Heute ist nur noch schwer vorstellbar, womit einst verschiedene Wirte in Wil Gäste anlockten: auf ihrer Speisekarte stand Fischotter. Da diese Tiere lange Zeit den Fischen zugeordnet wurde, waren sie an Fastentagen als Speise zugelassen. Zu seiner Zubereitung wurde das Fleisch ein bis zwei Tage gebeizt und dann mit Nelken, Lorbeerblättern, Zwiebel, Salz, Pfeffer und Essig geköchelt.

Eines dieser Lokale, mit Fischotter im Angebot, war der «Schweizer-Bund» in der Oberen Bahnhofstrasse. In dieser Lokalität werden heute die Kunden eines Optiker-Fachgeschäftes bedient. Neben Fischotter standen damals im «Schweizer-Bund» in auch Leberknödel, Beizfleisch und Hasenpfeffer auf der Menükarte, davon berichtet der Lokalhistoriker Willi Olbrich in seiner Gastronomiegeschichte Wils.


Pferdewechsel

Aus der selben Strassenseite standen um 1930 «stets lebende Bachforellen», «Gebratene Güggeli», «Beefsteak en casserolle» im Angebot. In der Weinkarte waren unter anderem «Schloss Herderner Auslese», «Wilberger Süssdruck» sie «Lagrein Kretzer Auslese» aufgelistet. Das ehemalige «Hotel Schöntal» galt als eine der ersten Adressen in Wil und warb mit seiner «exquisiten Butterküche». Da das Lokal gleichzeitig auch eine Station der Postkutschenlinien war, standen zweitweise 80 Tiere für den Pferdewechsel in den Stallungen.

Treff der Fuhrleute

Mit Pferdekraft wurden damals Personen und Waren transportiert. An den Wiler Ausfallstrassen standen Gaststätten, in denen sich Fuhrleute für eine längere Tour stärkten. Oft wurden auch dort die Pferde gewechselt. Eines dieser Lokale ist das «Rössli» an der Toggenburgerstrasse. Es ist heute für seine Feinschmeckerküche bekannt. Auch zum «Adler» an der Grabenstrasse gehörten einst grössere Pferdestallungen. Mittlerweile wird dort orientalisch gekocht. 

Landwirte und Pferdehändler trafen sich im «Freihof» beim Schwanenkreisel, in dem heute mexikanische Menüs zubereitet werden. Dort fanden in der Mitte des vorletzten Jahrhunderts öfters Pferdeversteigerungen statt. Im Weiteren versorgte in der Liegenschaft ein Zahnarzt aus Winterthur seine Wiler Patientinnen und Patienten.

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Spanischer Wein und  Wiener Bier waren die speziellen Angebote  der Wein-, Bier- und Speisewirtschaft zum Falken in der Altstadt. Foto: wilnet


Spanischer Wein

Ein anderer Gastwirt setzte auf Importiertes. Er pries «ächter spanischer Wein» und «ausgezeichnetes Wiener Bier» an. Im Weiteren stand dem Publikum ein Billard-Zimmer zur Verfügung. Und jeden Nachmittag war während vier Stunden Kaffee erhältlich. Die Gaststätte hiess um 1877 «Wein-, Bier- und Speisewirtschaft zum Falken». Sie stand auf der Rückseite des heutigen Steueramtes. Mittlerweile wird die entsprechend Fläche für das Parkieren von Autos genutzt.

In einer weiteren Wiler Wirtschaft stand um 1890 ausser verschieden Schnäpsen unter anderem folgendes im Angebot: Nusswasser, Zitronenlikör, Doppelkümmel, Kölnisch Wasser, Weinessig. Es wurden weiter auch Zitronen, Datteln, Feigen, Wachholderbeeren, Kirschen und Bienenhonig verkauft. Auch «Medizinal-Tokayer» aus direktem Bezug konnten die Gäste erwerben. Es ist die «Falkenburg» in der Wiler Altstadt.

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Heute bieten verschiedene Gastlokale in der Altstadt und ihrer Umgebung mediterran inspirierte Menüs an. 


Personalvermittlung

1876 öffnete eine neue Gaststätte in Wil ihre Türen. Wegen ihrer Lage nannte die Wirtin sie «Eisenbahn Pinte». Mehrere Wirtewechsel, ein Konkurs und längere Leerstände zeigen, dass sie kaum rentabel war. Später hiess das Gasthaus zeitweise entsprechend des Nachnamens des Wirtes «Fischbach»; gleichzeitig war es auch ein Personalvermittlungsbüro.

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Der Konstanzerhof erlebte verschiedene Angebotsänderungen.  Foto: wilnet

An 1886 war sein Name «Neue Trinkhalle», wie der Lokalhistoriker Willi Olbrich berichtet. Erst ab ungefähr der Mitte des letzten Jahrhunderts schien ihm einigen Erfolg beschieden zu sein. Während Jahren gingen die Gäste in der Pizzeria «Säntis-Rustica» an der Säntisstrasse gerne ein und aus. Mittlerweile scheinen die Wirtewechsel wieder häufiger.

1908 wurde in Bahnhofsnähe der stattlich Konstanzerhof errichtet, der später zeitweise «J B Pub» sowie «El Corazon» hiess und sich mittlerweile «Eggä 12» nennt.