.

Mitmachen kann, wer im Verteilgebiet der TB Wil Strom bezieht. Das sind nicht alle, die auf städtischem Gebiet wohnen. Da mit der Dorfkorporation Bronschhofen im Vorfeld keine Gespräche geführt wurden, beteiligt sich diese nicht daran – zumindest vorerst. Wie viele Quadratmeter der Anlage pro Person gekauft werden können, steht noch nicht fest. Es wird aber eine Limite geben. Denn das Ziel ist nicht, dass eine Grossfirma die ganze Anlage kauft, um sie dann zu einem teureren Preis weiterzuverkaufen.

Inbetriebnahme im Sommer 2019 geplant
Die Errichtung des Gesamtprojekts kostet die TBW rund 150'000 Franken. Bereits gibt es erste Interessenten. Ab dem vierten Quartal dieses Jahres sollen Buchungen möglich sein. Die Realisierung ist für den Frühling 2019 vorgesehen, womit die Anlage in rund einem Jahr in Betrieb genommen werden könnte. Die TBW sehen sie nicht als Investitionsobjekt und kalkulieren so, dass weder Gewinn noch Verlust resultiert. «Es wäre schön, wenn das Projekt in der Region Nachahmer finden würde», sagt Meili.