Die vertiefte Machbarkeitsprüfung der Fernwärme Wil zeigt, dass mit der vorhandenen Abwärme der Thermischen Anlagen des ZAB langfristig der Wiler Wärmebedarf entsprechend der Zielsetzung des kommunalen Energiekonzeptes erreicht werden kann. Am Dienstagvormittag informierten Stadtrat Daniel Meili, Claudio Bianculli vom ZAB und Roman Habrik, Gemeindepräsident von Kirchberg über den Stand der Projekte.

Ein Netz für Fernwärme steht im Vordergrund
Mit dem aktuellen Energiebezug vom ZAB können durch fossile Brennstoffe betriebene Heizungen ersetzt werden. Der Stadtrat rechnet mit der Einsparung von 2 Millionen Liter Heizöl und fast 4,7 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Jahr. Die technische und wirtschaftliche Machbarkeit wurde mittels einer Studie überprüft, welche nun vertieft wurde. Zudem sind weitere wichtige Aspekte wie die Durchleitung in Kirchberg grundsätzlich geklärt.

Andere Energielieferanten sind Thema
An der Medieninformation machten die Verantwortlichen vom ZAB und Stadtrat Daniel Meili deutlich, dass es im Wesentlichen um die Schaffung eines Fernwärmenetzes gehe. Der ZAB sei aktuell noch auf längere Sicht der naheliegendste Energielieferant. Die technologischen Entwicklungen der Zukunft werden auch andere Energielieferanten auf den Plan bringen. Z.B.: Wasser könne bekanntlich auch via Sonnenenergie erwärmt werden. Energielieferanten könnten auch Unternehmungen sein mit hohem überschüssigem Wärmeaufkommen. Das Netz wird auch in der Art aufgebaut, dass bei einem Totalausfall des ZAB Energie von anderer Seite eingespeist werden könnte.

Die Technik der Fernwärme ermöglicht zahlreiche Möglichkeiten, informierte Claudio Bianculli vom ZAB. Selbst beim ZAB sei man an einer Studie für mehr Effizienz im Umgang mit Wärme-Energie. So müssten sie bei der Nutzung des Dampf zur Stromerzeugung vermehrt flexibel agieren, um bestmöglichen Nutzen der Wärme-Energie zu erreichen. Jedenfalls stehe beim ZAB aktuell eine thermische Leistung zur Verfügung, welche selbst bei einer möglichen Halbierung des brennbaren Abfalls keine Lieferprobleme aufkommen lasse.

Netzaufbau durch die Technischen Betriebe
Kirchberg hat bekanntlich bereits seit Oktober 2017 ihr lokales Fernwärmenetz in Betrieb. Das Fernwärmenetz für Wil wäre vom ZAB aus vollumfänglich in der Verantwortung der Technischen Betriebe. Das geplante Netz über zwei Zweige, Bergholz und Richtung Spital, visiert in erster Line potentielle Grosskunden an, um auch Erträge zu erwirtschaften. Nicht zuletzt müssten Grossverbraucher für die eigene Planung erfahren, wann sie mit Fernwärme rechnen könnten.

Wil-West dürfte für den Absatz von Fernwärme sicher Thema sein, so Stadtrat Daniel Meili. Allerdings müssten entsprechend geeignete Ansiedlungen von Unternehmungen eine Netzerweiterung rechtfertigen.

Fernwärme ab 2022
Gestützt auf die Ergebnisse des Berichts «Vertiefung Machbarkeitsstudie Fernwärme Wil» steht mit der Erarbeitung des Detailprojektes die nächste Projektphase an. Stimmt das Stadtparlament dem Antrag zu, kann das Projekt Fernwärme Wil bis zur Volksabstimmung weiter bearbeitet werden.

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Die Maximalleistung muss z.B. bei einem starken Kälteeinbruch ebenso bewältigt werden. Die Grafik (rechts) zeigt, dass beim ZAB noch deutlich mehr Leistungskapazität vorhanden ist als die Stadt Wil benötigt (Grüner Balken). 

 Zurzeit wird mit Brutto-Investitionskosten durch die Stadt Wil und die Technischen Betriebe Wil von rund 50 Millionen Franken abzüglich Fördergeldern gerechnet. Gemäss jetziger Planung ist der Baubeginn im Jahr 2020 angesetzt. Wenn das Projekt von den politischen Instanzen gestützt wird, sollten ab 2022 die ersten Kunden in Wil mit Fernwärme bedient werden können.